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Sprache im Büro : Unsere Unworte des Jahres

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Agile

Alles ist agile. Ursprünglich als Vorgabe an die Softwareentwicklung gestartet, um dynamische Programme zu ersinnen, hat sich das eigentlich so biegsame „agile“ inzwischen erstaunlich zäh im Arbeitsleben eingenistet. In Teams soll „agile“ gedacht, gearbeitet und geführt werden. Fragen nach dem Sinn eines Projektes? Behäbig. Pläne? Zu starr und blockierend. So agile wie Götterspeise soll das Team also die Brücke erst überqueren, wenn sie daherkommt und bis dahin sich selbst dynamisieren. Die Führungskraft darf da, wo alles fließt, nur noch „supporten“, bloß nicht führen: Denn bei so viel Elastizität zieht jeder an jedem und in jede Richtung. Dabei würde der Blick auf ein weiteres Fachgebiet lohnen, das sich der Wendigkeit verschrieben hat. Im „Agility“-Hundesport kriechen Beagles oder Bordercollies durch Tunnel und hetzen über Hürden, während das Herrchen den Weg durch den Parcours weist. Entscheidend für den Erfolg ist dabei nur eine Kleinigkeit: das Leckerli. Karin Truscheit

Erwartungshorizont

Horizont hört sich nach etwas Schönem an, nach Natur, nach unendlicher Weite und Sonnenuntergängen. Aber die Kombination mit Erwartungen zerstört alles. Einen Erwartungshorizont kann man nie „voll umfänglich“ erreichen, weil er so groß und ungreifbar ist, wie der Ort, an dem die Sonne aufgeht. Und weil es unmöglich ist, dort anzukommen, egal, wie weit man läuft. Statt Anforderungen klar zu formulieren, verliert der Erwartungshorizont sich in der wolkigen Ferne, bleibt vage und unklar. Um Kritik zu üben, ist er darum nicht mehr als eine inhaltlose Hülle. Er ist ein Euphemismus, der benutzt wird, wenn Ziele und Probleme nicht klar formuliert sind oder der Kritiker selbst nicht weiß, was eigentlich der Knackpunkt ist. Wenn man losgeschickt wird, den Erwartungshorizont zu erfüllen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das klappt ähnlich groß, wie die, endlich den sagenumwobenen Topf voll Gold am Ende des Regenbogens zu finden. Lisa Kuner

360 Grad

Der harte Aufstieg auf den Gipfel wird mit einer herrlichen Rundumsicht und ungestörtem Blick auf den Horizont belohnt. Das landschaftlich atemberaubende Panorama in alle Himmelsrichtungen meinen Manager nicht, wenn sie gerne über „360 Grad“ sinnieren. Sie strapazieren das Synonym für ihre allumfassende Weitsicht. Da Risiken und Gefahren in den rasanten Zeiten der Digitalisierung aus allen Richtungen drohen, passt die nüchtern langweilige „Sicht nach allen Seiten“ nicht mehr. 360 Grad trifft den Zeitgeist einfach besser, zumal sich die Zahl gar so vielfältig einsetzen lässt. Dienstleister, zum Beispiel Versicherer, bieten ihren Kunden eine 360-Grad-Versorgung inklusive Beratung an. Das klingt moderner als ein altbacken daher kommender Rundum-Service. Aber Obacht: Wer Managern oder Assekuranzen Böses will, könnte bei der Sprechblase auf den Gedanken kommen, dass es sich bei 360 Grad letztlich nur um einen Kreis handelt. Man geht los und kommt tatsächlich dort wieder an, wo man gestartet ist. Nichts ist gewonnen also. Dann doch lieber der abgedroschene, aber Horizont erweiternde Rundumblick und das schnöde, durchaus attraktive Rundum-Sorglos-Paket. Rüdiger Köhn

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