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VDI-Direktor Fuchs : „Der Ingenieurmangel kommt mit Wucht“

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Welche?

Zum Beispiel, wie die entsprechende Werkstatt aussehen muss. Da gibt es Risse in Kunststoffteilen, die können Sie mit bloßem Auge gar nicht erkennen. Dafür müssen neue Messverfahren entwickelt werden. Da liegt viel Arbeit vor uns, aber das kann auch nur eine Auto-Nation wie unsere leisten.

Kann ein deutscher Ingenieur nach 20 Jahren Arbeit am Verbrennungsmotor einfach umschalten und den Elektroantrieb der Zukunft entwickeln?

Nein, das geht natürlich nicht. Aber wir gehen davon aus, dass in den kommenden fünf bis zehn Jahren 1 Prozent der Autos mit Elektromotoren ausgestattet wird. Damit bleiben 99 Prozent Verbrennungsmotoren, und die müssen weiterentwickelt werden, damit wir unsere Klimaziele erreichen. Das wird ein schleichender Wechsel werden. Aber natürlich suchen die Autohersteller schon vermehrt Elektroingenieure.

Müssen dafür auch Studiengänge neu konzipiert werden?

Mit Sicherheit. Aber nicht von jetzt auf gleich. Wir haben sehr gute Hochschulen in Deutschland, die das schrittweise adaptieren. Das ist aber ein permanenter Prozess. Heute fährt doch kein Auto mehr ohne Elektronik, deshalb bekommen Fahrzeugbau-Studenten diese Kenntnisse längst schon im Studium vermittelt.

Wo sollen diese Ingenieure herkommen?

Das wird die große Herausforderung werden. Aber unser Werben bei jungen Leuten für ein Ingenieurstudium zeigt Erfolge. Wir hatten im letzten Wintersemester 13 Prozent mehr Studienanfänger, der Frauenanteil ist sogar um 16 Prozent gestiegen.

Aber Abbrecherquoten von bis zu 40 Prozent müssen Ihnen doch Sorge bereiten.

Da müssen wir in der Tat ran. Aber wir haben auch Hochschulen wie die TH Darmstadt, welche die Quote auf 10 Prozent gedrückt haben. Diese Beispiele muss man besser herausstellen, damit andere davon lernen können.

Was macht denn Darmstadt besser?

Dort werden sehr lange Vorgespräche mit den Kandidaten geführt, um deren Eignung für das Studium zu prüfen. Das macht sehr viel Mühe, aber es lohnt sich. Auch in München wird diese Methode angewendet.

Reicht die gute Auswahl allein aus?

Nein, wir müssen auch über eine bessere didaktische Ausbildung der Hochschullehrer reden. Wenn ich den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik nicht gut erklären kann, dann gehen die meisten Klausuren eben daneben. Da müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Deshalb ist das Vorhaben der Bundesregierung richtig, Hochschulen nicht nur nach ihrer Forschungs-, sondern auch nach ihrer Lehrtätigkeit zu bewerten.

Wo liegen die Einstiegsgehälter von Ingenieuren heute?

Das hängt stark von der Größe des Unternehmens ab, aber derzeit liegen sie im Durchschnitt wohl bei etwa 40.000 Euro. Das ist für einen jungen Menschen schon sehr ordentlich.

Können Sie die fehlenden Ingenieure nicht aus dem Ausland abwerben?

Nein, Sie können kaum fertige Ingenieure ins Land holen. Andere Länder haben dieselben Probleme, auch dort steigen die Löhne. Wir müssen versuchen, die Leute schon zum Studium nach Deutschland zu holen. Deshalb ist der Bologna-Prozess so wichtig als internationales Anschlusssystem. Wir müssen jetzt aufhören zu lamentieren und das System zum Laufen bekommen, damit wir weiterhin die beste Ingenieurausbildung der Welt haben.

Was halten Sie davon, dass renommierte Hochschulen den Titel "Diplom-Ingenieur" als Marke rüberretten wollen?

Diese Marke sollten wir erhalten, denn sie könnte eine ähnliche Bedeutung erlangen wie „Made in Germany“ für unsere Produkte. Aber wir brauchen eine einheitliche Lösung und dürfen nicht nur die Masterstudenten im Auge haben, sondern müssen auch auf die Bachelorabsolventen schauen, die machen immerhin zwei Drittel der Abgänger aus.

Was schwebt Ihnen vor?

Die Abschlüsse könnten „Diplom-Ingenieur (Master)“ und „Diplom-Ingenieur (Bachelor)“ lauten. Hinter einem solchen Ansatz würden wir stehen.

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