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Spitznamen im Berufsleben : Hasenpupsi präsentiert die Bilanz

Alles eine Frage der Souveränität: Ein Spitzname ist noch lange kein Grund, sich am Arbeitsplatz zu verstecken. Bild: (c) 13/David Woolley/Ocean/Corbi

Namen sind Nachrichten. Das gilt auch für Spitznamen. Die wabern über Büroflure und sagen einiges aus. Manche sind hochgradig verletzend, manche geradezu Ehrentitel.

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          Hans-Peter M. gilt als unerbittlicher Abteilungsleiter, der viel, oft viel zu viel von sich und anderen fordert, dabei Arbeits- und Privatleben streng voneinander trennt. Die private Nachrichtensperre reizt seine Mitarbeiter, eines Tages wird ihre Neugier beflügelt: Hans-Peter M. hatte vergessen, seine Bürotür zu schließen, und war versehentlich auf die Freisprechtaste geraten. „Wird es wieder später, mein Hasenpupsi?“, säuselt da die Stimme der Gattin über den Flur.  Hektisch drückte M. die Taste und schloss die Tür. Zu spät.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Fortan wird er heimlich Hasenpupsi genannt, sogar sein Stellvertreter kann es sich nicht verkneifen, gelegentlich grinsend anzukündigen, dass „unser HP“ später die Quartalszahlen vorstellt. Das klingt nach Loriot, ist aber in einem deutschen Unternehmen so geschehen. Merke: Kosenamen sind ein vermintes Feld und sollten auch auf launigen Get-together verschwiegen werden.  Sollte durchsickern, wie ihn seine Liebste nennt, dann büßt Manager „Mausezahn“ an Autorität ein.

          Was im privaten Umfeld zärtlich klingen mag, wirkt im beruflichen Kontext schnell lächerlich. Hier ist die Rolle gänzlich anders definiert. Das sollten sich ebenso alle vor Augen führen, die im Privatleben entspannt mit einem Spitznamen leben, auch wenn der auf Schwächen anspielt. Jonas, ein Mann von kräftiger Statur, mag daheim der Dicke sein, Sarah ob ihrer Lockenpracht Löckchen genannt werden. Was daheim liebevoll gemeint ist, sollte auch daheim bleiben. Karrierefördernd ist das in der Regel nicht, als Dicker oder Löckchen im Berufsleben unterwegs zu sein.

          Die Rache des kleinen Angestellten

          Natürlich kursieren in jedem Unternehmen Spitznamen, viele davon heimlich. „Ich gehe von maximal 10 Prozent aus, die Hälfte davon sind positiv, die andere Hälfte negativ gemeint“, sagt Ulrich Winterfeld aus Leipzig vom Berufsverband Deutscher Psychologen. Spitznamen sind quasi die Rache des kleinen Angestellten, dienen dem Dampfablassen über Vorgesetzte und Kollegen, die als unangenehm oder spleenig erlebt werden. Kollektives Lästern oder Spotten erzeugt eine Art Gemeinschaftsgefühl.

          Natürlich kommt so ein Spitzname auch demjenigen zu Ohren, der ihn nicht hören sollte. „Wenn der Vorgesetzte nur der Sanierer genannt wird, dann beeinträchtigt das das Betriebsklima. Das ist das Signal, dass man sich in Acht nehmen muss, keine negativen Informationen herauslässt“, sagt Psychologe Winterfeld. Da gibt es die Unbelehrbaren, die den Chef auch in der Mail als „den Underperformer“ bezeichnen und nicht im Blick haben, dass der Verteiler erweitert worden ist.

          Oder da ist die Rede von „der Alten“, was weniger nach Berufserfahrung denn nach Vorgestrigkeit klingt. „Diese Namen spitzen eine Wahrnehmung zu, sie bergen ein massives Risiko, nehmen jeden tendenziell negativ wahr, so wie eben den cholerischen Chef. Das kann verletzend werden“, sagt der Freiburger Psychologe Michael Ziegelmayer. „Die große Frage ist doch, wie viel Fähigkeit besitzt jemand, über sich zu lachen? Grundsätzlich sind das Leute, die gefestigt sind in ihrer Persönlichkeit, die genau wissen, was sie gut und nicht so gut können“, erklärt der Vizepräsident des Berufsverbands Deutscher Psychologen.

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