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Traineeprogramme : Die Brutkästen der Wirtschaft

Bild: Cyprian Koscielniak

Kaminabende mit dem Vorstand, Stationen im Ausland, ein stetig wachsendes Netzwerk: Wer eine Traineestelle ergattert, dessen Berufseinstieg verläuft nach Lehrbuch. Aber ohne Karrieregarantie.

          5 Min.

          Josef Ackermann hat es gemacht, Eckhard Cordes ebenso, Gerhard Cromme, Jürgen Dormann, Hilmar Kopper, Rita Forst – wer die Liste deutscher Spitzenmanager durchgeht, entdeckt darauf viele Namen, die ihre Karriere mit einem Traineeprogramm begonnen haben. Die meist 12 oder 18 Monate währenden Programme sind beliebt bei Bewerbern und Personalverantwortlichen, lernen sich beide Seiten hier doch in kurzer Zeit sehr gut kennen. So verwundert es nicht, dass mittlerweile Schätzungen zufolge drei Viertel aller größeren Unternehmen den Berufseinstieg als Trainee anbieten.

          Ursula Kals
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Eine Traineeposition zu ergattern ist für Hochschulabsolventen ein komfortabler Weg zu einer soliden Karriere – vorausgesetzt, es handelt sich um eine klassische Traineestelle. Denn unter dem Stichwort Trainee verbirgt sich mittlerweile eine Art Gemischtwarenladen unterschiedlichster Einstiegspöstchen und -posten, die Nachwuchsförderung verheißen sollen. Manche Unternehmen besetzen unter dem Titel aufgemotzte Praktikumsstellen, andere suchen junge, durchaus leidensfähige Mitarbeiter, die sie in eher zufällig frei werdende Stellen stecken können. Die aussichtsreichsten Traineestellen sind aber jene, die sich an ausgezeichnet qualifizierte Hochschulabsolventen richten und ihnen ein Rundumeinstiegspaket bieten: Die „High Potentials“ sollen das Unternehmen gründlich kennenlernen, sie werden in unterschiedlichen Abteilungen eingearbeitet und von einem Mentor begleitet. Eine Art Brutkasten für künftige Manager.

          Nervös auf eine Übernahme hoffen müssen Trainees nicht

          So ist es auch dem Wirtschaftsingenieur Jan Schiermeister vor sechs Jahren ergangen. „Von dem bereichsübergreifenden Fachwissen, das ich mir während der Monate angeeignet habe, profitiere ich noch heute. Und natürlich von den Kollegen, die ich kennengelernt habe“, sagt der 32 Jahre alte Mitarbeiter des Maschinenbauers MAN. „Wenn ein Problem auftaucht, dann weiß ich sofort, wen ich anrufen und bei wem ich nachfragen kann.“ Heute leitet Schiermeister eine Abteilung im Prototypenbau und entwickelt neue Lastwagen, die am Serienband gebaut werden sollen. Aktuell beschäftigt sich der Ingenieur mit Zwei- bis Vierachsern, die mit Ladung dann bis zu 40 Tonnen wiegen. Ausgesprochen gut gefallen hat ihm aber auch der Busbau, den er bei MAN in Polen kennengelernt hat. In Starachowice, einem Werk nahe der ukrainischen Grenze, hat er diesen Fachbereich erlebt, einige Brocken Polnisch gelernt und sich im Übrigen mit einem Mix aus Englisch und Deutsch verständigt. Sein Mentor holte ihn dann nach Karlsfeld bei München zurück in die Lastwagenproduktion.

          Bild: F.A.Z.

          Nervös auf eine Übernahme hoffen, das müssen Trainees nicht. „Die interne Nachfrage nach Trainees ist sehr groß, denn diese Mitarbeiter sind sehr gefragt“, sagt Anja Grögler, die in dem 50.000-Mitarbeiter-Unternehmen das Traineeprogramm betreut. Interessenten sollten schon bei der Bewerbung eine hohe soziale Kompetenz und Teamfähigkeit erkennen lassen. Ein Seminarprogramm bereitet sie auf ihre Führungsrolle vor, sie können sich zum Beispiel in Teamführung, Konfliktmanagement, Präsentationstechnik oder Rhetorik weiterbilden. Ingenieur Schiermeister, der inzwischen auch Personalverantwortung trägt, fand das „sehr hilfreich“. Die Unternehmen investieren in die Ausbildung des Nachwuchses und profitieren später davon. Fast alle Trainees werden übernommen, rund 80 Prozent bekommen eine Leitungsfunktion. „Die anderen scheitern in der Regel nicht an ihrer Leistungsbereitschaft, sondern eher an einer bestimmten Arroganz in ihrem Verhalten“, sagt Bernhard Frey, der bei der MAN Truck & Bus das Personalmarketing leitet. „Einige wenige kann man mit Fußballstars vergleichen, die die Bodenhaftung verlieren. Denn Trainees haben oft privilegierten Kontakt zum Vorstand, was ihnen eine besondere Stellung gibt.“ In den regelmäßigen Feedbackrunden betont der promovierte Maschinenbauingenieur vor den Trainees: „Ihr müsst euch mit allen im Unternehmen messen, das ist ein toller Einstieg, aber keine Karrieregarantie. Es gibt auch Direkteinsteiger, die eine hervorragende Karriere bei uns machen.“

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