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Stressiger Beruf : Paketbote für einen Tag

Und dann gibt es ja noch die technischen Lösungen: Einräder, die eigenständig zum Empfänger fahren; Roboter, die Pakete an der Haustür abliefern; Drohnen, die Waren durch die Lüfte transportieren. So eine Drohne ist hilfreich, wenn ein Paket in abgelegenen Gegenden wie eine Nordseeinsel oder eine bayerische Alm geliefert werden muss. Aber zur Massenabfertigung in Ballungsgebieten taugt sie nicht. Das Flugobjekt ist teuer in der Anschaffung und befördert nur kleine Mengen. McKinsey geht gleichwohl davon aus, dass im Jahr 2025 rund 80 Prozent der Pakete automatisiert ausgeliefert werden können. „Dass Drohnen eines Tages auf Balkons landen, glaube ich nicht“, sagt Baldia.

Solange das Fluggerät „Paketkopter 3.0“, für das DHL kürzlich den Mobilitätspreis des Bundesverkehrsministeriums bekommen hat, nicht serienreif ist, heißt es: weiter schleppen. Und klingeln. Und warten. Und dann, weil der Empfänger nicht zu Hause ist, die Pakete beim Nachbarn abgeben. Zum Beispiel die sechs Heizlüfter, die ein Mann bestellt hat, der gerade nicht da ist. Seine Nachbarin erwartet Herrn Baldia und mich dankenswerterweise im Flur, erschrickt aber, als wir um die Ecke kommen. Nein, in ihrer Wohnung mag sie die sechs riesigen Pakete nun wirklich nicht aufbewahren. Aber in den Hausflur dürfen wir sie stellen. Sie unterschreibt, und das ist das Wichtigste für uns.

„Die Familie tut mir so leid, die ist wie eine Paketabholstation“

Nächster Wohnblock, ähnliches Spiel. In kurzer Zeit auf acht verschiedene Klingelknöpfe gedrückt, das habe ich das letzte mal als Zehnjähriger, bei den alterstypischen Klingelstreichen. Herr Baldia ist gelassener als ich. Er weiß: Ganz oben, im siebten Stock, wohnt eine britische Familie, bei der immer jemand zu Hause ist. Er hat recht. Unser letztes Klingeln wird erhört. Der Brite nimmt Päckchen für Bewohner aller Etagen entgegen. Ein Traumnachbar! „Die Familie tut mir so leid, die ist wie eine Paketabholstation“, sagt Baldia.

DHL-Kunden haben die Möglichkeit, sich ihre Pakete in eine der 3000 Packstationen liefern zu lassen. Sie können im Internet auch einen sogenannten Wunschnachbarn angeben. Also einen, der die Pakete entgegennimmt. Aber allzu viele Leute, die sich dafür zur Verfügung stellen, können es nicht sein. Auf unserer heutigen Tour ist es jedenfalls kein einziger.

Das personifizierte Gegenteil einer Wunschnachbarin ist die Frau, die nicht auf unser Klingeln antwortet, uns aber drei Minuten später im Treppenhaus entgegenkommt. Sie fragt: „Haben Sie etwas für mich?“ Herr Baldia antwortet: „Leider nicht, aber könnten Sie die Pakete ihrer Nachbarn annehmen?“ Sie schüttelt den Kopf und antwortet: „Ich nehme keine Pakete, ich habe ein Kind.“ Während ich noch über die Logik hinter dieser Aussage grübele, winkt Herr Baldia ab. Die Frau ist DHL-bekannt, sie will einfach nichts für andere annehmen. „Man weiß mit der Zeit, welcher Nachbar freundlich ist und welcher einen anmault“, sagt Baldia. Und dann erzählt er ein paar Anekdoten aus seinem Botenleben:

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