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Unternehmen klagen : Das „Corona-Betreuungsvakuum“ hält an

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Rückkehr in die Kita: Verlassen können sich Eltern und Unternehmen darauf nicht. Bild: dpa

Viele Kitas sind vom Regelbetrieb noch weit entfernt: Betreuungszeiten wurden gekürzt, bei leichten Schniefnasen werden Kinder sofort nach Hause geschickt. Jetzt melden sich die Unternehmen: So könne es nicht weitergehen.

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          Nicht nur in den Betrieben herrscht seit der Corona-Pandemie eine neue Normalität. Auch für arbeitende Eltern gibt es eine neue Kinderbetreuungs-Normalität. Seit Corona ist die Verlässlichkeit passé: Zum Teil wurden Betreuungszeiten in Kitas gekürzt, zum Teil werden Kinder wegen leichter Schnupfennasen sofort nach Hause geschickt. Und wie es mit der Schule nach den Sommerferien weitergeht, weiß auch kaum jemand so genau.

          Für berufstätige Eltern heißt das oft: Kinderbetreuung statt Arbeit – und das setzt zunehmend nicht mehr nur Familien unter Stress, sondern auch Arbeitgeber: Familienunternehmen in Deutschland beklagen ein „Corona-Betreuungsvakuum“ zu Lasten der Wirtschaft. Einer Umfrage unter den Mitgliedern der Verbände „Die Familienunternehmer“ und „Die Jungen Unternehmer“ zufolge spüren 58 Prozent der befragten Firmen noch immer die Folgen der eingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten, weil Mitarbeiter Kinder betreuen müssen. Jedes zweite dieser Unternehmen meldet dadurch Beeinträchtigungen in den Betriebsabläufen.

          „Arbeitnehmer mit Kindern stecken in einem gewaltigen Dilemma, weil weder in Schulen noch in Kitas eine berechenbare Betreuung funktioniert“, sagte Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands „Die Familienunternehmer“. Derzeit werde das Problem zu Lasten der Unternehmen gelöst. „Die Landesregierungen und der Bund müssen endlich maximal kreativ werden, um auf vielfältige Weise bald eine bestmögliche Rückkehr zur 100-Prozent-Betreuung auch unter den Corona-Auflagen zu ermöglichen.“ Auf Dauer könne die Wirtschaft so ihre Kraft nicht entfalten, warnte von Eben-Worlée. „Die wirtschaftliche Corona-Krise hat den familiengeführten Mittelstand in ganzer Breite erreicht.“

          Kurzarbeit und niedrige Umsätze

          86 Prozent der Familienunternehmen nutzen den Angaben nach Kurzarbeit – für im Durchschnitt knapp die Hälfte ihrer Mitarbeiter. Knapp ein Viertel (24 Prozent) der befragten Unternehmer geht davon aus, dass sie die Kurzarbeit bis Ende August beenden können. Eingebrochene Auftragseingänge zeigten zudem, dass die Umsätze in den Betrieben noch länger niedrig bleiben werden. Die Auftragseingänge lagen den Angaben nach im April um 32 Prozent und im Juni immer noch 21 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

          Der Umfrage zufolge planen 45 Prozent der Familienunternehmen im kommenden Quartal keine Investitionen. Trotz der ungewissen Lage werden 77 Prozent der Umfrageteilnehmer an der bisherigen Zahl der Arbeitsplätze festhalten oder sie gar erhöhen.

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