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Serie „Ich mach mein Ding“ : Ein ungewöhnlicher Bankenwechsel

Während eines Praktikums hatte sie sich mit Wettbewerbsanalyse befasst, ein Gebiet, das ihr gut gefiel. Sie bewarb sich bei der Deutschen Bank und wurde in Stuttgart Trainee. Sie machte ihre Sache gut, wurde übernommen und befasste sich fortan mit mittelständischen Unternehmen von rund fünf Millionen Umsatz bis hin zu Baukonzernen. Einige Monate verbrachte sie in der Frankfurter Zentrale und in Brüssel und fand es „ spannend zu erleben, wie internationale Kollegen arbeiten“. Das klingt nach einer freudvollen Tätigkeit? „Aber ja. Das waren fünf gute Jahre, in denen ich viel gelernt und gesehen habe, die will ich nicht missen.“ Äußerlich führte sie das Leben einer moderat ehrgeizigen, sportlichen jungen Frau, ging ins Fitnessstudio, fuhr Fahrrad, urlaubte in der Toskana, sang im Chor - „alles eben ganz normal“, lacht sie. Einzig die Mittagspausen verbrachte sie nicht beim Steh-Italiener, sondern immer öfter in der Domkirche. Die lag nur wenige Minuten von ihrem Arbeitsplatz entfernt. „Irgendwann wurde der Wunsch stärker, mehr Zeit für mich zu haben und mir Fragen nach dem Sinn unseres Seins anzugucken. Und ich wusste, es sollte in einem religiösen Rahmen stattfinden.“ Sie googelte und stieß auf ein Angebot des „Klosters auf Zeit“ in Tutzing, eine Art Hospitanz für interessierte Laien. Vor zehn Jahren lernte sie das Kloster kennen, das stolz und ein wenig verschachtelt über dem See thront. „Im Kloster habe ich toughe, starke Frauen erlebt, die ihren Platz in der Kirche gefunden haben.“ Diese zehn Tage bescherten ihr ein noch diffuses Gefühl, „irgendwie angekommen zu sein. Da ist etwas ins Rollen gekommen.“ Die Gemeinschaft zog sie an. Sie verbrachte mehrere Wochenenden in Bayern und erkannte, dass sie für ihren Glauben die Gemeinschaft der anderen braucht. „Das gemeinsame Gebet hat mir geholfen, Gott wirken zu lassen“, sagt sie mit ruhiger Ernsthaftigkeit, wohl wissend, dass nichtreligiöse Menschen ihr in dieser Wortwahl schwer folgen können.

Als ihr Arbeitgeber ihr das Angebot machte, ein Projekt in Japan zu übernehmen, war ihr klar, dass sie sich entscheiden musste. Katrin Rohrmann entschied sich für das Leben als Ordensfrau. Sie tauschte ihre Kostüme gegen das schlichte Ordensgewand, trat 2007 ins Kloster ein und wurde Schwester Katharina. Zuvor löste sie ihre Wohnung auf, besuchte Freunde, verbrachte mit der Familie einen Skiurlaub. Oft hat sie in dieser Zeit des Umbruchs mit ihrem Bruder, der als Ökotrophologe auf Norderney arbeitet, gesprochen. „Meine Familie hat mich in meinem Entschluss unterstützt, dafür bin ich ihr dankbar.“ Mit 32 Jahren machte sie ihr Postulat, nahm dann den weißen Schleier zum grauen Gewand und wurde zwei Jahre Novizin, legte die erste Profess ab, um schließlich in einer feierlichen Eucharistiefeier die ewige Profess abzulegen - „eine Bindung auf Lebenszeit“. Seither trägt sie den goldenen Ring als Zeichen der Treue zu Gott, das schwarze Ordenskleid und unterwirft sich einem Tagesrhythmus, den feste Gebetszeiten strukturieren. Morgens um 5.30 Uhr gibt es die Laudes, das Morgenlob. Die Schwestern, das Durchschnittsalter beträgt 71 Jahre, treffen sich zum Mittagsgebet, zur Vesper am frühen Abend und zur Komplet um 19.45 Uhr. Wer mag, zieht sich dann in sein 12-Quadratmeter-Zimmer zurück, geht spazieren oder liest.

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