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Serie „Die Karriere googeln“ : Was die Deutschen zum Umgang mit Kollegen wissen wollen

Der richtige Umgang unter Kollegen: Bisweilen gar nicht so leicht. Bild: Picture-Alliance

Was ist eine fristlose Kündigung? Wie feiere ich Abschied von den Kollegen? Die Deutschen googeln viele Fragen zur Karriere. Wir beantworten die wichtigsten in einer Serie.

          7 Min.

          Lieber Google fragen als den Karriereberater? Das denken sich viele Deutsche. Auf FAZ.NET berichten wir in einer Serie fünf Tage lang darüber, welches die am meisten gestellten Karrierefragen auf Google sind - und beantworten sie. Los ging's mit mit dem Thema Studium. Folge 2 befasste sich mit dem Thema Gehalt. In Folge 3 haben wir Fragen zum Thema Bewerbung beantwortet und in Folge 4 ging's um die Kündigung. Hier kommt die letzte Folge. Hier geht es um die lieben Kollegen.

          Was reimt sich auf Kollegen?

          Hier staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich: Warum landet eine solche Frage so weit vorne? Liegt es vielleicht daran, dass sich viele Menschen keinen Reim auf ihre Kollegen machen können? Oder sind sie auf der Suche nach Hilfe beim ungelenken Versuch, kurz vor dem Sektumtrunk noch schnell ein Geburtstagsgedicht zu verfassen? Nach dem Motto: „Er ist der beste Kollege, drum bleibe er immer unser . . .“

          Sei’s drum, im ehrlichen Bemühen um eine seriöse Antwort auch auf diese bohrende Frage machen wir den Kunstgriff und kommen wieder auf das Internet zurück. Das kennt nämlich eine ganze Menge von Seiten, die den passenden Reim von allein suchen. Der besteht ja bekanntermaßen aus einer Verbindung von ähnlich klingenden Wörtern. Unter Schülern der Primarstufe sind zum Beispiel die sogenannten „Alle-außer-Reime“ sehr beliebt: „Alle rennen aus dem brennenden Haus – nur der Klaus, der guckt raus.“ Etwas erwachsener betrachtet, ist der Reim schlichtweg das Herzstück der Lyrik. Wer sich etwa im Rahmen des Studiums eingehender mit der Materie beschäftigt, stößt auf die unterschiedlichsten Formen des Reims: Kreuzreim, Stabreim, Augenreim, Zwillingsreim, Haufenreim und so weiter, und so weiter. Heinz Erhard etwa war ein Meister der Reimkunst. Kostprobe: „Die Arbeit ist oft unbequem, die Faulheit ist es nicht – trotzdem: der kleinste Ehrgeiz, hat man ihn, ist stets der Faulheit vorzuziehn!“

          Doch zurück zu den Reim-Suchmaschinen: Gibt man auf einer zufällig ausgewählten Seite das Wort „Kollegen“ ein, spuckt einem die Software stolze 1200 Ergebnisse aus. Wie peinlich, dass einem selbst kein einziges davon eingefallen war. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuße: „vorleben“, „jedweden“, „totreden“, „Atemwegen“ und „Handdegen“ sind nur fünf skurrile Funde. Toll, lieber Algorithmus! Wörter, die einfach auf „-en“ enden, wären uns auch noch selbst eingefallen, davon soll es in der deutschen Sprache ja einige geben. Als echter Reim geht das aber alles nicht durch. Bleibt der Kollege also tatsächlich reimlos? Nein, dass muss nicht sein. Denn es gibt ihn tatsächlich, den wohlklingenden Gegenpart vom Kollegen: nämlich den Frollegen. Er ist Freund und Kollege in einem – jenes Hybridwesen also, mit dem man tagsüber das Büro teilt, auf Facebook befreundet ist und am Wochenende Aktivitäten plant. Forscher an der amerikanischen Stanford-Universität haben herausgefunden, dass Kollegen, die sich mögen und bei der Arbeit gegenseitig unterstützen, viel produktiver sind. Also, reim dich, oder ich fress dich: „Er ist der beste Kollege, drum bleibe er immer unser Frollege.“

          Wann flirtet der Kollege wirklich?

          Tja, das ist eine sagenhafte Frage, wer die seriös für sich beantworten kann, der hätte das fragile Wesen der Liebe durchdrungen. Dabei ist nichts so kompliziert wie die Sache mit den Gefühlen. Sich am Arbeitsplatz zu verlieben, das ist relativ einfach und statistisch gesehen schon jedem Fünften widerfahren: Schließlich verbringen die meisten Menschen dort den Großteil ihres Lebens im Wachzustand und begreifen in der Regel rasch, wie es um Temperament und den wahren Charakter (ist er ein Schleimer, ist sie unkollegial?) des anderen bestellt ist. Und sich besser, sprich nachhaltiger und unauffälliger, also prächtig getarnt, umschauen als in „freier Wildbahn“ lässt sich auch nirgends. Ganz abgesehen davon, dass so ein bisschen freundliches Anflirten den Arbeitstag erhellt.

