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Star-Ökonomen aus Vorarlberg : Die Käsknöpfle-Connection

Doyen der Käsknöpfle-Connection: Ernst Fehr Bild: Hauri, Michael

Als Starökonom Karriere zu machen braucht viel Köpfchen, Durchhaltevermögen und ein gutes Netzwerk. Warum es ausgerechnet so viele Wirtschaftswissenschaftler aus Vorarlberg geschafft haben.

          2 Min.

          Die besten Käsknöpfle gibt es, Kennern zufolge, in Vorarlberg, dem westlichsten Bundesland Österreichs. Das liege am dortigen Käse und den Vorarlberger Frauen und Müttern, behaupten sie dort bis heute, aller Gender-Korrektheit zum Trotz.

          Rainer Hank
          (ank.), Freier Autor

          Ob die Kraft der Vorarlberger Käsknöpfle (keinesfalls zu verwechseln mit den schwäbischen Kässpätzle) auch dafür verantwortlich ist, dass aus dem kleinen Landstrich zwischen Bodensee, Rheintal und Arlberg inzwischen die forschungsstärksten Ökonomieprofessoren im deutschsprachigen Raum stammen, ist noch nicht hinreichend untersucht.

          Doyen der Gruppe ist zweifellos Ernst Fehr (61). Der Bauernsohn aus Hard hatte wie viele seiner Generation eine ziemlich linke Jugend, war als Student engagiert in der Bewegung „Roter Börsenkrach“, zählt inzwischen aber zu den weltweit wichtigsten Verhaltensökonomen. Jahr für Jahr wird er als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt. In der aktuellen F.A.Z.-Einflussrangliste der wichtigsten Wirtschaftswissenschaftler belegte er, der nie in Talkshows zu sehen ist, den ersten Rang, vor den ifo-Forschern Hans Werner Sinn und Clemens Fuest.

          Fehr, der an der Universität Zürich mit viel Geld und brillanten Leuten eine einflussreiche Forschungsfabrik betreibt, hat sich lange Jahre mit den Bedingungen der Fairness und den Irrationalismen des Homo oeconomicus beschäftigt, bevor er sich dem noch jungen Gebiet der Neuroökonomik zuwandte. Dabei geht es darum, wie das menschliche Gehirn Entscheidungen trifft.

          Aus demselben Dorf wie Ernst Fehr, aus Hard am Bodensee, stammt auch Matthias Sutter (48), der Anfang August als Nachfolger von Martin Hellwig sein Amt als Direktor des renommierten Bonner MaxPlanck-Instituts zur „Erforschung der Gemeinschaftsgüter“ antritt. Sutter zählt wie Fehr zu den einflussreichsten Verhaltensökonomen. Während Fehrs Referenzwissenschaften die Psychologie und Neurologie sind, kommt Sutter von der katholischen Theologie; das Fach studierte er in Innsbruck. Ursprünglich wollte er dem Jesuitenorden beitreten. Heute forscht er als Ökonom über die Geduld und weiß, warum geduldige Menschen im Leben erfolgreicher sind als ungeduldige.

          Der Dritte im Bunde der Vorarlberger Verhaltensökonomen, ebenfalls von Fehr geprägt, ist Simon Gächter (52), der inzwischen an der Universität Nottingham in England lehrt und die Psychologie menschlicher Alltagsentscheidungen erforscht.

          Dörfliche Wurzeln und Uni in der Fremde

          Schließlich muss unbedingt noch der Jung-Star David Stadelmann (35) erwähnt werden, der, aufgewachsen in einem kleinen Dorf im Bregenzer Wald und ausgebildet im schweizerischen Fribourg, bereits mit 30 Jahren ordentlicher Professor für Volkswirtschaftslehre in Bayreuth wurde. Stadelmann kommt aus der von Guy Kirsch und Reiner Eichenberger geprägten Schule der Politischen Ökonomie, befasst sich mit der Frage, wie ein guter Staat aussehen soll und warum plebiszitäre Elemente der Demokratie guttun.

          Woher kommt die geballte ökonomische Produktivität und Kreativität der Vorarlberger? Gerhard Schwarz, selbst Vorarlberger (aus Hard!) und lange Jahre Wirtschaftschef der „Neuen Zürcher Zeitung“, spricht von einem zähen, dem Protestantismus nahen Leistungswillen des alemannischen Katholizismus seiner Heimat, verbunden mit einer großen Fähigkeit zum Netzwerken. Weil Vorarlberg keine eigene Universität hat, sei man gezwungen, in die Fremde zu gehen (lieber nach Zürich als nach Wien) und sich zu beweisen – ohne freilich die dörflichen Wurzeln zu verleugnen. Vor jeder wissenschaftlichen Publikation stellt David Stadelmann seine Forschungsergebnisse immer erst seiner Oma in Sibratsgfäll vor: „Wenn sie es versteht, dann weiß ich, es ist mir gelungen.“

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