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Sprache im Beruf : Unsere Unworte 2021

  • -Aktualisiert am

Die Corona-Pandemie belastete auch 2021 unser Arbeitsleben. Bild: dpa

Ob Dumpfdeutsch oder Denglisch, diese Wörter können und möchten wir im kommenden Jahr nicht mehr hören: Unsere böse Liste von ungeliebten Begriffen aus den Bereichen Beruf, Büro und Bildung.

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          Tschuldigung, das ist noch die alte Hand

          Die Covid-19-Pandemie hat zu Körperlosigkeit geführt. Masken verdecken Gesichter und verstecken Mimik, Umarmungen sind ohnehin out. Und wer sich beruflich trifft, verbeugt sich sachte oder schlägt maximal Fäuste, Füße oder Ellenbogen kurz gegeneinander. Sowieso werden viele reale Treffen weiter durch Videokonferenzen ersetzt. Was an Physis anderswo fehlt, stößt aber gerade in den Bildschirmgesprächen immer wieder unangenehm auf. Zwar ist es ein Segen, dass Teilnehmer sich dort zu Wort melden können, indem sie ihre Hand digital recken. Doch wenn der Vorredner das Argument schon gebracht hat und das Konferenzsystem mal wieder zu langsam reagiert, kann es zäh werden. Zumal, wenn das Mikrofon noch stummgeschaltet ist. Wer dann aufgerufen wird, aber nichts mehr zu sagen hat oder sagen will, entgegnet gern einen Satz, der an „Schnee von gestern“ erinnert, nur makabrer: „Tschuldigung, das ist noch die alte Hand.“ Es wird wirklich Zeit, dass sich wieder alle von Angesicht zu Angesicht sehen, alte und vielleicht auch neue Hände schütteln und Diskussionen mit „Hat sich erledigt!“ nicht länger aufhalten. magr.

          Multi-Space-Büro

          Es klingt nach Aufbruch, nach – in dieser Gestaltung – noch nie Dagewesenem. Eine neue Innovation, überschlagen sich die Raumplaner und treiben den weißen Schimmel durch die schicke Arbeitswelt. Gemeint ist aber ein alter Hut, arbeitgeberfreundlich, weil preiswert und platzsparend, nämlich das mittelgute, alte Großraumbüro. Zugegebenermaßen, es wird aufgewertet, die Möbel sind geschmackvoll-modern, es sieht wohnlich aus, das Auge arbeitet mit . . ., aber all das täuscht nicht darüber hinweg, dass die Menschen inmitten einer größeren Schar von Mitmenschen arbeiten und sich konzentrieren müssen. Will jeder Kopfarbeiter, der hochkomplexe Themen durchgrübelt, ins Multi-Space oder mit juckenden Kopfhörern da hocken, statt einfach mal die Tür zu schließen? Wo doch schon das Multitasking so ein ineffizienter Unfug ist. Will er sich wirklich in die Arbeitsbox zurückziehen im wuseligen „Marktplatz“, davon ist auch gerne modisch die Rede? Oder wünscht er sich sein Einzelbüro zurück? Tür zu, fertig. Um nicht zu vereinsamen, reicht ein muckeliger Gemeinschaftsraum. Also wenn schon, dann bitte auch vom Großraumbüro reden. Klingt nicht prickelnd, aber ehrlich. uka.

          Holistisch

          Wer als Arbeitgeber jung, modern und zukunftsorientiert auftreten will, kommt um ein bestimmtes Vokabular kaum herum. Gleichzeitig kann die Arbeitswelt ja nicht von heute auf morgen völlig neu gedacht oder gar umgekrempelt werden. Aber wenigstens das Wording (noch so ein denglisches Unwort aus dem beruflichen Kontext), also die Art und Weise, wie sich ein Unternehmen möglichst einheitlich nach außen präsentiert, soll dann doch bitte suggerieren, dass hier keine Sklaventreiber am Werk sind. Wer beispielsweise seine Arbeitnehmer oder Unternehmensführung als „holistisch“ betrachtet, sieht sie dem griechischen Ursprung des Wortes folgend als „ganzheitlich“. So schön nichtssagend das klingt, so viel heiße Luft ist oftmals auch dahinter. Denn: Wer seine Belegschaft als Menschen begreift, die zum einen nicht nur für die Arbeit allein leben, sondern auch ein Privatleben haben und unterschiedliche Tempi und Modi bei ihrem täglichen Tun bevorzugen und es sogar goutieren, ihre Arbeitszeit flexibel und selbstverantwortlich einteilen zu können; wer dafür sorgt, dass sich seine Mitarbeiter wohlfühlen in ihrer Arbeitsumgebung, weil das Geist und Körper beflügeln kann; wer eine gute Zusammenarbeit fördert, anstatt lauter Einzelkämpfer heranzuziehen: der hat ja nicht das Rad der schönen neuen Arbeitswelt neu erfunden. Er tut womöglich einfach nur so. Eva Heidenfelder

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