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Ungleiche Rollenverteilung : Karrierefrauen schmeißen auch den Haushalt

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Zwischen Baby und Kochtopf: Gerade Karrierefrauen wollen sich offenbar häufig im Haushalt beweisen. Bild: dpa

Sie jonglieren zwischen Schreibtisch, Kita und Wischmopp: Hausarbeit bleibt an berufstätigen Frauen noch immer viel stärker hängen als an Männern. Wohl auch, weil sie sich in ihrer traditionellen Rolle beweisen wollen, sagen Forscher.

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          Putzen, kochen, waschen: Auch Karrierefrauen finden oft nicht aus ihrer traditionellen Rolle heraus, wie eine aktuelle Studie zeigt: Berufstätige Frauen übernehmen deutlich mehr Hausarbeit als ihre erwerbstätigen Männer. Noch immer erledigten Frauen drei Viertel der Hausarbeit, erklärte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) am Mittwoch in Essen.

          Für die Studie hat das Institut gemeinsam mit der Bergischen Universität Wuppertal Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 1992 bis 2011 von knapp 5000 berufstätigen Ehepaaren ausgewertet. Die Familien hatten zum Teil Kinder und waren teilweise kinderlos.

          Frauen putzen und waschen viel mehr.

          Besonders frappierend: Brachten die Frauen sogar mehr Geld nach Hause als ihre Ehegatten, engagierten sie sich über die Maßen stark im Haushalt. Die am besten verdienenden Frauen arbeiteten also am meisten mit Schrubber und Wischlappen  - mehr noch als Geschlechtsgenossinnen, die weniger oder gleich viel verdienten wie ihre Männer. Eine mögliche Ursache sehen die Forscher im Bemühen der Frauen, sich in ihrer traditionellen Geschlechterrolle beweisen zu wollen.

          Der Anteil, den berufstätige Frauen insgesamt an der Hausarbeit übernehmen, sank den Angaben zufolge zwischen 1992 und 2011 lediglich von 82 auf 75 Prozent. In den vergangenen 20 Jahren reduzierte sich die Zeit für Hausarbeit bei ihnen um rund 30 Minuten auf knapp 2,3 Stunden täglich. Im gleichen Zeitraum stieg sie für Männer um gut zehn Minuten auf knapp 0,8 Stunden. Offenbar werde also in der Summe weniger Zeit mit Hausarbeit verbracht, hieß es.

          Gleichwohl äußern die Forscher Bedenken, ob Maßnahmen der deutschen Politik zur Steigerung der Geburtenrate wirken könnten, solange die Geschlechterrollen in deutschen Haushalten so ungleich verteilt bleiben. Was nützten finanzielle Unterstützung für Familien und bessere Kinderbetreuung, wenn die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau dennoch stark zulasten der arbeitenden Frauen gehe und die Doppellast nicht von ihnen nehme, fragen die Autoren.

          Die für die Studie befragten Männer hatten ein durchschnittliches Jahreseinkommen von gut 42.000 Euro im Jahr, die Frauen – vor allem durch häufigere Teilzeitarbeit – ein durchschnittliches Jahreseinkommen von gut 21.000 Euro. Im häufigsten Szenario unter den befragten Ehepaaren (44,2 Prozent) arbeitete der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit.

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