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Trainee im Handel : Nur die ersten Monate im Kittel

  • -Aktualisiert am

Ein Trainee im Handel muss selbst Hand anlegen Bild: ZB

Abwechslung, rascher Aufstieg und Personalverantwortung: Der Handel hat Berufsanfängern deutlich mehr zu bieten als sie vermuten.

          4 Min.

          Hätte Ina Elisova nicht während des Betriebswirtschaftsstudiums in der Feinkostabteilung des Kadewe in Berlin gejobbt, hätte sie vielleicht nie den Lebensmitteleinzelhandel für sich entdeckt. „Unter meinen Kommilitonen war ich mit diesem Berufsziel schon eine Exotin“, sagt die in Russland geborene 29-Jährige. Aber spannende Einsätze im In- und Ausland, Verantwortung für eigenständige Projekte und gute Weiterentwicklungsmöglichkeiten im gesamten Unternehmen haben gezeigt, dass der Einstieg bei der Rewe Group die richtige Entscheidung war.

          „Handel ist lebendig, Handel ist schnell, und er ist anfassbar. Man kann ganz schnell sehen, was in einer Filiale funktioniert und was nicht“, sagt Stephan Buchner, Berater bei Egon Zehnder International in München. Es ist für ihn nicht verständlich, dass die Handelsgesellschaften unter den Wunsch-Arbeitgebern der BWL-Studenten immer noch das Mauerblümchen geben. „Wer eine gute Balance aus strategischem Denken und operativer Macherqualität mitbringt und dabei große Mannschaften hinter sich bringen kann, dem bieten die Handelskonzerne große Karrierechancen.“ Und nicht nur sie. Auch Hersteller wie Zara, H&M, S.Oliver oder Adidas suchen Talente aus dem Handel für ihr expandierendes Filialgeschäft, sagt Buchner. Der Bedarf an analytisch ausgebildeten Akademikern wächst - in den Zentralen, aber vielerorts auch in den Filialen.

          „Ich kann im Handel meine beruflichen Ziele umsetzen“, sagt Ina Elisova heute. Ihr Rewe Group Traineeprogramm schloss sie vor zwei Jahren ab. „Dabei wurden mir ganz viele Wünsche erfüllt: Ich habe unterschiedliche Funktionsbereiche wie Einkauf, Marketing, Logistik und Strategie kennengelernt, konnte einige Zeit bei der Rewe International AG in Wien tätig sein und für die damals rund 40 Rewe-Märkte in Russland zentrale Projekte übernehmen.“ In einem Rewe-Markt hat sie in allen Abteilungen gearbeitet, vom Obst- und Gemüseverkauf bis zur Kasse. Dass sie die ersten vier Monate im Kittel verbrachte, stört bei dieser Betrachtung überhaupt nicht. „Diese Zeit ist bis heute für mich unheimlich wichtig, um das Geschäft zu verstehen. In späteren Projekten habe ich auf diese Erfahrungen zurückgegriffen.“ Nach ihrer ersten Festanstellung im Controlling Ressourcenmanagement hat sie gestern bei der Discount-Sparte Penny für ganz Deutschland die Verantwortung für das Prozessmanagement der Logistik übernommen.

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          Trotz solcher Erfolgsgeschichten begeistern sich viele Studierende zwar durchaus für Konsumgütermarketing und -hersteller, aber nicht für den viel endverbrauchernäheren Handel. „Wir haben keinen Mangel an Bewerbungen. Aber in manchen Regionen stehen wir nach wie vor in einem harten Wettbewerb um die besten Köpfe - beispielsweise mit der Industrie“, berichtet Sabine Schult-Kündgen, Leiterin Personalmanagement Vertrieb und Logistik bei Galeria Kaufhof. „Und deshalb können wir Trainees nicht immer heimatnah einsetzen“, erklärt sie.

          „Vielleicht ist die Sichtweise der Studierenden manchmal verkürzt. Der Handel wird nach dem Einkauf in den Filialen beurteilt, BMW nach den schönen Autos“, sagt Hendrik Schröder, Professor am Lehrstuhl für Marketing und Handel der Universität Duisburg-Essen. Und auch in der universitären Bildung sieht er eine Ursache: „Es gibt nur an ganz wenigen Universitäten einen Lehrstuhl für Handel, der den Studierenden diesen Sektor mit all seinen Herausforderungen näher bringt.“

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