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Übergewicht : Warum der Beruf dick machen kann

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Ungesundes zu Mittag: Arbeitnehmer in einem Schnellrestaurant Bild: AP

Fast Food in der Mittagspause, kaum Bewegung am Schreibtisch und abends zu müde für Sport. Eine neue Studie zeichnet ein verheerendes Bild von Deutschlands dicken Arbeitnehmern. Ein zu verheerendes?

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          Arbeit macht dick. So liest sich das Fazit einer neuen Studie über den Zusammenhang von Berufstätigkeit und Gewichtszunahme. Das Beratungsunternehmen „Career Builder“ hat dazu mehr als 1000 Arbeitnehmer in Deutschland zu ihren Ess- und Bewegungsgewohnheiten befragt. Heraus kam: Fast ein Drittel der Befragten hat im Laufe der aktuellen Berufstätigkeit an Körpergewicht zugelegt. Fast ein Viertel der Umfrageteilnehmer gab an, sogar mehr als 2,3 Kilo zugenommen zu haben.

          Nur 12 Prozent der befragten Arbeitnehmer antworteten, dass sie während ihrer aktuellen Berufstätigkeit abgenommen hätten. Insgesamt fühlen sich 42 Prozent der Befragten übergewichtig.

          Das klingt alarmierend. Zumal die Studienautoren auch nach den Gründen für den zusätzlichen Speck auf den Rippen fragten. Etwas mehr als die Hälfte derjenigen, die im Laufe der Berufstätigkeit zugenommen haben, sagten, sie verbrächten die meiste Zeit des Tages am Schreibtisch. Mehr als ein Drittel offenbarte, nach der Arbeit zu müde zu sein, um Sport zu treiben. Auch das Essen aus Stress wurde als häufiger Grund angeführt: 35 Prozent gaben diesen Grund an. Auch Naschereien im Büro, unregelmäßige Mahlzeiten und regelmäßige Restaurantbesuche nannten einige Umfrageteilnehmer als Gründe.

          „Verheerende“ Auswirkungen der Arbeit - wirklich?

          Allerdings: So manches Ergebnis der Studie lässt sich auch positiv deuten: Immerhin arbeitet den Angaben der Befragten zufolge fast die Hälfte der Arbeitnehmer nicht hauptsächlich am Schreibtisch, bewegt sich also relativ viel während der Arbeitszeit. Und mit 64 Prozent treibt die Mehrheit der Berufstätigen regelmäßig Sport, 22 Prozent der sportlichen Arbeitnehmer trainieren sogar drei Mal in der Woche oder häufiger.

          Und nicht zuletzt: Was die Studie reißerisch als „verheerende Auswirkungen“ der Arbeit auf das Körpergewicht verkaufen will, muss nicht allein an der Arbeit liegen. Ob die Umfrageteilnehmer während der Zeit ihrer Berufstätigkeit womöglich auch aus anderen Gründen zugenommen haben, bleibt im Dunkeln. Nach der Gewichtsentwicklung oder der Neigung zum Frustessen von Arbeitslosen oder Hausfrauen  wurde zum Vergleich jedenfalls nicht gefragt.

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