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Serie „Ich mach mein Ding“ : Der Eismann, der aus dem Wasser kam

  • -Aktualisiert am

Markus Deiblers großer Traum: Sein Eiscafé Bild: Henning Bode

Markus Deibler war Spitzenschwimmer, Weltmeister und Weltrekordhalter. Aber er wollte Eis machen, schmiss alles hin - und lieferte eine zweite Erfolgsgeschichte. Erster Teil unserer Serie „Ich mach mein Ding“.

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          Das ist der Vorteil gegenüber einer Bäckerei“, sagt Markus Deibler. „Wir machen erst um 12 Uhr auf.“ Er ist also nicht zum frühen Aufstehen verdammt, auch wenn es immer wieder vorkommt. Abgesehen davon, ist der Schwabe, der in Hamburg heimisch wurde, in einem Sehnsuchtsgewerbe aktiv, das an lange, heiße Sommer denken lässt. An Urlaub, Italien, den Geschmack von Vanille, Schokolade, Früchten, Sahne. Dabei ist Deiblers Geschmackswirklichkeit noch viel variantenreicher: Limette-Salbei, Cheesecake-Himbeer, Zitrone-Thymian, Mango-Chili. Und das sind nur vier von vielen Beispielen. Markus Deibler verkauft nämlich in St. Pauli selbstgemachtes Eis, nur eine Querstraße entfernt von der Reeperbahn.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Luciella’s, das er hier mit Luisa Mentele, der früheren Freundin seines Bruders, vor etwa zwei Jahren gegründet hat, steht für die Erfüllung eines Traums - aber auch für eine biographische Wendung, wie sie nicht oft vorkommt. Als Deibler seine Eisdiele eröffnete, war er einer der besten Schwimmer Deutschlands. Und als er Ende des Jahres 2014 seine Sportlerkarriere beendete, wurde er endgültig ein Umsteiger mit Seltenheitswert. Er war gerade bei der Kurzbahn-WM in Doha Weltmeister über 100 Meter Lagen geworden, Weltrekordler obendrein, ein heißer Kandidat für die Olympischen Spiele nächstes Jahr in Rio des Janeiro, gerade mal 24 Jahre alt. Sei’s drum, er ließ das alles hinter sich. Und machte weiter in Eis, intensiver denn je.

          „Ich hatte einfach Bock, was anderes zu machen“, sagt er. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als Höchstleistungen in Reichweite waren und von außen betrachtet alles dafür sprach, die Sportlerkarriere entschlossen fortzusetzen. Aber beides zusammen, Eis und Wasser, das sei nicht mehr gegangen, sagt Deibler. Diese Erfahrung hatte er schon mal gemacht: dass man nämlich nur eine Sache richtig machen kann, nicht aber zwei auf einmal. Deshalb hatte er sich einst auch gegen sein Studium an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg entschieden, wo er in Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben war. „Vollzeit schwimmen und richtig studieren - da hätte ich gar keine Zeit mehr für andere Sachen gehabt.“ Also verließ er die Uni. Deshalb kann er heute auch sagen: „Aus meinem Studium habe ich für die Idee mit der Eisdiele nichts mitgebracht. Es hat mir nichts Nennenswertes gebracht.“

          „Riesen-Risiko“

          Hier ist also keiner zum Kleinunternehmer geworden, der sich darauf von langer Hand und durch eine Hochschulausbildung vorbereitet hat. Auch familiär ist Deibler nicht vorbelastet. Er kommt aus einer Lehrerfamilie, hier gehe es traditionell eher um Sicherheit als um berufliches Risiko, erklärt er. Allerdings: „Ich bin eher der Typ, der Dinge macht, die andere nicht unbedingt erwarten.“ Zum Beispiel mit viel Herzblut Eis herstellen und verkaufen. Sein Bruder Steffen dagegen, ebenfalls ein deutscher Spitzenschwimmer, ist immer noch aktiv und macht gerade seinen Bachelor in Umwelttechnik.

          Die Unternehmensgründung sei aber nicht nur eine romantische Angelegenheit gewesen, sondern ein „Riesen-Risiko“. Als Schwimmer habe er besser verdient, außerdem musste er nicht so viel investieren. Er habe sich von Bekannten Geld geliehen und Reserven aus seiner Zeit als Sportler angefasst. Eine sechsstellige Summe kam da zusammen, und es war absehbar, „dass wir viel Eis verkaufen müssen, um davon leben zu können“.

          Die alten Eismaschinen tun's auch

          Inzwischen sind sie auf einem guten Weg. Und das auch ohne den Bonus eines mehrmaligen deutschen Meisters und Olympiateilnehmers. Deshalb hängen auch keine Medaillen oder Fotos aus seiner aktiven Zeit in der Eisdiele. Hier gebe es Eis, aber kein Weltmeister-Eis. Zumal er ja nicht allein ist. Die Freundin hat nach einem Auslandssemester in Italien die Idee mit der Eisdiele angeregt, danach lief alles unter dem Motto: entweder richtig oder gar nicht. Und richtig, das bedeutete bei den beiden Jungunternehmern: handgemacht, natürlich, puristisch. Also kommen im Luciella’s, das in einem früheren Blumenladen untergebracht ist, nur Milchprodukte aus Hamburger Milchhöfen und frische Zutaten ins Eis, sonst nichts. 1,30 Euro kostet die erste Kugel, 1,10 Euro die zweite, die etwa zehn Sorten wechseln täglich. „Unsere Kunden müssen sich überraschen lassen“, sagt der Eismacher. 350 Sorten haben sie seit der Gründung schon angeboten. Sein persönlicher Favorit ist gerade Milchreis. Zu den ersten Investitionen gehörten zwei italienische Eismaschinen der Marke Cattabriga, Neupreis 25.000 Euro. Deibler fand auf Ebay zwei alte, die tun’s auch.

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