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Altenpflege : Union droht mit Blockade der Pflegeausbildung

Demenzkranke im fortgeschrittenen Stadium - in Arzneistudien einbeziehen? Bild: dpa

Der Pflegeberuf soll attraktiver werden, so hat es sich die Koalition vorgenommen. Doch nun gibt es Bedenken in der Union: Verbaut die neue Ausbildung für Kranken- und Altenpflege Hauptschülern den Zugang?

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          In der Pflege hat sich die Koalition viel vorgenommen. Es soll mehr Geld für mehr Klinikpersonal geben. Die Altenpflege wird mit umgebaut. Auch soll der Pflegeberuf attraktiver werden. Die 136.000 Kranken-, Kinderkranken- und Altenpfleger sollen in einem statt in drei Ausbildungsgängen vorbereitet werden. Die Fachleute sprechen von der „generalistischen Ausbildung“. Doch während Klinik- und Pflegereform im November beschlossen werden sollen, gibt es um die Ausbildung Krach. Das liegt nicht an den 300 Millionen Euro, die die Umstellung nach dem von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) vorgelegten Arbeitsentwurf zusätzlich kosten würde. In der Union halten viele das ganze Vorhaben auf einmal für falsch, doch die SPD pocht auf den Koalitionsvertrag. „Wir brauchen keinen Neustart des Verfahrens, sondern einen zügigen Abschluss“, sagt deren gesundheitspolitische Sprecherin, Hilde Mattheis. Dafür sei das Papier von Schwesig und Gröhe eine gute Grundlage.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Das wird in der Unionsfraktion ganz anders gesehen. Erstens sei der „Koalitionsvertrag kein Denkverbot“ und zweitens solle die SPD die Rezepte für die Lösung der offenen Fragen auf den Tisch legen, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Georg Nüsslein. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung droht er mit Blockade: „Gibt es keine Rezepte, gibt es keine generalistische Ausbildung.“ Nüsslein stützt damit den pflegepolitischen Sprecher seiner Fraktion, Erwin Rüddel (CDU). Der glaubt: „Die Generalistik ist nicht mehr zu retten“.

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          Es sind zwei Punkte, die die Christsozialen umtreiben. Da ist das (neu entdeckte) Argument, wonach die einheitliche Ausbildung die Abwanderung der Pflegekräfte dorthin begünstigt, wo am besten gezahlt wird, also ins Krankenhaus. Dort werden zudem eigens neue Pflegestellen aus Beitragsgeldern finanziert. „Auch in Deutschland könnte sich die Personalsituation in der Altenpflege durch das Gesetz deutlich verschlechtern“, sagt Rüddel, der von den Heimbetreibern unterstützt wird.

          SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach hält das Argument für falsch. Die Ausbildung in der Altenpflege sei bisher eine „Ausbildung zweiter Klasse“ gewesen, sie werde nun aufgewertet und mehr Interessenten anziehen. Rüddel aber treibt ein zweiter Punkt um: Es ist die Sorge, dass wachsende Anforderungen Hauptschülern den Zugang zur Pflegeausbildung versperren könnten. In der Krankenpflege hätten schon 70 Prozent der Lehrlinge Abitur, in der Altenpflege nur 30 Prozent. In ersten Plänen sei für Hauptschüler schon eine vier- statt der normalen dreijährigen Ausbildung vorgesehen gewesen. „Es darf nicht sein, dass ein Mittelschüler Schwierigkeiten bekommen könnte, eine Ausbildung als Pfleger anzutreten“, warnt Nüsslein.

          In der SPD wird hervorgehoben, dass die Reform den Beruf attraktiver machen werde. Nicht zuletzt werde die Ausbildung, die manche heute noch privat bezuschussen müssen, damit „endlich kostenlos“. Zustimmung gibt es dazu von Verbänden der Pflegeberufe, die sich eine Aufwertung, nicht zuletzt eine bessere Bezahlung versprechen.

          Die Grünen sind von der Argumentation nicht überzeugt. „Mit der generalistischen Ausbildung wird der Pflege spezifisches Fachwissen verlorengehen, das macht den Beruf nicht attraktiver, sondern kaputt“, sagt deren pflegepolitische Sprecherin, Elisabeth Scharfenberg. CDU-Mann Karl-Josef Laumann, Pflegebevollmächtigter der Regierung, sucht den Streit einzudämmen. Der Koalitionsvertrag sei eindeutig. Man wolle die einheitliche Ausbildung. Richtig sei aber auch, dass die Inhalte der Ausbildung im Gesetz konkret festgelegt werden müssten und der breite Zugang zur Ausbildung für alle Schulabgänger erhalten bleibe.

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