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Start-up-Gründerinnen : Auf acht Männer kommen nicht mal zwei Frauen

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„Sieben Jahre trag ich jeden Tag, jede Nacht und jede Sekunde meines Daseins die Verantwortung für diese Firma – das ist Teil des Gründer-Daseins. Ich habe mich auch in meinem Mutterschutz weiter mit der Firma beschäftigt.“ Cramer hat zwei Kinder, vier und zwei.

Lea-Sophie Cramer gründete Amorelie
Lea-Sophie Cramer gründete Amorelie : Bild: dpa

Beim Gründen selbst mag sie die Geschlechterfrage nicht zu sehr in den Fokus stellen. „Ob Frauen gründen, das ist aus meiner Sicht eher eine Frage der Persönlichkeit: Ich bin zum Beispiel sehr risikofreudig und habe wahrscheinlich Führungsambitionen, sonst würde ich den Chef-Job nicht machen.“

Bei den alten Strukturen in Betrieben und in den Köpfen liege dennoch ein zentrales Problem: „Das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielt eine riesige Rolle“, sagt Lea-Sophie Cramer. „Bei Amorelie haben wir versucht, uns um Kitaplätze für unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu kümmern.“ Es gebe Gleitzeiten und eine flexible Homeoffice-Regelung.

Und ihr weiterer Weg? „Ich gebe mir ein Jahr des Lernens.“ Auch Reisen mit den Kindern steht auf dem Programm. „Und ich werde dann wahrscheinlich ab 2021 wieder gründen.“

„Möchte ich etwas schaffen, das größer ist als ich selbst?“

Drei Frauen, drei Vorbilder - trotzdem stockt die Zahl der Nachahmerinnen. Für Henrike von Platen, 48 und Chefin des Fair Pay Innovation Lab, liegt es auch an der Motivation. „Möchte ich durch meine Arbeit nur einigermaßen gut leben? Oder möchte ich etwas schaffen, was größer ist als ich selbst?“ Viele Frauen seien mit einem kleinen Rahmen zufrieden, so die Expertin „Auf die Idee, ich bin so toll, ich denke mein Geschäft noch größer, deutschlandweit, weltweit, mit viel mehr Mitarbeitenden - dieser Impuls fehlt häufig.“

Die Soziologie-Professorin Hilke Brockmann, 54, sieht die Chance auf Wandel sogar noch skeptischer: „Im Start-up-Bereich muss man oft schuften ohne Ende. Die Arbeitszeiten sind endlos. Und die Wahrscheinlichkeit zu scheitern, ist hoch. Das erscheint den meisten Frauen oft nicht attraktiv“, sagt die Wissenschaftlerin von der Jacobs Universität in Bremen.

Ein paar mehr Vorbilder, ein paar Änderungen im Joballtag und die Aufforderung, öfter Informatik zu studieren – das locke weder mehr noch andere Frauentypen an: „Wenn Frauen in der alten Arbeitswelt einfach nur männliche Chef-Jobs übernehmen, ändert sich herzlich wenig.“

„Ich glaube, dass man im Job-Tandem sehr viel stärker ist“

Zwei Gründerinnen, die das wollen, ein Start-up führen und das Jobbild umkrempeln, sind Tanya Neufeldt, 47, und Camilla Rando, 36. Sie leiten Social Moms. So heißt die Berliner Marketingagentur, die seit 2019 Kunden Beratung und Online-Kanäle bietet, um Mütter zu erreichen. Eine Ratgeber-Seite für die Zielgruppe gibt’s auch. Hinter der Firma steht die Social Chain Group.

Im Tandem: Camilla Rando (links) und Tanya Neufeld leiten je zur Hälfte die Agentur Social Moms
Im Tandem: Camilla Rando (links) und Tanya Neufeld leiten je zur Hälfte die Agentur Social Moms : Bild: dpa

Neufeldt, Schauspielerin und Autorin, und die Bloggerin Rando teilen sich den Chefinnen-Posten je zur Hälfte. „Ich glaube, dass man im Job-Tandem sehr viel stärker ist und besser arbeitet“, sagt Neufeldt. Und Rando beschreibt die Idee eines Glück versprechenden Start-up-Umfelds: „Wir teilen uns nicht dogmatisch auf. Es gibt Nachmittage, da können wir beide nicht, weil wir uns um die Kinder kümmern müssen.“

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