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Mehr Offenheit beim Gehalt : Die junge Generation bricht das Schweigen über ihr Gehalt

Dass sich gerade deutsche Manager so bedeckt halten, erklären Fachleute mit der Geschichte und psychologischen Motiven. Bild: dpa

Eine Studie zeigt, wie groß der Bedarf an Gehaltstransparenz und der Wunsch nach fairer Bezahlung ist. Gerade deutsche Manager stehen dem Wunsch nach mehr Offenheit aber eher zurückhaltend gegenüber.

          3 Min.

          Über Geld spricht man nicht, heißt es. Und über Gehalt erst recht nicht. Aber glaubt man einer aktuellen Umfrage, ziehen zumindest jüngere Arbeitnehmer die eiserne Verschwiegenheit zum heiklen Thema in Zweifel: Danach ist es in Altersgruppen bis 34 Jahren eher üblich, sich mit Partnern oder Vertrauten über Vergütung und gerechte Bezahlung auszutauschen. Für ältere Kollegen bleiben solche Themen meist ein Tabu. Viele schweigen sich selbst in vertrauter Runde über solche Details beharrlich aus.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nina Zimmermann kann die neue Lockerheit der jungen Generation beim Thema Gehalt verstehen. „Viele haben durch den Umgang mit sozialen Medien gewisse Hemmschwellen im privaten Umfeld abgebaut“, sagt die Geschäftsführerin von Kununu, einer deutschen Bewertungsplattform für Arbeitgeber. Ihre Erkenntnis basiert auf einer repräsentativen Umfrage, die ihr Unternehmen bei YouGov in Auftrag gegeben hat.

          Angemessenes Einkommen „wichtigstes Thema“

          Von den 1095 befragten Angestellten über 18 Jahren, die Mitte Oktober befragt wurden, gaben 48 Prozent zu Protokoll, dass sie zumindest mit ihrem Lebenspartner Details zum Gehalt besprechen. Zudem gibt ein fast ebenso hoher Anteil der Befragten an, dass er die Bezahlung seines Arbeitgebers als nicht fair empfindet. Daher ist der Wunsch nach mehr Transparenz beim Gehaltsgefüge groß. Denn immerhin sagen 46 Prozent der befragten Beschäftigten, dass diesbezüglich mehr Orientierung in ihrem Unternehmen nötig sei, um über die Höhe des Gehalts besser verhandeln zu können.

          Ein angemessenes Einkommen ist laut Zimmermann „das wichtigste Thema, das Angestellte in Deutschland bewegt“. Auf der Agenda der Befragten rangiert der Faktor mit einem Anteil von 33 Prozent ganz oben. Mit deutlichem Abstand folgen die Unternehmenskultur (22 Prozent) und anspruchsvolle „Aufgaben“ (15 Prozent), die ebenfalls die Zufriedenheit am Arbeitsplatz beeinflussen.

          „In Deutschland ist Gehalt zwar kein generelles Tabuthema mehr, aber von transparenten Strukturen wie in den USA oder Großbritannien sind wir weit entfernt“, sagt Zimmermann. Das sei ein langer Prozess, um international aufzuschließen. Dabei weiß die ehemalige Burda-Managerin, die im Juni auf den Chefposten von Kununu gewechselt ist, wovon sie spricht: In London geboren, arbeitete sie lange in Großbritannien, bevor sie vor 18 Jahren nach Deutschland kam und sich bei mehreren Start-ups profilierte.

          Deutsche Manager eher zurückhaltend

          Trotz des Wunschs nach mehr Transparenz unter den Beschäftigten sind die Vorbehalte in der Chefetage groß. Im Mai antwortete in einer Umfrage von YouGov und der Stellenbörse Indeed fast ein Viertel der 500 Führungskräfte mit „Nein“, wenn es um die Offenlegung von Gehältern einzelner Angestellter geht. Doch konnten sich immerhin 57 Prozent der befragten Manager mit dem Gedanken anfreunden, dass intern Gehaltsspannen für Berufsprofile und Karrierelevel veröffentlicht werden. Dennoch lehnt auch dieses Vorgehen jede vierte Führungskraft strikt ab.

          Dass sich gerade deutsche Manager so bedeckt halten, erklären Fachleute mit der Geschichte und psychologischen Motiven. So führen Historiker hierzulande die starke Verankerung der Gesellschaft in einem Sozial- und Wohlfahrtsstaat an. Demnach ist das Gros der Bundesbürger daran gewöhnt, dass der Staat für ihr Wohlergehen sorgt und Löhne und Gehälter vor allem von Gewerkschaften und Verbänden ausgehandelt werden.

          In Ländern wie USA oder Großbritannien herrscht dagegen die Devise, dass jeder für sein materielles Wohlergehen selbst verantwortlich ist. Da die Versorgung in einem Wohlfahrtsstaat zu Gewinnern und Verlierern führt, ist es für Psychologen nachvollziehbar, dass Neid und Missgunst wachsen. Anders verhält es sich in Systemen, in der jeder seines Glückes Schmied ist. Dort genießen Aufsteiger oft die Wertschätzung ihrer Kollgen und Nachbarn

          „Ältere Mitarbeiter können die Traditionen, in denen sie aufgewachsen sind, kaum ignorieren“, räumt Zimmermann ein. Dagegen werde bei jüngeren Kollegen, die sich oft online über die branchenüblichen Gehälter informieren, der Druck zu mehr Gehaltstransparenz forciert. „Vor allem weibliche Beschäftigte wollen auf diesem Weg verstehen, auf welchen Kriterien ihre Vergütung basiert.“ Zudem wird für Berufseinsteiger und jüngere Beschäftigte immer wichtiger, dass der Arbeitgeber eine klare Haltung zu gesellschaftlich relevanten Themen zeigt. „Das gilt für den Klimawandel ebenso wie für das Thema einer gerechten Bezahlung“, ist die Kununu-Chefin überzeugt.

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