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Telekommunikation : Die Branche, die ihre Chefs so schnell feuert wie keine andere

Schnellebige Branche – auch was die Chefwechsel betrifft: Die Telekommunikation, hier eine Szene von der Cebit. Bild: dpa

Keine andere Branche wechselt ihre Vorstandschefs schneller aus als die Telekom-Industrie. Damit nicht genug. Die Wechsel gestalten sich oft menschlich wenig angenehm.

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          Hire and fire – wenn dieses Prinzip irgendwo gilt, dann in der Telekommunikationsindustrie. Keine andere Branche wechselt ihre Vorstandschefs schneller aus. Das hat die Strategieberatung PWC in einer breit gefassten Untersuchung ermittelt. Die noch unveröffentlichte Studie „CEO Succession“, die dieser Zeitung vorliegt, zeigt: Fast ein Viertel aller Telekom-Unternehmen tauscht ihren Vorstandsvorsitzenden jährlich. In den vergangenen fünf Jahren stieg diese Quote an, von 22 auf 25 Prozent.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ist alles andere als normal. Deutlich konservativer zeigen sich nämlich die anderen Wirtschaftssektoren. In den meisten Branchen bewegte sich die jährliche Wechselrate im gleichen Zeitraum meist nur zwischen 10 und 15 Prozent. Analysiert wurden über die vergangenen 16 Jahre rund 2500 Unternehmen auf der ganzen Welt.

          „Wie häufig die Telekommunikationskonzerne mittlerweile ihre Vorstandschefs wechseln, ist frappierend“, wundert sich Studienautorin Christine Rupp, Expertin für Technologie, IT, Medien und Telekommunikation. Die Entwicklung spiegele die einzigartigen Herausforderungen wider, denen die Branche ausgesetzt sei. „So befindet sich die Telekommunikationsindustrie durch den digitalen Wandel inzwischen in einem Zustand dauerhafter Disruption.“ Die Kunden würden immer anspruchsvoller, der regulatorische Rahmen immer schwieriger.

          Dazu komme die Konkurrenz durch Unternehmen wie den Online-Videodienst Netflix. „Offensichtlich wissen sich die Telcos in vielen Situationen nicht mehr anders zu helfen, als den CEO auszutauschen“, glaubt Rupp.

          „Eine Hire-and-Fire-Mentalität zahlt sich nicht aus“

          Und dieser Vorgang gestaltet sich häufig menschlich wenig angenehm. 25 Prozent der Chefwechsel seit 2011 waren ungeplant, „die Vorstandschefs wurden also entlassen“, wie PWC konstatiert. Auch das sei über alle Industrien hinweg ein Höchstwert. Zum Vergleich werden die Branchen Gesundheit und Konsumgüter genannt. Dort sei im gleichen Zeitraum nur jeder siebte Chef-Abgang unfreiwillig erfolgt. Die hohen Wechselquoten im Telekomsektor wären vielleicht gerechtfertigt, wenn sie mit wirtschaftlichem Erfolg verbunden wären. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

          „Die Kennzahlen zeigen: Eine Hire-and-Fire-Mentalität zahlt sich nicht aus“, stellt PWC fest und rechnet branchenübergreifend vor: Konzerne, die ihren Vorstandsvorsitzenden plangemäß austauschen, erzielten in den zwölf Monaten vor und den zwölf Monaten nach dem Chefwechsel eine mittlere Aktionärsrendite („Median Total Shareholder Value“) von minus 4,0 Prozent. Im Falle ungeplanter Wechsel fiel dieser Wert mit minus 13,5 Prozent deutlich schlechter aus.

          „Natürlich kann es immer Situationen geben, in denen es geboten ist, den Vorstandschef vorzeitig zu ersetzen“, sagt Fachfrau Rupp. Allerdings sprächen die Zahlen dafür, dass die Unternehmen am besten führen, die klar strukturierte Nachfolgeprozesse aufgesetzt haben. „Leider mangelt es daran bei vielen Firmen immer noch, auch in Deutschland.“

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