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Stipendien für Südeuropäer : Sprache pauken für den deutschen Arbeitsmarkt

  • -Aktualisiert am

Auch ein Intensivsprachkurs am Goethe-Institut ist Teil des Stipendiums. Bild: dpa

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa macht auch vor Jungakademikern nicht halt. Ein privates Stipendienprogramm soll manchen von ihnen nun einen Start in Deutschland ermöglichen.

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          Als der Frankfurter Bankier Friedrich von Metzler vor zwei Jahren über die Metzler-Stiftung ein Stipendiumprogramm für arbeitslose Jungakademiker aus Südeuropa ins Leben rief, wünschte er sich, dass dieser Anstoß möglichst weite Kreise ziehen möge und andere dem Beispiel folgen. Einen Kooperationspartner hat er jetzt in der Düsseldorfer Bank HSBC Trinkaus & Burkhardt gefunden. Von Februar kommenden Jahres an wird der neu gegründete Verein HSBC Trinkaus Jugend & Bildung 16 Jungakademikern aus den von hoher Arbeitslosigkeit besonders betroffenen Ländern Spanien, Portugal und Griechenland eine Starthilfe für den deutschen Arbeitsmarkt geben. Sie sollen sich so für eine tragfähige berufliche Zukunft qualifizieren.

          „Wir sehen das Projekt als eine gelebte Solidarität innerhalb des EU-Systems“, kommentiert Andreas Schmitz, Vorstandssprecher von HSBC Trinkaus, das Projekt. Trotz akademischer Ausbildung hätten viele junge Menschen in ihren Heimatländern keine berufliche Perspektive, dort werde schon von einer „Lost Generation“ gesprochen. Deutschland hingegen habe im Hinblick auf die demographische Entwicklung künftig einen hohen Bedarf an qualifizierten Fachkräften.

          Das Stipendium richtet sich an junge Leute im Alter von 23 bis 33 Jahren, die ein Studium in den sogenannten Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften inklusive Medizin und Technik) absolviert haben. „Es geht ausdrücklich nicht darum, junge Banker zu rekrutieren“, stellt die Bank fest. Über die Dauer von fünf Monaten sollen den Stipendiaten wichtige Qualifikationen vermittelt werden. Zur Überwindung sprachlicher Barrieren ist ein Intensivsprachkurs zentraler Bestandteil der vom Goethe-Institut und der Düsseldorfer Agentur für Arbeit unterstützten Initiative.

          Ehrenamtliche Mentoren helfen auch beim kulturellen Einstieg

          Damit die jungen Europäer hierzulande beruflich und privat besser Fuß fassen können, gehören überdies kulturelle Unternehmungen wie gemeinsame Ausflüge sowie die Unterstützung bei späteren Bewerbungen und bei der Wohnungssuche zum Programm. Deshalb werden die Jungakademiker während des gesamten Zeitraums von ehrenamtlich als Mentoren tätigen Mitarbeitern der Bank betreut. Wie auch bei den bisherigen Programmen der Metzler-Stiftung werden die Kosten für Sprachkurs, Unterkunft und Verpflegung mit 10.000 Euro je Stipendiat angesetzt; getragen werden sie vom Verein HSBC Trinkaus Jugend & Bildung.

          Die Initiatoren erhoffen sich eine Signalwirkung in die Wirtschaft, sie wollen möglichst viele Unternehmen mit ins Boot holen, die als mögliche Arbeitgeber für die Teilnehmer des Stipendiatenprogramms in Frage kommen. „Wir werden für das Programm unser ganzes Netzwerk mobilisieren“, verspricht Wolfgang Haupt, früherer persönlich haftender Gesellschafter und heute Aufsichtsratsmitglied der Bank, der das Projekt zu seiner persönlichen Herzensangelegenheit gemacht hat.

          Denn aus seinem Austausch mit der Metzler-Stiftung weiß er, dass die Unterstützung bei der Jobsuche der besonders schwierige Part des Unterfangens ist. Wie er berichten kann, haben aus dem Kreis der ersten Metzler-Stipendiaten alle Jungakademiker hierzulande einen Arbeitsplatz gefunden. Bis auf einen: Der ist als Mannschaftsarzt des Fußballvereins Paoc Thessaloniki in seine Heimat zurückgekehrt.

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