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Stuntfrau im Interview : „Bei 100 Meter hängt man ja am Seil“

Stuntfrau Katja Jerabek in ihrem Element Bild: Torsten Jerabek

Katja Jerabek springt von Hochhäusern, durch Wände und spielte schon den Bären „Bruno“. Bislang hat sie nur einen Auftrag abgelehnt. Gespräch über einen der seltensten Berufe Deutschlands.

          6 Min.

          Frau Jerabek, Sie kommen von einem Dreh in Berlin. Was haben Sie da gemacht?

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Gestern war ich eine Terroristin für den Mehrteiler „Blackout“, die angeschossen worden ist. Jetzt geht es weiter zu einer Probe zur zweiten Staffel von „Der Pass“, eine Kriminalgeschichte, die bei Sky läuft.

          Sie sind 49 Jahre alt und eine zierliche Frau.

          Ich bin 1,68 Meter groß und habe Konfektionsgröße 34/36. Klein zu sein ist oft von Vorteil, weil viele Schauspieler klein sind. Dirk Bach ist mein Lieblingsbeispiel, den durfte ich doublen, weil er so groß war wie ich. Er war zauberhaft, ein toller Mensch. Dirk sollte oben auf einem Baum sitzen und das durfte er nicht. Ich habe ein Fatsuit und Glatze getragen. Im Film hat kein Mensch gemerkt, dass nicht Dirk auf dem Baum saß. Aufpolstern kann man mich als zarte Person immer. Aus dem gleichen Grund konnte ich auch den Problembär „Bruno“ doubeln.

          Wie viele Stunts haben Sie bisher absolviert?

          Ich bin so etwas noch nie gefragt worden, mache den Job aber schon seit 20 Jahren. Ich bin vom Fahrrad gefallen, vom Auto überfahren worden, von Häusern gesprungen und durfte lichterloh brennen. Allein in Stuntshows habe ich mehr als tausend Highfalls gemacht oder bin verprügelt worden.

          Für Außenstehende hört sich das gruselig an. Haben Sie keine Angst?

          Ich sage es Ihnen wie es ist. Nein, ich habe keine Angst. Wir Stuntleute haben einen gesunden Respekt vor dem Stunt, aber keine Angst. Wir sind ja Künstler und dürfen selbst entscheiden, ob wir einen Stunt ausführen wollen oder nicht. Hat man Angst, ist der Körper dominanter als der Kopf, das wäre fatal.

          Sich hundert Meter an einem Hochhaus runterfallen zu lassen, reicht da Respekt?

          Bei 100 Meter hängt man ja am Seil, also braucht man dazu das Vertrauen in den Koordinator und die Kollegen, das richtige Material und das Know How für die richtige technische Umsetzung des Stunts. Meistens sind aber die kleinen Stunts die gefährlichen.

          Was ist das Wichtigste an Ihrem Beruf?

          Eine gute Vorbereitung und Planung des Stunts sind am Wichtigsten! Zum Beispiel: Für ein Fernsehspiel sollte ich als Mordopfer mit einem Besen in der Hand 15 Meter von einer umgestoßenen Leiter von einem Balkon in ein Luftkissen fallen. So ein Kissen verzeiht wenige Fehler. Mir ist immer bewusst, was auf mich zukommt. Durch den Besen war der Bewegungsablauf ein anderer, ich musste trotzdem sauber auf dem Rücken landen. Wichtig ist also eine genaue Planung vor jedem Stunt. Für eine andere Serie musste ich einmal im Röckchen mit komischen Stiefelchen durch Glas springen. Trotz Glas muss die Flugbahn stimmen damit man sich nicht verletzt.

          Und was ist das für Glas?

          Entweder ist es Sekurit Glas oder sogenanntes Zuckerglas, das täuschend echt aus Kunststoff hergestellt wird und sehr leicht ohne scharfe Kanten bricht, so dass man sich nicht schneiden kann. Wir werfen mit Kunststofflaschen und schlagen uns, so dass es aussieht, als ob es weh tut und setzen auf Special Effects, damit wir unverletzt spektakuläre Dinge tun können.

          Haben Sie einen Trick für Laien, um möglichst sicher zu fallen?

          Viel Sport treiben, damit der Körper fit ist und man eine gesunde Körperspannung hat. Beim Stürzen geht es um geschicktes Abrollen über die Hüfte, um Schleimbeutelzonen wie Ellbogen und Knie zu schützen. Wir arbeiten natürlich auch mit Protektoren.

          Kopfüber in die Tiefe - keine Seltenheit in ihrem Beruf.
          Kopfüber in die Tiefe - keine Seltenheit in ihrem Beruf. : Bild: Torsten Jerabek

          Haben Sie schon einmal einen Auftrag abgelehnt?

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