          Was aber ist nun ernst gemeint, und was ist einfach nur entspannte Höflichkeit, extravertierte Herzlichkeit, halt nur Ausdruck eines verbindlich-diplomatischen Charakterzugs, fern jeder ernsthaften Absicht? Verhaltenswissenschaftler messen dazu Puls und Pupillenweite und machen Laborversuche. Solche Studien lesen sich immer wieder schön, helfen im Büro aber herzlich wenig weiter. Was hilft, sind zwei Kriterien: Erstens: Sucht derjenige am Arbeitsplatz oft meine Nähe und biegt auch mit unwichtigen Anfragen an meinem Schreibtisch vorbei? Zweitens: Fragt er oder sie nach privaten Treffen außerhalb des Unternehmens?

          Einen halbwegs zuverlässigen Indikator, wie ernst die vermeintlichen Annäherungsversuche tatsächlich sind, liefert überdies ein kritischer Blick auf die Branche und die dort gängigen Umgangsrituale: Ist es in der Abteilung üblich, dem anderen Komplimente zum neuen Haarschnitt, den schönen neuen Stiefeln, dem gut gebräuntem Teint zu machen? Oder tut das dort niemand? Sind Äußerlichkeiten nie, wirklich nie ein Thema, dann ist das Lob der zurückhaltenden Kollegin über den stylishen Bartschnitt natürlich bemerkenswert und kann Max Müller beglücken. Werden gelegentlich Erscheinungsbild und Garderobe der anderen interessiert kommentiert, dann ist das Lob über das neue Kleid, „das so klasse zu deinen blauen Augen aussieht“, nur eine Unter-ferner-liefen-Floskel. Vulgo: Hat der, hat die, nicht längst die halbe Abteilung durch? Mag ich mich da einreihen? Wirklich? Und wie sieht es überhaupt mit dem Familienstand aus? Vorsichtiges Flirten ist okay, freche Anmache bei frischgebacken Papis oder lang gebundenen Kolleginnen – geht alles gar nicht. Fragen über Fragen. Die Antworten lassen sich nur selbst herausfinden. Viel Spaß bei der Recherche.

          Übrigens: Obacht bei Küssen am Kopierer. War es tatsächlich ein Flirt und ist daraus mehr geworden, dann sollten Verliebte mit ihren Gefühlen diskret umgehen. Wird tatsächlich etwas Ernstes draus, dann kann die bittere Konsequenz heißen, dass sich einer einen neuen Arbeitsplatz, eine neue Abteilung, möglicherweise einen neuen Arbeitgeber sucht. Sonst sind Konflikte programmiert, und das bitterböse Wort vom Hochschlafen macht die Runde. Denn den Spruch „Wir trennen Berufliches und Privates“, den zitieren in der Regel gerade diejenigen gern, die das eben überhaupt nicht können. Die Liebelei mag noch gutgehen, solange der Eitel-Freude-Sonnenschein-Hormonrausch regiert und die rosa Brillen noch fest sitzen. Was aber, wenn es zwischen dem Paar nicht knistert, sondern es in der ersten Krise auch mal tüchtig kracht? Mag man dann im Büro unter Beobachtung stehen oder sich lieber in seinem Liebeskummer vergraben? Eben.

          Was tun, wenn die Kollegen mobben?

          Das Wichtigste ist, sich nicht als Opfer zu betrachten, sondern zu versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren und zu erkennen, dass Mobbing viel mit schlechten Strukturen und leider auch mit miesen Charakteren zu tun hat – aber nichts mit einem selbst. Das hört sich einfach an, ist aber eine immense Herausforderung für die geschätzt rund 1,8 Millionen, die an ihrem Arbeitsplatz unter ihrer Außenseiterposition leiden. Gar nicht zu reden vom Cyber-Mobbing, von dem ein Drittel aller Schüler betroffen sein soll. Das Tückische am Mobben: Das bösartige Ausgrenzen von Menschen beginnt zunächst meist unauffällig. Da wird mal nicht über eine wichtige Auftragsänderung informiert. Dann wird ein falscher Konferenztermin genannt. Und uuups, da ist ja leider die E-Mail des Stammkunden perdu gegangen.

          Bis aber auffällt, das hinter diesen mutwillig inszenierten Ausfällen Methode und System stecken, ist die Situation schon zugespitzt. Deshalb hilft es, ein Mobbingtagebuch zu führen – solche „Pannen“ zu notieren, genau zu registrieren, was schiefläuft, und Beweismaterial zu horten. Es hilft meistens auch, sich Hilfe zu suchen: Vertraute um sich zu sammeln, eigene Truppen um sich zu scharen, über den Verdacht zu reden, ihnen die Augen darüber zu öffnen, dass sich auch Mitläufer schuldig machen und sich nur Schwache instrumentalisieren lassen, um andere in die Isolation zu treiben. Ruhig mal polemisch sagen: Was denkt ihr denn, wenn ich hier weggemobbt bin, wen trifft es denn dann von euch „Hinterbliebenen“? Wer von euch ist der Nächste? Schließlich schädigt Mobbing das ganze Team – diesen Umstand einmal deutlich auszusprechen ist jetzt geboten. Hilft das alles nicht, dann ist ein Gang zum Vorgesetzten angeraten. Und zu Mitarbeitervertretungen, die sind beim Thema Mobbing in der Regel sensibilisiert.

