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Stressiger Beruf : Paketbote für einen Tag

Nichts, nichts und noch mal nichts

Wir drücken eine Klingel nach der anderen. Nichts, nichts und noch mal nichts. Als wir schon die Benachrichtigungszettel ausfüllen und in den Briefkasten werfen wollen, rauscht es plötzlich in der Gegensprechanlage. Es folgt Baldias übliche Durchsage: „Hallo, DHL, ein Paket für Sie!“ Die Haustür öffnet sich, ich bin erleichtert, Baldia ist zerknirscht. Die Frau hat nämlich kein Stockwerk genannt, unsere Nachfrage hat sie schon nicht mehr gehört. Wir tippen auf die fünfte Etage und nehmen den Fahrstuhl. Auf dem Flur wartet - niemand. Wir laufen die Treppen ein Geschoss höher. Auch keiner da. Wir rennen wieder zwei Geschosse runter, schauen nervös auf lauter Türschilder ohne Namen. Irgendwo öffnet sich dann doch eine Tür. Nix wie hin! Als wir der Frau das Paket übergeben - „bitte hier unterschreiben, vielen Dank, schönen Tag noch“ - verbergen wir unsere Anstrengung ebenso wie unsere Erleichterung.

Nachdem Herr Baldia und ich im Laufe des Tages auch noch in anderen Wohnblocks rauf und runter gerannt oder gefahren sind, um die richtige Wohnungstür ausfindig zu machen, habe ich meine nächste Lektion gelernt: Gleich morgen, wenn ich nicht mehr Aushilfsbote, sondern wieder Stammkunde bin, werde ich jedem Zusteller beim ersten Klingeln öffnen und rufen: „Vierter Stock!“ Im Übrigen sei dies dringend zur Nachahmung empfohlen. Jeder Bote wird sehr, sehr dankbar sein. Und glückliche Zusteller bringen die Pakete am verlässlichsten.

Herr Baldia und ich bilden heute ein vorbildliches Paar. Wir erfüllen unsere Pflichten, warten scheinbar geduldig vor einigen Dutzend Haustüren in der Kälte, statt mal eben eine Benachrichtigungskarte in den Briefkasten zu werfen und dann weiterzufahren. Wenn DHL für einen Werbefilm Deutschlands Superboten sucht: So wie Elmar Baldia heute arbeitet, ist er unbedingt zu empfehlen.

Aber da gibt es ja auch die anderen, die weniger verlässlichen. Jeder, der in seinem Leben schon ein paar Pakete verschickt hat, kennt Geschichten über überforderte, faule Zusteller, die nichts anders wollen als die Pakete so schnell wie möglich loswerden, und die, wenn man sie darauf anspricht, manchmal Deutsch weniger sprechen als radebrechen. Wer sich als Kunde nicht direkt bei DHL beschwert, der macht seinem Ärger über ausbleibende Pakete, fehlende Benachrichtigungen oder allerlei andere Misslichkeiten im Internet Luft. Allein das Portal mit dem sprechenden Namen Paket-Ärger.de, das die Verbraucherzentrale NRW entwickelt hat und das vom Justizministerium gefördert wird, meldet rund 570 Beschwerden monatlich. Am häufigsten bemängeln Kunden, dass eine Sendung nicht ausgeliefert wurde, obwohl sie den ganzen Tag daheim waren. Zweitgrößtes Problem ist eine zu lange Lieferzeit, gefolgt von der Kritik, dass ein Paket nicht ordentlich abgelegt, sondern vor die Haustür oder hinter Mülltonnen gestellt wurde.

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