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Stress am Arbeitsplatz : Die German Angst schlägt wieder zu

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Manche stecken Stress und Dauerbelastung besser weg, als andere. Aber auch die weniger belastbaren können üben, sich nicht ständig wie eine ausgespresste Zitrone zu fühlen. Bild: AFP

Oft speist sich Stress am Arbeitsplatz aus der Angst, nicht mehr dazuzugehören, sagt die Biologin Carola Kleinschmidt. Diese Verlustangst sei typisch deutsch. Deshalb lassen sich viele auspressen wie Zitronen.

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          Frau Kleinschmidt, Sie beschäftigen sich mit neuen Erkenntnissen aus der Stressmedizin. Was hat Sie am meisten überrascht?

          Es ist erstaunlich, wie sehr Druck am Arbeitsplatz mit unserem Gefühlsleben zusammenhängt. Wenn ich beispielsweise unter Zeitdruck an einer anspruchsvollen Aufgabe sitze, macht mich jeder, der mich stört, ärgerlich oder sogar richtig wütend. Ich möchte auf keinen Fall scheitern. Da kommen deutlich mehr negative als positive Gefühle auf, übrigens auch bei tollen Projekten.

          Sie behaupten, dass bei der Präsentation vor dem Team Gefühle wie Ärger und Wut eine Rolle spielen und das Stresssystem anspringt. Das klingt dramatisch.

          Das ist aber Realität in vielen Unternehmen. Es klingt zunächst abstrakt, wenn Vorgesetzte sagen, wir müssen Gas geben, sonst schluckt uns die Heuschrecke. Oder die Drohung ausspricht: Wenn es uns nicht gelingt, die neue Produktlinie am Markt zu etablieren, wird die Sparte verkauft. Das heißt ja übersetzt: Ihr verliert möglicherweise eure Arbeitsplätze. Damit produzieren Unternehmen schlechte Gefühle.

          Ist das Vorgesetzten klar?

          Nein. Man möchte, dass die Leute ihre Aufgaben gut erledigen und hält es für ein bewährtes Erfahrungswissen, Druck zu erzeugen. Das ist ein Führungsfehler. Was Chefs nicht klar ist, dass Menschen dadurch in die Stressspirale rutschen.Wer solchen Druck erzeugt, der kann von seinen Mitarbeitern nicht erwarten, dass sie konzentriert ein neues Computerprogramm erlernen oder kreative Ideen entwickeln. Denn diese Fähigkeiten hat man nur in positiver Stimmung, wie die neueste Emotionsforschung zeigt. Die Sorge um den Arbeitsplatz ist außerdem allgegenwärtig. Denn unser Gefühlshaushalt funktioniert nicht punktuell. Die Angst, dass die Abteilung geschlossen werden könnte, bleibt nach Feierabend.

          Aber gerade dann soll doch der vielzitierte leere Akku wieder aufgeladen werden.

          Das wird oft so dargestellt, funktioniert aber nicht. Natürlich ist es ein verständlicher Wunsch von Chefs, dass Mitarbeiter ihre ganze Kraft einsetzen und abends den Stress daheim abbauen. Das läuft so aber nicht. Genauso wenig, wie es ausreicht, den Beschäftigten einfach ein Achtsamkeitstraining zu empfehlen, damit sie abschalten können. Das neue Modewort Gelassenheit sollte man kritisch betrachten. Wer besser mit Stress umgehen möchte, braucht vor allem Selbsterkenntnis und Selbstbewusstsein. Daraus kann echte Gelassenheit entstehen. Aber das bedeutet meist eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst. Es ist nicht so einfach, die Angst, dass man nicht genug leistet, abzustreifen.

          Steckt dahinter nicht eine typisch deutsche Haltung?

          Ja, diese „German Angst“ rührt aus der Kriegszeit, uns haftet etwas Sorgenvolles an, die immerwährende Vorsicht, besser an dem festzuhalten, was man hat. Wir sind eben nicht wie die Amerikaner, die scheitern, dann aber wieder aufstehen.

          In Ihrem Buch „Das hält keiner bis zur Rente durch“, in dem Sie mit dem Mediziner Hans-Peter Unger Erkenntnisse aus der Stressmedizin referieren, sprechen Sie ein bisher unterschätztes Gefühl der Angst im Arbeitsleben an.

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