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Video-Bewerbungen : Und Action!

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Gut getroffen? Bewerber setzen sich für Arbeitgeber immer aufwändiger ins Bild. Bild: Africa Studio - Fotolia

Bewerbungen schreiben war gestern. Kandidaten zeigen sich heute in selbstgedrehten Videos den Arbeitgebern. Perfekte Clips interessieren Personalmanager aber nicht.

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          Alle sechs Monate werden die Abflughallen des Frankfurter Flughafens, aber auch Vorgärten und Arbeitszimmer in ganz Deutschland zu Kulissen für dreiminütige Filmchen. Verantwortlich dafür ist die Lufthansa. Die Fluglinie beauftragt jedoch keine Agentur mit neuen Werbeaufnahmen, sondern schickt junge Schulabgänger vor die Kamera. Hinter dem Schreibtisch, vor Warteschlangen oder auf Flugfeldern beantworten sie vier Fragen, die ihnen die Lufthansa gestellt hat, auf Deutsch und Englisch. Werbestars oder angehende Öffentlichkeitsarbeiter sind die jungen Leute aber nicht. Sie wollen sich einfach nur zu Luftverkehrskaufleuten von der Lufthansa ausbilden lassen. Was daran besonders ist? Sie müssen ein dreiminütiges Vorstellungsvideo drehen und auf der Internetplattform Youtube hochladen.

          In den Filmen sprechen die Jugendlichen über ihre Motivation. „Hier wurde ich mit dem Verkehrs-Virus infiziert“, verrät einer. Auch über erste Erfahrungen im Arbeitsleben wird berichtet. „Während meiner Arbeit in einer McDonald’s-Filiale habe ich gelernt, im Team zu arbeiten“, berichtet jemand anders. Manch einer gibt sich in den teilweise öffentlich einsehbaren Videos auch sehr offen: „Ich war sehr übergewichtig.“ Nur eine Minderheit stellt sich für den Dreh einfach zu Hause vor die heimische Raufasertapete. Das liegt daran, dass die Videos für die Fluglinie ein wichtiger, sogar entscheidender Bestandteil des vierstufigen Bewerbungsprozesses für den Luftverkehrskaufmann sind. In der dritten Stufe, nach Sichtung der Unterlagen und einem Online-Test, griffen früher die Personalmanager zum Telefonhörer, um Interviews mit den Kandidaten zu führen. Heute beurteilen Psychologen die Videos. „Wenn der Bewerber uns seine Motivation nicht überzeugend darstellen kann“, sagt die Leiterin des kaufmännischen Ausbildungsmanagements Ingrid Gerhards, „sagen wir ihm ab.“ Wessen Werk dagegen gefällt, wird zum abschließenden Auswahltag eingeladen.

          Dabei erwartet die Lufthansa keine aufwendig inszenierten und produzierten Kurzfilme der Bewerber. Auch Tonqualität und Bildhintergrund spielten für die Bewertung der Psychologen keine entscheidende Rolle. Es geht laut Gerhards vielmehr darum, den Bewerber kennenzulernen, um zum Beispiel festzustellen, ob „die Person offen“ sei. Dafür gibt die Lufthansa vier Leitfragen vor, etwa: „Warum sollte mich die Lufthansa zum Auswahltag einladen?“ Technische Bedingung ist allein, dass die Videos nicht länger als drei Minuten dauern. Da sollte eben auch das heimische Wohnzimmer als Hintergrund reichen. Trotzdem dürften manche Bewerber mitunter Stunden mit der Videoproduktion verbracht haben. Denn die Konkurrenz ist groß: Auf die rund 65 Stellen der Lufthansa zur Ausbildung als Luftverkehrskaufmann bewerben sich jährlich 600 bis 800 Menschen.

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