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Teilzeit-Manager : Zwischen Mumps und Meetings

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak

Männer sind allzeit bereit. Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit. So wurde es uns immer gesungen. Aber wehe, Führungskräfte wollen wegen der Familie ihre Arbeitszeit reduzieren. Dabei rechnet sich das: FAZjob.NET-Spezial.

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          Was sagt das aus über das Rollenverständnis und Ansehen der Väter im deutschen Wirtschaftsleben: Wenn ein wenig glamourös erscheinender Schwarzbrot-Hersteller aus Ostwestfalen – und nenne er sich auch „lifestyle bakery“ – einen Preis auslobt für den „Spitzenvater des Jahres“? Wenn diese Großbäckerei Mestemacher „das praktizierte partnerschaftliche Ehe- und Familienmodell“ wie schon 2006 bald wieder mit 5000 Euro würdigt; wenn die Bundesfamilienministerin sich als Schirmherrin dieser symbolischen Geste anbietet? Das heißt: Führungskräfte in Teilzeit, Väter ganz besonders – ein Schwarzbrot-Thema. Es gilt als gesellschaftlich gesund, aber vielen Unternehmen mühselig zu verdauen.

          Das wird nur ganz langsam anders. Professor Ulrike Detmers, Mitgesellschafterin der Unternehmensgruppe, Initiatorin mehrerer Gleichstellungsprojekte und Betriebswirtschaftsdozentin an der Fachhochschule Bielefeld, sagt über ihre jüngste Idee: „Die Arbeitgeber sollen stärker provoziert werden, mehr für die Gleichstellung zu tun.“ Gleichstellung für Männer wohlgemerkt. Ein neues Rollenmodell soll etabliert werden. Eines für Männer, die aus Verantwortung gegenüber der ähnlich gut ausgebildeten Ehefrau und aus dem Wunsch nach Nähe zum gemeinsamen Nachwuchs ihre Arbeitszeit verringern wollen. Für Männer, die von Chefs und Kollegen immer noch als „Weicheier“ und „Latzhosenträger“ verunglimpft werden.

          Neid und Bewunderung

          Oft sind die Schmähungen heimlich mit Neid und Bewunderung derer gepaart, die sich nicht trauen. Der Wunsch nach Teilzeit ist unter männlichen Führungskräften nicht gewachsen – der gesellschaftlichen Debatte zum Trotz. Manche können es sich finanziell nicht leisten, aber auch der Gruppendruck wirkt (siehe: Teilzeit-Studie: Männer pflegen sich, Frauen die Familie). Detmers hat deshalb den Väterpreis als Unternehmerin ausgelobt, nicht als Professorin. Denn was sich in der akademischen Welt längst verbreitet hat, wird in der Wirtschaft eher zögerlich akzeptiert: Familiäres Engagement ist nicht peinlich, sondern dient Frauen, Männern – und Unternehmen. Manager in Teilzeit sind rare, aber ökonomisch nutzbringende Wesen.

          So wie Benedikt Schmaus, Projektleiter bei Booz Allen Hamilton. Der 28 Jahre alte Unternehmensberater gehört zu denen, die beides wollen: Familie und Karriere. Männer wie er suchen sich Arbeitgeber aus, die das ermöglichen. Vor viereinhalb Jahren ging der Betriebswirt frisch von der Uni zu dem Unternehmen, in dem heute selbst unter den „Principals“, den Mitgliedern der Geschäftsführung, zehn Prozent in Teilzeit arbeiten. Vor zweieinhalb Jahren wurde Schmaus’ Sohn geboren. Der junge Vater ging drei Monate in Elternzeit und arbeitete anschließend offiziell 80 Prozent – an vier Tagen die Woche, die höchst selten nach acht Stunden enden. Trocken sagt er: „Die Arbeitszeiten und den Lifestyle nimmt man in Kauf in der Beratung, aber nicht mit Familie.“ Seine Frau schließt gerade ihr Medizinstudium ab, sie ist im praktischen Jahr, fünf Tage in der Klinik. Er ist von montags bis donnerstags in Wien, deshalb seien ihm drei volle Tage mit dem Kind in Witten bei Bochum wichtig. Nachteile für die Karriere: keine. „Das wird sehr positiv aufgenommen.“

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