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Suchtexpertin im Interview : „Crystal Meth vor der Uni-Klausur ist eine Riesenversuchung“

  • Aktualisiert am

„Crystal Meth ist eine der gefährlichsten Drogen unserer Zeit.“ Bild: dpa

Die Droge Crystal Meth macht hochkonzentriert und ist „spottbillig“, sagt die Suchtexpertin Christa Roth-Sackenheim. Deshalb sind so viele Studenten versucht, sie vor Prüfungen zu nehmen - mit fatalen Folgen.

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          Frau Roth-Sackenheim, laut einer aktuellen Studie verbreitet sich die Droge Crystal Meth rasch. Auch immer mehr Studenten greifen zu dem Mittel. In welchen Situationen?

          Vor allem, wenn sie großem Stress und Druck ausgesetzt sind. Etwa unmittelbar vor einer Klausur oder Prüfung oder auch in harten Vorbereitungsphasen auf ein Examen.

          Was versprechen sich die Studis davon?

          Wer Crystal Meth eingenommen hat, ist erst einmal sehr lange wach, hochkonzentriert und kann sich viel merken - jedenfalls kurzfristig, solange die Wirkung anhält.

          Und später?

          Fällt man in ein tiefes Loch, wird depressiv und kann sich überhaupt nicht mehr konzentrieren. Die Konsumenten entwickeln sehr schnell das Bedürfnis danach, die Droge wieder einzunehmen, wir nennen das ein starkes „Craving“. Das liegt daran, dass Crystal Meth von der ersten Anwendung an die Hirnchemie verändert.

          Christa Roth-Sackenheim ist Psychiaterin und Psychotherapeutin in Andernach und Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater (BVDP).

          Wie macht die Droge das?

          Als Laie kann man sich das so vorstellen als würden alle Neuronen im Gehirn gleichzeitig ihr Pulver verschießen, während die Droge wirkt. Und wenn sie aufhört zu wirken ist auf einmal gar kein Neurotransmitter mehr da, der die normalen, alltäglichen Aufgaben des Gehirns erledigen könnte.

          Wie gefährlich ist das?

          Crystal Meth ist eine der gefährlichsten Drogen unserer Zeit. Sie wird in einem Atemzug genannt mit Ritalin oder anderen Amphetaminen, ist aber eine Meganummer krasser. Selbst Heroinkonsumenten bleiben oft voll sozial integriert, während Crystal Meth nach kürzester Zeit dazu führt, dass Persönlichkeiten völlig versanden, Beziehungen kaputt gehen, ein normales Alltagsleben überhaupt nicht mehr möglich ist.

          Warum erliegen aber offensichtlich trotzdem immer mehr Studenten der Versuchung, Crystal Meth zu nehmen?

          Da gibt es zwei Gründe: Crystal Meth ist spottbillig. Für fünf Euro ist schon eine ordentliche Dosis zu haben. Kein Problem also für ein studentisches Budget. Und: Eine schnelle, erhebliche Leistungssteigerung ist eine riesige Versuchung.

          Was können Studenten tun, um gar nicht erst in diese Versuchung zu geraten?

          Das ist eigentlich ganz simpel: Die ganz normalen Regeln zur Stressbewältigung befolgen. Nicht schon morgens beim Frühstück die Mails checken. Sich ausgewogen ernähren. Genug schlafen. Mit einem Satz: Nicht dem Wahn erliegen, alles sei gleichzeitig machbar.

          Über Christa Roth-Sackenheim

          Christa Roth-Sackenheim ist Psychiaterin und Psychotherapeutin in Andernach und Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater (BVDP). Sie hat in ihrer täglichen Arbeit schon öfter mit Crystal-Meth-Konsumenten zu tun gehabt und sich auch aufgrund ihrer Verbandstätigkeit intensiv mit dem Phänomen beschäftigt.

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