https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/tipps-fuer-gekonnte-rhetorik-13372470.html

Gekonnte Rhetorik : Reden ist Gold, Zutexten Blech

Zahlen, Fakten, wenig Zitate

Die Dinge deutlich benennen, nicht in Nullaussagen flüchten. Wer nicht klar skizzieren kann, was sein Unternehmen auszeichnet, der öffnet heiklen Fragen nach verschleierungswürdigen Bilanzen oder unternehmerischen Fehlentscheidungen Tür und Tor. Das war kein „grandioser Geschäftserfolg“, sondern „wir haben 1350 Kühlschränke mehr als im Vorjahr verkauft“. Zuhörer mögen Zahlen und Fakten, eine aktuelle Studie, eine aussagekräftige Umfrage, ein überraschendes Forschungsergebnis krönen einen Vortrag. Zu Zahlen Vergleichszahlen liefern, fünf Hektar mit Fußballfeldvergleichen anschaulich illustrieren. Flapsig gesagt: Das ist so etwas wie die Sendung mit der Maus für Erwachsene. Ganz nebenbei wird man ein wenig schlauer, nicht aber besserwisserisch belehrt. Zu Recht beflügelt es einen Redner, wenn Menschen im Publikum sich Notizen machen, und zwar diejenigen, die nicht irgendetwas mit Medien zu tun haben und dafür bezahlt werden. Ein aussagekräftiges Zitat ist gut, nicht aber eine Anhäufung oft gehörter Bonmots, womöglich frisch geplündert aus einschlägigen Sammlungen. Seltsam, das Redner nicht aussterben, die den Ehrgeiz daransetzen, ihr Bildungsgut vor anderen auszubreiten. Das ist ungefähr so spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. Sinnvoll ist es, die Zuhörer mit kurzen Fragen oder Übungen einzubinden und sie emotional zu beteiligen. Wer das Auditorium auffordert, Meinungen zu formulieren, der bleibt in guter Erinnerung.

Lebendige Beispiele statt Klischees

Statt in die Klischeekisten zu greifen und der Versuchung zu erliegen, sich „denglischer“ Dampfplaudereien zu bedienen, konkrete Erlebnisse schildern, sich Beispiele suchen, die anschaulich das belegen, was man sagen möchte. Frei nach dem Motto, die Statistik über 50 Tote ist traurig, der Tod des zweifachen Familienvaters aber eine Tragödie. Es gab einen Pfarrer im Rheinland, der Sonntag für Sonntag seine Predigt mit den Worten einläutete: „Ich hatte kürzlich ein Erlebnis.“ Die Einleitung war grauenvoll, die Geschichte, die dann folgte, meist anregend. Ohnehin sollte man das verhängnisvolle Wort „Ich“ zurückhaltend einsetzen. Das ist in Zeiten eitelster Selbstdarstellung, Selfiewahn und Ich-über-mich-Geschichten-Schwemme für manchen eine Herausforderung. Auch Chefs sollten dazu auf Abstand gehen, ihnen wird das als Eitelkeit ausgelegt. Das mit der Eitelkeit in Reden ist ohnehin so eine Sache. Abschreckende Beispiele bieten Einpeitschreden für Verkäufer („Weiter so, wir sind die Größten!“), aber auch Familienfeiern, auf denen niemand hören mag, weshalb der Jubilar schon als Knirps atemberaubende Legobauten errichtet hat. Das sind klassische Passagen zum Fremdschämen. Statt bei Gratulationsmarathons lieblos und verlogen Lob zu verteilen, ist es besser zu schildern: In welcher Situation habe ich den Jubilar bewundert? Was hat er einmal konkret getan, was mich beeindruckt hat? Und diese Begebenheiten erzählen. Das aber trauen sich viele nicht.

Weitere Themen

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.