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Stressiger Beruf : Paketbote für einen Tag

Beim Beladen des Lieferwagens ordnet Paketbote Elmar Baldia alle Pakete nach Lieferadressen. Bild: Stefanie Silber

Paketzusteller behindern den Verkehr, liefern unzuverlässig und sind auch noch unfreundlich. So klagen viele Kunden. Haben sie recht? Unser Autor hat sich einen Tag lang als DHL-Bote versucht.

          12 Min.

          Kurz nachdem ich mich wieder einmal über den Paketboten aufgeregt habe, weil er meine Bücher unpünktlich und bei einer fremden Person abgeliefert hat, geriet ich ins Grübeln: Sind die Zusteller alles solche Schlawiner, denen der Kunde völlig egal ist, Hauptsache, sie werden irgendwo ihre Pakete los? Oder sind die Paketboten doch irgendwie Alltagshelden, weil sie tagein, tagaus und in aller Hast ihren Job erledigen, obwohl sie von Leuten wie mir nicht immer freundlich empfangen werden? Ich beschloss, diese Fragen nicht länger mit mir herumzutragen, sondern tatkräftig nach Antworten zu suchen. Ich wollte Pakete ausliefern. Und zwar mitten im stressigen Weihnachtsgeschäft.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Deutsche Post fand die Idee gut. Und so durfte ich am ersten Mittwoch dieser Adventszeit erfahren, dass Pakete mehr als 30 Kilogramm schwer sein dürfen, dass ein Zusteller manchmal netter ist als ein Empfänger, dass im Straßenverkehr fast alles erlaubt ist, wenn man einen DHL-Lieferwagen fährt. Die größte Erkenntnis aber war: Die gesamte Paketzustellung in Deutschland würde zusammenbrechen, wenn es keine netten Nachbarn mehr gäbe. Es war eine harte Schule.

          Die zuständigen Herren von der Post wollten mir den Einstieg möglichst einfach machen und haben mich für die „zweite Welle“ eingeteilt. Das heißt, ich muss an diesem Morgen nicht um sechs Uhr in der Frankfurter Zustellbasis erscheinen, um bei minus sechs Grad Celsius die erste Tour zu fahren, sondern erst nach neun. Als ich in der Halle ankomme, ist mein Fahrer schon da.

          Er heißt Elmar Baldia, ist 37 Jahre alt und arbeitet seit eineinhalb Jahren als sogenannter Springer bei DHL: mal im Innendienst, meistens als Zusteller für verschiedene Bezirke in Frankfurt. Baldia hat sich angeboten, einen Anfänger wie mich mitzunehmen. Das Tolle an seinem Beruf sei es, sagt er nach der Begrüßung, dass es „niemanden gibt, der einem über die Schulter guckt“. Mit mir als einem Beifahrer, der jeden Handgriff erklärt haben will, ist Baldias Ruhe schnell dahin.

          Das Anlernen muss ruckzuck gehen

          Normalerweise wird ein Zusteller in wenigen Wochen angelernt, um den Wagen, die Arbeitsabläufe, die Fahrtrouten und die Bedienung des Paketscanners zu beherrschen. Das muss ruckzuck gehen, vor allem jetzt zur Weihnachtszeit, in der doppelt so viele Pakete an den Kunden gebracht werden müssen wie an normalen Tagen: Acht Millionen Pakete liefert allein DHL bis kurz vor Heiligabend aus, bei den Wettbewerbern sind es noch einmal fast genau so viele. Das macht insgesamt mehr als 15 Millionen Pakete am Tag - so viel wie nie zuvor. Um die Masse zu bewältigen, hat allein die Deutsche Post 10.000 Aushilfsboten fürs Weihnachtsgeschäft eingestellt und die Zahl der Zusteller damit auf 80 000 erhöht.

          Baldia fährt unseren Wagen rückwärts ans Hallentor 321, dann beginnt die Beladung. Die Pakete kommen eine Rutsche hinab, jedes einzelne wird eingescannt, bevor es in die Regale auf der Ladefläche gepackt wird. Wie jeder erfahrene Zusteller hat Baldia ein ausgeklügeltes Packsystem. Die Pakete sind nach Straßenzügen und Hausnummern geordnet. Was als Erstes ausgeliefert werden muss, liegt der Hintertür am nächsten.

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