          Wie sage ich, dass ich schwanger bin?

          Dem Chef zu sagen, dass man schwanger ist – das ist eigentlich total einfach! Man geht zum Chef und sagt: „Ich bin schwanger.“ Das Praktische ist: Vermutlich wird der Vorgesetzte Glückwünsche aussprechen und Freude zumindest heucheln. Klar wird er sich insgeheim so etwas denken wie: „Mist, jetzt brauche ich eine Vertretung.“ Vielleicht wird er sogar innerlich richtig sauer, weil er schon große Pläne mit Ihnen hatte. Aber sagen wird er davon wahrscheinlich nichts. Das macht man einfach nicht. Über Babys freut man sich. Und die meisten Chefs wissen das.

          Also durchatmen. Sie brauchen sich über die richtige Formulierung der – guten!!! – Nachricht gar keinen Kopf zu machen. Viel wichtiger: ein paar Gedanken darauf zu verschwenden, wann man das Thema ansprechen sollte und bei wem. Es ist nämlich eine relativ schlechte Idee, erst nur den Lieblingskolleginnen von der Schwangerschaft zu erzählen. Wenn sich die Nachricht vom Baby schon zum Chef weitergetratscht hat, bevor man sie selbst überbringt, macht das einen eher schlechten Eindruck. Man sollte auch nicht warten, bis sich schon ein leichter Babybauch unter dem Pulli hervorwölbt und die Spekulationen ins Kraut schießen. Ein Irrglaube ist es hingegen, dass man dem Unternehmen die Schwangerschaft schon am ersten Tag mitteilen sollte, um in den Genuss des besonderen Kündigungsschutzes zu kommen. Sollte tatsächlich eine Kündigung ins Haus flattern, darf man auch noch bis zu zwei Wochen danach Bescheid geben, dass man schwanger ist. Daher ist es völlig o.k., die ersten drei Monate lang die Schwangerschaft noch für sich zu behalten. Natürlich kann es zuweilen auch dann passieren, dass Gerüchte entstehen; damit sollten Sie rechnen: etwa wenn Sie an der üblichen Geburtstags-Sekt-Runde auf einmal nicht mehr teilnehmen oder beim Team-Weihnachtsmarktbesuch einen Kinderglühwein bestellen.

          Wie verabschiede ich mich von Kollegen?

          Es gibt viele Gründe, warum jemand sein Unternehmen verlässt: ein beruflicher Wechsel, private Gründe, eine Entlassung, die Rente. Egal, was es ist: Die Frage, wie man in Würde geht, ist unbedingt wichtig.

          In letzter Zeit gab es ein paar Beispiele in den sozialen Netzwerken, die eindrucksvoll zeigten, wie man es nicht machen sollte. Einige Berühmtheit erlangte das Youtube-Video einer amerikanischen Journalistin, die, mit Tanzeinlagen garniert, ihrer Redaktion mitteilte, dass sie gar keine Lust mehr hatte, dort zu arbeiten. Ebenfalls viral geisterte ein Video von einem Café-Mitarbeiter durch das Netz, der seine Kündigung in Form eines Liedes vorträgt: Er fühlt sich zu Höherem berufen, als im Café zu arbeiten, singt er.

          Mal davon abgesehen, dass solche Varianten des Abschieds für die wenigsten realisierbar sein dürften: Es gilt, keine verbrannte Erde zu hinterlassen. Wer demnächst anderswo arbeitet, könnte den Kollegen trotzdem noch einmal begegnen – vielleicht werden sie Kunden oder Geschäftspartner. Dann also lieber eine ordentliche Ausstandsfeier schmeißen. Dazu sollte man besser nicht nur die Lieblingskollegen einladen, sondern alle. Diejenigen, mit denen man sich nicht so gut verstanden hat, kommen in der Regel ohnehin nicht. Die Abschiedsparty nicht zu früh zu feiern ist sinnvoll – sonst ist man hinterher noch etliche Tage im Büro, und alle wundern sich darüber. Der vorletzte Tag ist ideal: Dann hat man am allerletzten Tag noch Zeit, seine Siebensachen zu packen.

          Weil selten alle Kollegen da sind, ist auch eine Abschiedsmail eine gute Idee. Die sollte kurz und nicht zu salbungsvoll gehalten sein. Ein paar nette Dankesworte und eine neue Adresse genügen schon. Auch für Abschiedsmails gibt es übrigens Beispiele, die im Netz schon viele Lacher produziert haben. Allen voran das des ehemaligen Google-Mitarbeiters Jason Shugars. Er soll diese Betreffzeile verwendet haben: „So long, suckers! I’m out!“ – Macht’s gut, Trottel! Ich bin raus!“ Eine Rückkehr scheint wohl ausgeschlossen.

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