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Verhaltensstrategie : Die Macht der Intuition

Das Hirn allein ist überfordert Bild: fotolia.com

Mißtrauen Sie Ihrer Vernunft. Führungskräfte sollten lernen, auf ihr Gefühl zu hören. Es ist ein weiser Ratgeber, wenn man es richtig einzusetzen versteht. Hier sind sieben Hinweise.

          5 Min.

          Entweder wird einem warm ums Herz, oder man spürt einen Kloß im Hals oder Schmetterlinge im Bauch. Menschen, die auf ihre Körpersignale hören, treffen klügere Entscheidungen. Dies ist das Ergebnis verschiedener Untersuchungen, die belegen, dass der Verstand allein nicht mehr ausreicht, um Fehler zu vermeiden. Gefühle sind weise Ratgeber, wenn man sie nur richtig einzusetzen versteht. Ein Leitfaden.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          1. Der reinen Vernunft mißtrauen

          Bisher glaubten die meisten Forscher, dass eine kluge Entscheidung vor allem eine Frage von Verstand und Vernunft ist. Dinge wie Gefühle und Körperempfindungen haben da keine Rolle zu spielen, sie stören und verwirren bloß. Die Idealvorstellung spiegelt dabei der Homo oeconomicus, ein Typ etwa so wie Commander Spock aus der Sciencefiction-Serie "Raumschiff Enterprise": einer, der denkt, rational handelt, eigennützig ist und keine Emotionen kennt.

          "Vor allem Führungskräfte handeln so. Ein solches Vorgehen ist vor dem Hintergrund jüngster wissenschaftlicher Erkenntnisse aber nicht mehr zu rechtfertigen", sagt Maja Storch, die sich an der Universität Zürich mit dem Einfluss von Gefühlen auf die Entscheidungsfindung beschäftigt. Dabei behaupten Unternehmensberater und Analysten immer wieder, man müsse bei der Entscheidungsfindung möglichst analytisch vorgehen. So eine Annahme setzt jedoch voraus, dass die Intelligenz des Menschen wie eine Rechenmaschine funktioniert, was sie in Wirklichkeit aber nicht tut.

          2. Nicht nur das Bewusstsein entscheiden lassen

          Morgens die Frage nach Tee oder Kaffee, danach die Wahl der Schuhe oder die des Hemdes: Nicht jede Entscheidung, die wir an einem Tag treffen müssen, kann an das Bewusstsein gekoppelt werden. Denn dafür reicht dessen Datenspeicher gar nicht aus. Schon Psychoanalytiker Sigmund Freud fand heraus, dass das Unterbewusstsein großen Einfluss auf die Entscheidungen des Menschen nimmt. Und auch der Gehirnforscher Gerhard Roth schreibt in einem seiner Bücher: "Bewusstsein ist für das Gehirn ein Zustand, der tunlichst zu vermeiden und nur im Notfall einzusetzen ist."

          Das hat auch etwas mit der Geschwindigkeit des bewussten Denkens zu tun. Hirnforscher schätzen, dass das menschliche Bewusstsein, das vor allem in der linken Gehirnhälfte operiert, in jeder Sekunde ungefähr vierzig Informationseinheiten verarbeiten kann; das Unbewusste, das eher im Hintergrund in der rechten Gehirnhälfte arbeitet, bringt es im gleichen Zeitraum hingegen auf fünfzehn bis zwanzig Millionen Informationseinheiten. Dafür bleiben die Ergebnisse des Unterbewusstseins diffus und detailarm. Allerdings: "Wenn wir immer erst warten würden, bis wir alle Fakten für eine Entscheidung gesammelt haben, dann würden wir wohl nie eine Entscheidung treffen", sagt Maja Storch.

          3. Den emotionalen Erfahrungsspeicher nutzen

          Die Erkenntnisse der Hirnforschung zeigen, dass das Gehirn Erfahrungen, die der Mensch im Laufe seines Lebens sammelt, speichert und zudem die Fähigkeit besitzt, Fehler aufzuspüren, daraus zu lernen und sie in Zukunft tunlichst zu vermeiden. Das Gehirn arbeitet also wie ein Fehlerdetektor, ohne dass der Mensch dies überhaupt bemerkt. Solche Informationen werden vom Gehirn bereits im Mutterleib gespeichert. Während das Leben uns also immer wieder vor kaum zu überblickende Wahlmöglichkeiten stellt, sendet der emotionale Erfahrungsspeicher Signale aus, die Entscheidungen vereinfachen können, die sogenannten somatischen Marker. Der Gehirnforscher Antonio Damasio meint, dass das emotionale Gehirn am rationalen Denken genauso beteiligt sei wie das denkende Gehirn. "Wer seine Gefühle nicht in die Entscheidungsfindung mit einbezieht, der schneidet sich selbst vom Erfahrungsschatz ab", sagt deshalb auch Maja Storch. In der Entwicklungsgeschichte des Menschen waren solche Gefühle oft auch an eine Reaktion gekoppelt, etwa wenn Angst eine Flucht auslöste.

          4. Die Gefühle wahrnehmen

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