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Start-up-Gründerinnen : Auf acht Männer kommen nicht mal zwei Frauen

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Ist das kein Reiz für andere? „Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die mehr Frauen zur Gründung bringen“, ist Janina Mütze überzeugt.

Mädchen schon in der Schule fördern

Kinder, gerade Mädchen anders zu fördern, ist eine der Ideen von Verena Pausder. Die Unternehmertochter, 40, dreifache Mutter und Gründerin, möchte helfen, widerständige Rollenmuster in Schulen und Unis aufzubrechen. Ihrer Meinung nach muss man da ansetzen, wo Jungen ihre Interessen an Technik und Naturwissenschaft beständig ausbauen – und Mädchen früh zurückbleiben.

Pausder gehört mit zu den weiblichen Leitfiguren der Start-up-Welt. 2012 hob sie Fox & Sheep mit aus der Taufe, ein Unternehmen für anspruchsvolle Kinder-Apps. Kein soziales Projekt, wie sie betont, sondern eine marktorientierte Idee. 2010 hatte Apple das iPad lanciert, für sie ein Auslöser: „Mir war schnell klar, dass das iPad und mobile Geräte die Art und Weise, wie Kinder aufwachsen, spielen und lernen, nachhaltig beeinflussen werden.“ Dass die Firma auch andere Länder anpeilte, ist für die Macherin selbstverständlich.

Verena Pausder, Gründerin von Fox & Sheep
Verena Pausder, Gründerin von Fox & Sheep : Bild: dpa

Seit 2016 – der Spielzeughersteller Haba hatte zuvor die Mehrheit an Fox & Sheep übernommen – baute Pausder die Haba Digitalwerkstätten auf. Sechs- bis Zwölfjährige lernen da programmieren und Roboter zu bauen; an mittlerweile zehn Standorten und in mobilen Werkstätten.

„Wenn es im Durchschnitt nur 15 Prozent Frauen im Start-up-Sektor gibt, bedeutet das: In einigen Bereichen, etwa in Handel oder E-Commerce, gibt es mehr Frauen, in anderen gar keine“, erläutert Pausder.

Investorinnen fehlen

Geld für Ideen aufzutreiben, ist für Start-ups ein Knackpunkt. Geldgeberinnen jedoch sind rar – dabei wäre das ein Hebel. „Frauen sind als Investoren ein wichtiger Teil im Geldgeber-Kreislauf. Das erlebe ich aktuell bei einem Investment. Hier bin ich die einzige Frau am Tisch.“ Dabei verändere ihre Anwesenheit das Klima. Sie gehe Verhandlungen „mit weniger Ego“ an.

Die 40-Jährige ist sicher, dass Frauen teils andere Produkte entwickeln: „Nehmen wir zum Beispiel das Unternehmen Ooshi, dessen Gründerinnen, Kati Ernst und Kristine Zeller, gerade bei der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ waren. Ooshi produziert Perioden-Unterwäsche. Sie schmunzelt, dann folgt ihre Diagnose. „Das würde kein Mann machen, es ist aber ein Riesenmarkt. Das vor Investoren auszusprechen, mussten die Ooshi-Gründerinnen auch erst üben.“

Trotz neuer Chancen: Wo sitzen die Bremsen? „Ganz wichtig scheint mir die Unsicherheit, die das Gründen mit sich bringt“, analysiert Pausder. Sie selbst kennt das Risiko als Unternehmerin schon von zu Hause – wählt jetzt aber eine Auszeit. Ab 2020 überlässt sie das Steuer bei Fox & Sheep und den Haba Digitalwerkstätten anderen. Sie suche nach der „Freiheit für neue Themen“ und Zeit zum Innehalten.

Verantwortung – jeden Tag, jede Nacht, jede Sekunde

Lea-Sophie Cramer, 32 und Gründerin des Sexshops Amorelie, ist wie Pausder regelmäßig als Rednerin auf Podien zu Gast. Cramer hatte den Onlinehändler für Sexspielzeug 2013 mit einem Partner an den Start gebracht. 2015 übernahm Pro-Sieben-Sat.1 die Mehrheit. 2018 stockte der Konzern auf – auf 97,82 Prozent von Amorelie. 2,18 Prozent blieben bei Cramer. Das Unternehmen ist international in 15 Märkten aktiv. Jetzt hört sie als Chefin auf.

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