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Unternehmensgründungen von Zuwanderern : Sie machen längst nicht alle eine Dönerbude auf

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Das Klischee von der Dönerbude stimmt nicht: Interessanterweise gründen gerade Nord- und Westeuropäer besonders häufig. Bild: dpa

Zuwanderer machen sich häufig selbständig, gründen Imbisse, Gemüseläden oder Friseursalons. Das jedenfalls ist ein gängiges Vorurteil. Es stimmt nicht, zeigt nun eine neue Studie. Auf die Herkunft der Migranten kommt es an.

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          Dönerbude, Friseursalon, Kiosk um die Ecke: Menschen mit ausländischen Wurzeln gründen häufiger ihr eigenes (Klein)unternehmen – so ein gängiges Vorurteil. Neue Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen nun aber: Das stimmt gar nicht. Viele Zuwanderer haben offenbar auch Vorbehalte gegen die berufliche Selbständigkeit.

          Nur jeder 20. in Deutschland lebende Ausländer möchte sein eigener Chef sein, wie aus der Studie hervorgeht. Damit streben Migranten nicht häufiger als Männer und Frauen mit einem deutschen Pass nach beruflicher Selbstständigkeit. Allerdings hänge die Bereitschaft zur Gründung eines eigenen Unternehmens stark von der Herkunft der Migranten ab, heißt es in dem IAB-Papier weiter. Die Forscher berufen sich dabei auf eine Umfrage unter 15.000 Migranten in den vergangenen dreieinhalb Jahren. Die Daten wurden von einem Internationalen Forschungskonsortium erhoben.

          Demnach entschieden sich vor allem Zuwanderer aus den nördlichen und westlichen Anrainerstaaten Deutschlands häufiger als Bundesbürger für eine Existenz als Freiberufler oder freier Unternehmer, berichten die Arbeitsmarktforscher. Interessanterweise sind also gerade nicht die klassischen Döner- oder Pizzabudenbesitzer die eifrigsten Gründer. Im Gegenteil: Bei Migranten aus Süd- und Osteuropa bewege sich der Anteil der Existenzgründer auf dem deutschen Durchschnittsniveau. Das Klischee von der Pizzabude stimmt noch in einer weiteren Hinsicht nicht, schreiben die IAB-Fachleute: Gründungen von Migranten seien nicht weniger innovativ als die von Einheimischen.

          Als Motiv für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit führen viele Migranten Probleme bei der Stellensuche an. Oft fehle es den Ausländern auch an den von deutschen Chefs geforderten schulischen Abschlüssen. Dagegen könnten sie als Selbstständige auch ohne Zeugnisse und Zertifikate ihre Fähigkeiten zu Geld machen, geben die Arbeitsmarktforscher zu bedenken.

          Ein Hochschulabschluss erhöht die Wahrscheinlichkeit zu gründen erheblich, geht aus der Studie hervor. Das gilt allerdings gleichermaßen für Einheimische wie Migranten, betonen die Forscher. Ebenfalls unabhängig vom Migrationsstatus zeigt sich: Männer machen sich häufiger als Frauen selbständig und junge Menschen gründen häufiger als Ältere ein Unternehmen.

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