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Online-Rechner : Verdiene ich genug?

Wie viel Geld gibt es in welchem Beruf? Ein neuer Rechner will aufklären. Bild: dpa

Wie viel Geld verdient man in welchem Beruf? Was würde ein Branchen- oder Ortswechsel bringen? Diese Fragen stellen sich viele Menschen. Das Statistische Bundesamt versucht jetzt, mit einem Online-Rechner schnelle Antworten zu liefern.

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          Das neue Online-Werkzeug ist denkbar einfach. Mit wenigen Klicks haben die Nutzer des neuen „Interaktiven Gehaltsvergleichs“ Daten, wie ihren Beruf, ihre Branche, ihren Abschluss, ihr Alter, ihre Betriebszughörigkeit und ihr Bundesland, in ein Formular eingetippt. Nach Sekunden spuckt der Rechner aus, mit welchem Gehalt im jeweiligen Beruf im Durchschnitt monatlich brutto zu rechnen ist – ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld. Angeboten wird das Instrument seit diesem Dienstag vom Statistischen Bundesamt.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Neu daran ist, dass sich die Berechnungen des Programms nicht aus freiwilligen Angaben irgendwelcher Internetnutzer speisen, wie es sonst oft bei Gehaltsrechnern passiert. Das Online-Werkzeug basiert auf der so genannten Verdienststrukturerhebung, die alle vier Jahre – zuletzt 2018 – von den Statistischen Ämtern der Länder und des Bundes gemacht wird. Dies ist eine Erhebung, an der etwa 60.000 zufällig ausgewählte Betriebe teilnehmen. Verdienste, personenbezogene und arbeitsplatzspezifische Informationen, wie etwa das Alter der Beschäftigten oder die Unternehmensgröße fließen ein.

          „Die Angaben zu den einzelnen Angestellten (wie zum Beispiel der Verdienst) kommen aus der Lohnabrechnung der Betriebe, was eine hohe Datenqualität gewährleistet“, schreibt das Amt auf seiner Internetseite. Das bestätigen auch unabhängige Fachleute: „Hinter dem Rechner liegen sehr gute Daten und ein vernünftiges Regressionsmodell“, sagt Vergütungsforscher Guido Friebel von der Goethe Universität in Frankfurt am Main. „Kommerzielle Gehaltsrechner haben dagegen keine Repräsentativität, da sie nicht überprüfen können, wer welche Daten dort eingibt.“

          Der Nachteil: Die Daten von Destatis sind zwei Jahre alt; aktuelle Lohn- und Tariferhöhungen also nicht berücksichtigt. Und auch wenn sich in einer Krise, wie aktuell in der Corona-Pandemie, die Löhne in bestimmten Branchen komplett anders entwickeln als üblich, kann dies nicht einfließen. So wurde gerade in den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst ein Gehaltsplus von bis zu 10 Prozent für Intensivpflegekräfte beschlossen. Beschäftigte in der Veranstaltungswirtschaft hatten hingegen 2018 sicherlich im Schnitt noch komplett andere Einkommen als es voraussichtlich in der nahen Zukunft der Fall sein wird.

          Lohnt sich eine Meisterprüfung?

          Ziel des neuen Rechners ist nach Angaben der Statistiker vor allem Transparenz. Nutzern solle aufgezeigt werden, ob sie mit ihrer Ausbildung in einer anderen Branche mehr verdienen würden, oder ob es sich lohnt, eine Meisterprüfung anzustreben, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch welche Berufswahl besonders vorteilhaft ist oder ob eine langjährige Unternehmenszugehörigkeit angemessen bezahlt wird, können Nutzer mit Hilfe des Gehaltsvergleichs überprüfen.

          So lässt sich beispielsweise erfahren, dass ein 25 Jahre alter männlicher Zahnarztfachhelfer mit 4 Jahren Betriebszugehörigkeit in einer 10-Personen starken Praxis in Baden-Württemberg mit 2965 Euro Bruttomonatsverdienst rechnen kann. Eine gleich alte weibliche Kollegin in Niedersachsen darf hingegen unter ansonsten vergleichbaren Bedingungen nur durchschnittlich 2452 Euro Bruttomonatsgehalt erwarten.

          „Der Rechner erlaubt es, sehr präzise den Gender-Pay-Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, in den verschiedensten Berufen zu beziffern“, sagt Vergütungs-Fachmann Friebel. Oft werde die unterschiedliche Berufswahl von Männern und Frauen als Erklärung für die Lücke angeführt, nach dem Motto: Als Kita-Erzieherin verdient man halt weniger als als Automechaniker. Diesen Effekt schließe das Tool aber aufgrund seiner Konzeption aus. Auf Führungsverantwortung oder Teilzeittätigkeiten als Erklärung für unterschiedliche Bezahlung von Mann und Frau könne der Rechner hingegen nicht kontrollieren.

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