https://www.faz.net/-gyl-9evgu

Innovative Mitarbeiter : Bloß kein Neid!

So machte es auch Vodafone mit Sebastian Koepl und Joscha Schulte: Den Tüftlern, die normalerweise an der Verkaufsfront und in der Mitarbeiterschulung tätig sind, kam im Büro die Idee, eine neue App zu entwickeln, mit deren Hilfe selbst technische Laien einen Router fachgerecht installieren können. Über mehrere Wochenenden hinweg werkelten beide an einer Anwendung, die jeden marktüblichen Router mit der Handykamera scannt und auf dieses Live-Bild dann die wichtigsten Schritte zur Installation mit der Technik von Augmented Reality aufspielt.

Gründerflair für behäbige Unternehmen

Durch ihre zeitweise Freistellung von der Arbeitszeit konnten Koepl und Schulte ihr Produkt schließlich bis zur Marktreife weiterentwickeln; mittlerweile ist es fester Bestandteil des Angebots von Vodafone. Die Geschichte der beiden Innovatoren diente dem Konzern als Vorbild, um sein neues Gründerprogramm zu schaffen, das nun allen Mitarbeitern offensteht, deren Ideen die interne Jury überzeugen.

„Das Vorgehen ist bestens geeignet, um Mitarbeiter zu motivieren oder die Kultur im Unternehmen zu prägen“, urteilt Stefan Groß-Selbeck. Er weiß, wovon er spricht. Denn seine Aufgabe ist es, behäbigen Unternehmen das nötige Gründerflair zu verpassen. Der ehemalige Deutschland-Statthalter von Ebay und Chef des Berufsnetzwerkes Xing ist bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) globaler Leiter des Bereichs „Digital Ventures“. Dort sind 200 Mitarbeiter im Einsatz, um Kunden aus der Industrie zu beraten, ihre bestehenden Geschäftsmodelle aufzufrischen oder sogar selbst Geschäftsideen zu entwickeln. Nach Ansicht von Groß-Selbeck biete das Vodafone-Konzept durch den Umweg, die eigenen Mitarbeiter zu Gründern zu machen, einen einmaligen Vorteil: Jedes Aus für eine Geschäftsidee wird nicht automatisch zum Karrierekiller für ihren Schöpfer: „Wir brauchen heute eine Kultur in Unternehmen, in der das Scheitern von Projekten ausdrücklich akzeptiert und nicht bestraft wird“, fordert der BCG-Mann.

Große Herausforderungen für Chefs

Wer innovativen Mitarbeitern eine solche Sonderbehandlung zukommen lässt wie Vodafone, läuft allerdings Fachleuten zufolge auch Gefahr, dass bei den übrigen Kollegen Zwist aufkommt. Ametsreiter wiegelt ab: „Wir haben unsere Organisation bereits 2012 umgebaut, um für flache Hierarchien zu sorgen und Präsenzpflicht abzuschaffen“, sagt er. Ob das reicht? Neue Untersuchungen zur Ambidextrie, also zu den unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten in Unternehmen, zeigen jedenfalls, dass riesige Führungsherausforderungen damit einhergehen.

Eine Befragung der Personalvermittlung Hays, die 218 Führungskräfte aus großen Unternehmen mit speziellen Innovationsteams interviewt hat, förderte zutage: Fast zwei Drittel der Befragten beklagten Differenzen zwischen den normalen Mitarbeitern und innovativen Projektteams aufgrund „kultureller Konflikte wegen unterschiedlicher Wertekanons“. Fast genauso viele berichteten von „Wertschätzungskonflikten“.

Weitere Themen

Topmeldungen

Das israelische Parlament

Regierungsbildung in Israel : Parlament stimmt für seine Auflösung

Zum dritten Mal innerhalb eines Jahres sind die israelischen Bürger zur Wahl eines neuen Parlaments aufgerufen. Der Wahlkampf wird sich vermutlich vor allem um eines drehen: die Korruptionsvorwürfe gegen Ministerpräsident Netanjahu.
 „Mit diesen Leuten haben wir nichts zu tun“: Michael Kretschmer über die AfD

Tabubruch in Sachsen : CDU für Koalition mit Grünen und SPD

Auf einem Sonderparteitag stimmt Sachsens CDU mit großer Mehrheit für ein Regierungsbündnis mit Grünen und SPD. Nicht immer erntet Michael Kretschmer dabei so viel Beifall wie für seine Attacke gegen die AfD.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.