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Sexuelle Belästigung : Nimm die Hand von meinem Po

Hahn an Bord: Die ehemalige Fluglinie PanAm wusste in ihrer Werbung Rollenklischees zu bedienen. Bild: INTERFOTO

Die Lufthansa setzt ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung: Zwei Ombudspersonen sollen künftig Ansprechpartner für Opfer sein. Hat die Branche das nötiger als andere?

          5 Min.

          Es war ein Klaps auf den Po. Vier Jahrzehnte liegt das zurück, aber Christine Lüders kann sich noch gut erinnern. Sie war damals Flugbegleiterin bei der Deutschen Lufthansa. Eine Kollegin lief durch den Gang zwischen den Sitzreihen, und auf einmal traf sie die Hand eines Passagiers. Ein klarer Fall von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. „Aber große Aufregung gab es damals nicht“, sagt Lüders. Heute wäre das anders. Für die junge Frau gäbe es zahlreiche Hilfsangebote. Auch Lüders wäre für die Flugbegleiterin da. Sie ist die neue Ombudsfrau bei der Lufthansa, Ansprechpartnerin für alle Opfer sexueller Belästigung, Mitarbeiterinnen wie Mitarbeiter. Zusammen mit ihrem Kollegen Martin Lüdemann hat sie am Freitag ihre neue Aufgabe aufgenommen.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Externe Ombudspersonen sind ansonsten meist in Compliance-Angelegenheiten aktiv. Im Kampf gegen sexuelle Belästigung ist diese Funktion neu in der deutschen Unternehmenswelt. Damit will die Lufthansa ein klares Zeichen setzen: „Bei uns gilt null Toleranz für jegliche Form der Diskriminierung und sexueller Belästigung“, sagt Bettina Volkens, Konzernvorstand für Personal und Recht. Das gelte für Mitarbeiter und Kunden – „und natürlich unabhängig von Position oder Status“. Der Arbeitgeber von fast 130.000 Mitarbeitern, der so unterschiedliche Berufsgruppen wie Kabinencrews, Piloten, Bodendienstpersonal oder Verwaltungsangestellte im Konzern beschäftigt, setzt auf Prävention und will unter den Dax-Konzern ein Zeichen setzen: „Wir wollen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermutigen, Grenzen zu ziehen, Stopp zu sagen“, betont Volkens.

          Zwar standen bei der Lufthansa die Beschäftigten, die Opfer sexueller Belästigung wurden, auch bislang nicht allein da. Egal ob fliegendes Personal oder Bodenmitarbeiter: Alle können sich an ihre Vorgesetzten, das Personalmanagement, den Betriebsrat oder die Personalvertretung, die Sozialberatung oder auch die Beauftragte für Chancengleichheit wenden. Das Unternehmen hat ein Interesse daran, dass derartige Probleme intern geklärt werden und nicht bei den Gerichten landen. Personalchefin Volkens fand es wichtig, das bestehende Angebot noch mal zu erweitern und die Hemmschwellen für Betroffene weiter zu senken.

          Ist die Luftfahrt besonders anfällig für sexuelle Belästigung?

          Die meisten Opfer sexueller Übergriffe tun sich ohnehin schwer, zu erzählen, was ihnen widerfahren ist. Hinzu kommt: Der Widerstand, solche Details ausgerechnet dem Arbeitgeber zu offenbaren, ist größer. Deshalb gibt es mit Lüders und Lüdemann nun zwei unabhängige Berater. „Das Klima in einem Unternehmen verändert sich, wenn Menschen wissen, dass sie sich wehren können“, ist Lüders überzeugt.

          Aber wie wollen die neuen Ombudspersonen das Vertrauen der Belegschaft gewinnen? „In erster Linie durch Kompetenz und gute Arbeit“, sagt Lüders. Die studierte Pädagogin hat Erfahrung auf diesem Gebiet. Acht Jahre lang, bis Ende April, war sie Anti-Diskriminierungs-Beauftragte des Bundes. Ihr wichtigstes Projekt war die anonymisierte Bewerbung: Wozu braucht man Angaben zu Alter, Geschlecht, Namen und Adresse, wenn es doch nur um Qualifikation gehen soll, fragte sie sich. Fünf Unternehmen machten mit. Was Lüders wichtig ist: Sie war Chefin einer Behörde, die der Rechtsaufsicht des Bundesfamilienministeriums unterstellt ist, aber ein Parteibuch hat sie nie besessen. „Das zeigt, dass ich unabhängig bin.“ Zuvor war sie als Referatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit erst im Kultusministerium in Hessen, dann im Integrationsministerium in Nordrhein-Westfalen tätig. Auch ihr Kollege Lüdemann ist durch seine bisherigen Aufgaben gut vorbereitet: 25 Jahre lang arbeitete er als Psychologe und Supervisor.

          Beide Ombudspersonen sind mit der größten deutschen Fluggesellschaft vertraut. Lüdemann begann seine Laufbahn als Berater bei Lufthansa Consulting in Köln. Lüders war hier stolze 17 Jahre beschäftigt, nach dem Studium zunächst als Flugbegleiterin, dann blieb sie am Boden, wurde zur Vorstandsreferentin befördert. Sie kennt die verschiedenen Bereiche und muss es also wissen: Ist die Luftfahrt besonders anfällig für sexuelle Belästigung? Nach einer Umfrage der amerikanischen Gewerkschaft für Flugpersonal, Association of Flight Attendants-CWA, haben mehr als zwei Drittel der Flugbegleiter – männlich wie weiblich – in ihrer Karriere schon sexuelle Belästigung erlebt.

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