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Gehälter und Corona : Viele neue Nullrunden

Auch der Autobranche macht die Corona-Krise schwer zu schaffen. Bild: dpa

In der Corona-Krise steigen die Gehälter nur noch mäßig. In manchen Branchen sieht es besonders trist aus und auch für das Jahr 2021 stehen kaum große Sprünge an.

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          Die Corona-Pandemie bewirkt, dass die Unternehmen im Vergleich zu den Vorjahren die Gehälter von Führungskräften wie Mitarbeitern nur spärlich oder gar nicht erhöhen. So weit ist das keine Überraschung; neue Zahlen der Vergütungsberatung Lurse zeigen nun aber das Ausmaß dieser Entwicklung auf: So haben für das laufende Jahr deutlich mehr Unternehmen als in den Vorjahren Nullrunden geplant oder realisiert.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Nach aktuellen Prognosen sehen 48 Prozent der von der Beratung befragten 229 Unternehmen, die aus dem Umfeld der Dax- und M-Dax-Werte sowie aus dem größeren Mittelstand kommen, gar keine Erhöhung im Bereich ihres Topmanagements vor. Dass Managergehälter im Schnitt zurückgehen werden, hatte zuletzt auch schon die Vergütungsberatung HKP vorhergesagt, die in europäischen Großunternehmen sogar mit einem Minus von rund 20 Prozent rechnet. Manche Manager verzichten vorübergehend freiwillig auf Teile ihres Gehalts, um Solidarität mit ihren Mitarbeitern zu zeigen, andere haben auch weniger Ansprüche auf Boni, lautet die Begründung.

          Das durchschnittlich realisierte Gesamterhöhungsbudget für 2020 über alle Mitarbeiter gerechnet liegt – den Lurse-Daten zufolge – unabhängig vom Zeitpunkt der Gehaltserhöhung (vor oder nach Beginn der Pandemie) bei 1,8 Prozent. In jenen Unternehmen, die erst nach dem Ausbruch von Corona die Gehälter erhöht haben, beträgt die Gesamterhöhung je nach Mitarbeitergruppe sogar nur zwischen 1 Prozent und 1,3 Prozent.

          Vergleichsweise wenig traut sich für 2021 die Automobilbranche zu

          „Im Zuge der Corona-Pandemie sind viele Unternehmen auf die Kostenbremse getreten, was erwartungsgemäß auch die Gehaltserhöhungsbudgets extrem niedrig ausfallen lässt“, sagt Uwe Klingenburg, Partner bei Lurse. „Selbst während der Finanzkrise vor elf Jahren konnten wir keinen so deutlichen Einbruch verzeichnen.“

          Auch für 2021 stellen sich die meisten Unternehmen nicht auf große Sprünge ein. Das durchschnittlich geplante Gesamterhöhungsbudget für 2021 liegt den Befragungsdaten zufolge über alle Mitarbeitergruppen hinweg bei nur 2 Prozent. Das ist deutlich weniger als das, was für dieses Jahr ursprünglich einmal kalkuliert war, bevor die Krise zuschlug. Da lag das sogenannte Planerhöhungsbudget immerhin bei 2,9 Prozent.

          Vergleichsweise wenig traut sich für das kommende Jahr die krisengeschüttelte Automobilbranche zu: Die befragten Hersteller planen mit einer durchschnittlichen Erhöhung von 1,7 Prozent. Im laufenden Jahr lagen die Gehaltserhöhungen hier bei mageren 0,3 Prozent. Etwas höher liegen die Planungen der Banken und Versicherer, die sich an der Studie beteiligt haben. Sie kommen im Schnitt auf ein Erhöhungsbudget von 2 Prozent für das kommende Jahr.

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