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Verkehrte Quote : Das bisschen Haushalt macht der Mann

  • -Aktualisiert am

Bild: ddp

Mann wünscht sich, es wäre anders: Wie sähe eine Arbeitswelt aus, in der über eine Männerquote diskutiert wird?

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          Angenommen, nicht die Frauen, sondern die Männer wären in der Minderheit in den Führungsebenen der deutschen Konzerne. Vielleicht weil sich kulturell ein paar Dinge anders entwickelt haben. Und dann eine ganz andere Arbeitskultur entstanden wäre. Welche Gedanken würde sich wohl ein Mann über die Quote machen?

          Der ganz normale Arbeitstag beginnt in der Küche. Der gut ausgebildete Vater schmiert Brote. Die zwei Kinder, vier und sechs Jahre alt, rennen durch die Küche. Seine Frau checkt ihre Mails, in der einen Hand das Handy, in der anderen die Kaffeetasse: „Ich muss los, wird ein langer Tag, warte nicht mit dem Essen“, sagt sie und ist aus der Tür.

          Wichtige Entscheidungen werden ohne die Männer getroffen

          Der Kleine muss in die Kita, die Große in die Schule, er setzt sie ab und hetzt dann selbst auf den Parkplatz, durch die Drehtür, die Treppen rauf. Das Meeting hat längst ohne ihn begonnen. Kein Wunder, seine Kolleginnen haben entweder keine Kinder oder Ehemänner, die sich kümmern – so wie er.

          Er arbeitet in einem ganz normalen Unternehmen, 80 Prozent der Kollegen sind weiblich, inklusive des Vorstands und der Chief Executive Officerin. Alle seine Vorgesetzten sind Frauen. Wichtige Entscheidungen treffen sie beim Schminken. Manchmal fragt er sich, was eigentlich passieren müsste, damit sie auch beim Pinkeln getroffen würden.

          Braucht die deutsche Wirtschaft eine Männerquote?

          Während des Meetings kommt ihm dieser Gedanke wieder. Wie wäre es mit einem Alphamännchen, das andere nur pro forma ins Gespräch einbindet und alle Entscheidungen alleine trifft? Sie kämen doch so viel schneller voran, es würde nicht so lange um den heißen Brei herumgeredet. Okay, Männer sagen auch gerne was, wenn sie eigentlich gar nichts zu sagen haben. Aber als einziger Mann im Raum kommt er sich gerade wieder mal leicht fehl am Platz vor.

          Die Kollegin von gegenüber mustert ihn. Den Milchfleck auf der Krawatte sieht er selbst erst jetzt. Die umgekippte Cornflakes-Schüssel? Erst letzte Woche hatte genau die gefragt, ob sein Anzug nicht ein bisschen zu eng geschnitten sei. Als ob er versuchen würde, die Chefin mit seinem Po zu beeindrucken. Dass attraktive Männer aber auch immer nur auf ihr Äußeres reduziert werden müssen.

          Andere Länder haben die Quote längst. Es gibt genug Studien, die dafür sprechen und einen Zusammenhang sehen zwischen dem Anteil der männlichen Führungskräfte und dem wirtschaftlichen Erfolg. Wenn nicht mit einer Quote, wie soll er es sonst in die oberen Etagen schaffen, wie soll er die gläserne Decke und die weiblichen Machtstrukturen und Seilschaften durchbrechen?

          Mit den Headhuntern geht es doch schon los. Sie schlagen immer nur Frauen vor. Weil sie einfach keine guten Männer finden, sagen sie. Im Aufsichtsrat sitzen inzwischen ein paar, aber alle von der Arbeitnehmerseite. Feigenblätter. Weil es jetzt schick ist, auch mal einen Mann zu befördern. Darf nur nicht überhand nehmen. Dann könnte sich ja grundlegend etwas ändern.

          Was überzeugt Frauen, Männer einzustellen?

          Dann müssten sich die Männer möglicherweise nicht mehr wie Frauen verhalten, um selbst Chef zu werden – so, wie es jetzt der Fall ist: Bescheiden sein. Lieber der Firma treu bleiben, als eine neue, besser bezahlte Position in einer anderen Stadt anzunehmen, in die auch die ganze Familie mit umziehen muss – egal, was aus dem Job des Mannes wird, der ist ja eh meistens schlechter bezahlt. Den Kolleginnen höhere Gehälter zahlen, wenn sie sie verdienen, anstatt sie ewig darüber verhandeln zu lassen, darauf spekulierend, dass sie weniger fordern, als sie könnten.

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