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Studie zur Job-Zufriedenheit : Lehrer sind doch keine Jammerlappen

Jammerlappen mit Tafellappen? Nein, sagt nun eine neue Studie. Bild: dpa

Sie haben nachmittags frei, ständig Ferien, ein gutes Einkommen, aber beschweren sich andauernd. So stellen sich viele Menschen typische Lehrer vor. Eine Studie will nun aber gezeigt haben, dass Lehrer doch keine Jammerlappen sind.

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          Über den Lehrerberuf hat so ziemlich jeder eine Meinung und meistens sieht sie so aus: Lehrer haben klasse Arbeitszeiten, ein anständiges Einkommen, ständig Ferien und beschweren sich trotzdem am laufenden Band. So manche einschlägige Studie scheint das zu untermauern. Oft erleben in Untersuchungen befragte Lehrer ihren Job als sehr belastend und sind mit zunehmendem Alter weniger gegen Stress gefeit. Die Unzufriedenheit scheint hoch zu sein.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Bildungsforscher der Universität des Saarlandes wollen nun in einer repräsentativen Studie das Gegenteil herausgefunden haben. Lehrer seien sehr zufrieden, trotz aller Belastungen die sie im Beruf wahrnehmen. Das Ergebnis sei überraschend, sagte der Psychologe Jörn Sparfeldt, einer der Studienautoren zu FAZ.NET. „Denn in der Öffentlichkeit wird Lehrern immer ein hohes Maß an Jammerei zugeschrieben.“

          Die Daten, die bislang das Bild vom unzufriedenen und gestressten Lehrer zeichnen, stammten überwiegend aus nicht-repräsentativen Umfragen, glauben die Forscher aus dem Saarland. Ihre neue Studie hingegen habe nun repräsentative Befragungen zugrunde gelegt, genauer gesagt: Daten aus dem Sozioökonomischen Panel (SOEP) aus den Jahren 2006 und 2011.

          Die Studienautoren haben unter 25.000 Personen des SOEP, das seit 1984 jährlich Daten zum Leben und zum Beruf der Deutschen erhebt, die Angaben von Lehrern, Ärzten, Ingenieuren, Erziehern, Pflegern und Verwaltungsbediensteten verglichen. Demnach waren die Lehrer nicht weniger zufrieden mit ihrer Arbeit als die Vergleichsgruppen. Gleichwohl beklagten 59 Prozent der Lehrer einen hohen Zeitdruck und eine daraus resultierende Belastung. Damit liegen sie im Durchschnitt aber immer noch hinter der Belastung von Pflegern, Ärzten und Ingenieuren.

          Allerdings: Gemessen wurde nicht die objektive Belastung und Zufriedenheit der befragten Personen, sondern deren subjektives Empfinden. „Niemand hat mit der Stoppuhr geprüft, wie viele Stunden die Vertreter der einzelnen Berufsgruppen jeden Tag arbeiten“, sagte Sparfeldt. Auch habe kein Psychologe untersucht, ob Befragte zwar äußerten, dass sie zufrieden sind, aber in Wirklichkeit unter einem Burnout-Syndrom litten. „Doch bildet das subjektive Zufriedenheitsempfinden des Einzelnen immer einen guten Näherungswert“, sagte Sparfeldt.

          Immerhin, so nehmen es die Forscher für sich in Anspruch, hätten die bisheringen nicht-repräsentativen Umfragen teilweise mit deutlich stärker verzerrten Ergebnissen zu kämpfen. Vor allem unzufriedene und stark belastete Personen hätten eine Neigung freiwillig an Umfragen zu dem Thema teilzunehmen.

          Dennoch sind sich Sparfeldt und seine Kollegen bewusst, dass auch die Daten ihrer Studie Fragen für Anschlussuntersuchungen aufwerfen. Auch wenn Lehrer im Mittel nicht belasteter und unzufriedener als viele andere Berufsgruppen seien, gebe es zweifelsohne auch stark belastete Lehrer, für die Präventionsmaßnahmen sinnvoll seien, schreiben die Autoren.

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