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Studie zur Lohnlücke : Frauen verdienen mehr, als sie zugeben

Demonstration zum „Equal Pay Day“ am Frankfurter Römerberg im März 2019 Bild: Carlos Bafile

Traditionelle Rollenbilder verleiten Paare zu falschen Angaben. Das legt eine neue Studie nahe. Ist die Lohnlücke womöglich kleiner als gedacht?

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          Männer sollten die Familie ernähren und deshalb mehr verdienen als ihre Partnerin, die sich zu Hause um die Kinder kümmert. Diese gesellschaftliche Norm, die in Zeiten der Gleichberechtigung in den Augen vieler Menschen veraltet ist, sitzt offenbar tiefer in unseren Köpfen als bislang angenommen. Darauf lässt eine Studie schließen, die jetzt vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim veröffentlicht wurde. Michaela Slotwinski und Anja Roth, die beide an der Universität Basel forschen, zeigen in ihrer Untersuchung, dass ein hoher Anteil von Paaren in Umfragen angibt, dass die Männer mehr verdienen – selbst wenn es in Wahrheit umgekehrt ist. „Viele der Befragten passen ihre Antworten so an, dass sie der männlichen Ernährer-Norm entsprechen“, sagt Forscherin Slotwinski.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Männer verdienen im Schnitt deutlich mehr als Frauen. In Deutschland ist ihr Einkommen um 21 Prozent höher als das der Frauen, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Die „bereinigte“ Lohnlücke, die unter anderem berücksichtigt, dass Frauen andere Berufe wählen und häufiger in Teilzeit arbeiten, beträgt hierzulande 6 Prozent. Nur bei etwa jedem siebten Paar verdient die Frau mehr als der Mann.

          Gehaltsangaben mit Vorsicht zu genießen

          Das ist in der Schweiz, wo die Forscherinnen das Phänomen untersuchten, ähnlich. Die Ökonominnen verglichen amtliche Einkommensdaten mit den Angaben, die Frauen und Männer machten, wenn man sie persönlich danach fragte. Dabei kam raus: „Der Anteil der Paare, in denen die Frau mehr verdient, die jedoch in der Umfrage angeben, sie würde weniger verdienen, liegt bei 34,56 Prozent“, sagt Slotwinski. Jedes dritte Paar gibt also nicht zu, dass die Frau die Hauptverdienerin ist. Interessanterweise mogelten nicht nur die Männer, die Frauen vertuschten ihre höheren Gehälter ungefähr genauso häufig. „Beide Geschlechter wollen offenbar normkonform erscheinen“, schlussfolgert die Ökonomin. Besonders oft vertuschten die Paare ihre Einkommensverhältnisse, wenn Frauen schlechter oder gleich gut ausgebildet waren wie der Mann oder wenn Frauen weniger Stunden arbeiteten und dennoch mehr verdienten.

          Ist die Lohnlücke also in Wirklichkeit viel kleiner als gedacht? Wenn die Berechnungen auf Umfragen beruhen, lautet die Antwort nach Meinung der Forscherinnen „ja“. „Läge der tatsächliche Gender Wage Gap bei etwa 10 Prozent, dann würde er basierend auf den Umfragedaten auf 10,9 bis 11,3 Prozent geschätzt“, schreiben sie. Allerdings verlassen sich die Statistiker in Deutschland nicht auf Umfragen. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes beruhen auf der sogenannten Verdienststrukturerhebung. Für diese befragt die Behörde alle vier Jahre Betriebe nach den gezahlten Löhnen. Die Mitarbeiter selbst werden nicht befragt.

          Dennoch hat die Untersuchung der beiden Forscherinnen praktische Relevanz. Bislang glaubten Forscher, die Gehaltsumfragen analysierten, dass viele Frauen mit Absicht nur so viel arbeiten, dass sie etwas weniger verdienen als ihr Partner. Jetzt zeigt sich, wie sehr solche Gehaltsangaben mit Vorsicht zu genießen sind. Wenn Politiker überlegen, was sie unternehmen müssen, um die Lohnlücke zu verkleinern, sei das eine wichtige Information.

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