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Kulturelle Fettnäpfchen : „Nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen“

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Essen in Asien: Für unerfahrene Europäer kann das zum kulinarischen und gesellschaftlichen Spießrutenlauf werden. Bild: AP

Wer die Codes anderer Kulturen auswendig kennt, liefert auf internationalem Parkett eine glänzende Vorstellung ab? Nicht immer. Was hilft dann? Ein altes Hausmittel, sagt Karrieretrainer Patrick Sourek.

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          Herr Sourek, Sie sind Trainer der Duisberg Centren, einem Unternehmen für Sprachen und interkulturelle Bildung. Wie lässt es sich im Arbeitsalltag verhindern, dass man in kulturelle Fettnäpfchen tritt?

          Indem man eine offene und eher abwartende Haltung einnimmt - also nicht zu Deutsch „mit der Tür ins Haus fällt“. Ganz verhindern lässt sich dies nie. Aber ein ebenso offener wie verständnisvoller Geschäftspartner versteht bestimmt, wenn ich nicht mit allen Gepflogenheiten auf Anhieb zurechtkomme. Es ist ein Trugschluss zu glauben, wenn man brav alle Regeln auswendig lerne, sei man auf der sicheren Seite. Neben einer guten Vorbereitung hilft immer auch ein altes Hausmittel: das Gegenüber fragen.

          Wenn es doch passiert, was ist zu tun: offen ansprechen oder galant darüber hinweggehen?

          Das ist in der Tat kulturabhängig: In Kulturen, in denen Konflikte oder Unangenehmes nicht offen ausgesprochen wird, sollte man es galant unter den Tisch fallen lassen. In anderen Kulturen hingegen kann man sehr wohl zu seinem Fehler stehen und um Verzeihung bitten.

          Wieso muss ich mich überhaupt anpassen, warum macht nicht mein Gegenüber einen Schritt auf mich zu?

          Ideal ist es, wenn sich beide Seiten aufeinander zubewegen. Natürlich nicht so weit, dass man die andere Kultur damit karikiert. Ich würde weniger von Anpassung sprechen als vom berühmten Blick über den Tellerrand. Der tut uns Deutschen immer wieder mal gut.

          Wie kommen die Deutschen auf dem internationalen Parkett rüber?

          Jede Kultur ist auf ihre Art eigen. Wir neigen jedoch manchmal zu einer überzogenen Selbstsicherheit, die mitunter arrogant wirken kann, obwohl wir es gar nicht so meinen und im Kern sehr liebenswerte Menschen sind. In dieser starken Position wollen wir natürlich keine Blöße zeigen. Da wir oft und gerne erklären, „wie es geht“, wollen wir auch auf fremdem Terrain damit glänzen. Das hängt zum einen mit unserem Hang zum Perfektionismus zusammen und zum anderen mit unserer historischen Vergangenheit. Dabei weiß keiner das besser als wir Deutschen: Wir sind gar nicht so schlimm, wie wir immer meinen.

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