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Serie „Anders Arbeiten“ : Das Büro – ein Raum mit Seele

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Aus der Burra über dem Tisch wurde das Büro

Gesagt, getan. Sogleich wurde die Entscheidung ausgeführt. Noch hatte die Glocke nicht zu den Laudes geschlagen, da hatten die Mönche in gemeinsamer Arbeit einen Tisch gezaubert. Allein, just in dem Augenblick, da unser Mönch den riesigen Folianten auf der festen Platte niederlegen wollte, hielt er inne. Denn er sah die Spreißel und die Splitter, die aus der ungehobelten Platte hervorlugten. Er legte das Buch zurück, entledigte sich des Überwurfs seines Gewandes und breitete diese Burra über die rauhe Platte seines Tisches. Nun konnte seinen geliebten Büchern nichts geschehen. Denn das Filztuch seiner Burra schützte sie vor möglichen Beschädigungen.

Und zugleich hatte der Mönch etwas erfunden, von dem damals niemand ahnte, welch eine große und vielschichtige Geschichte ihm beschieden sein würde: das bureau, das Büro. Denn aus jener schlichten, einfachen doch wirkungsvollen Filzauflage zum Schutz kostbarer Bücher sollte in späteren Zeiten ein Raum werden, der nicht allein dem Schutz der Bücher dient, sondern dem Schutze dessen, was noch kostbarer als Bücher ist – dem Schutz des Menschen.

Gewiss ahnte unser Mönch noch nichts von dem, was später als Büro bezeichnet werden sollte. Doch was er kannte, prägt bis heute die Idee eines Büros: die klösterliche Welt, in der er lebte. Das Kloster selbst war, ganz wie seine Burra, ein Ort zum Schutz des Kostbarsten: ein Ort zum Schutz des Menschen, seiner Lebendigkeit und Kreativität. Vom Kloster kann man daher lernen, wie Büros eingerichtet werden sollten, wenn sie nicht nur der Funktionalität von Unternehmen dienen, sondern vornehmlich im Dienst des Menschen stehen.

Ohne Druck und in Freiheit

Es ist wohl kein Zufall, dass die Geschichte des Büros in einem Kloster ihren Anfang nahm. Und deshalb liegt es nahe, noch ein wenig bei den Klosterbrüdern zu verweilen, wenn man wissen möchte, was noch heute für die Ausgestaltung von Büros beachtet werden sollte, wenn sie dem Wachsen, Blühen und Gedeihen des Menschen dienen sollen. Kehren wir zurück ins Kloster.

Unser Mönch war glücklich. Eine Lösung war gefunden, das Gespräch im Kreis der Brüder hatte Frucht getragen. Gut war es, dass dafür Raum und Zeit bestanden hatten. Ja, es zeigte sich doch immer wieder, dass der schöpferische Geist am liebsten dann in die Mönche fuhr, wenn sie ohne Druck in Freiheit miteinander reden konnten. Zum ersten Mal, so schien es unserem Mönch, verstand er nun die tiefe Weisheit jenes vielzitierten Worts des Ordensgründers, das da lautet: „Ora et labora!“: Bete und arbeite! Denn der Wechsel zwischen schöpferischer Arbeit – creatio – und Erholung – recreatio – schien ihm wie der Herzschlag der geteilten Zeit seiner Gemeinschaft. Er ermöglichte ein Gleichgewicht des Geistes: das, was spätere Wissenschaftler als die Synchronisation von rechter und linker Gehirnhälfte beschreiben würden.

Und also freute sich der Mönch, da, kaum dass sein Büro erfunden war, die Glocken ihn und seine Brüder in die Kirche riefen. All das atmete den Geist der Harmonie, und ein tiefer Frieden drang in seine Seele. „Ja, hier ist es gut“, so dachte er, „hier finden Leib und Seele Nahrung. Überall ist Schönheit. Alles ist befreit von Not und Sorge – ein beseelter Raum.“ Dabei wusste er durchaus, dass auch ein Kloster Wirtschaft treiben musste. Und er war sich nicht im Unklaren darüber, dass die Freiheit und die Schönheit, die er atmen durfte, durch den Fleiß und durch die Arbeit jener Mitbrüder erworben wurden, die mit ihrer Hände Arbeit auf den Feldern oder in den Werkstätten besorgten, was sie alle hier zum Leben brauchten. Ja, die Regeln, die der Gründer für das Leben der Gemeinschaft aufgeschrieben hatte, waren wohldurchdacht. Regelmäßigkeit, so dachte er, sorgt dafür, dass jeder hier sein Bestes geben und entfalten kann. Poesie und Arbeit greifen ineinander, ebenso wie Leib und Geist, wie Essen und Lektüre. Und er freute sich darauf, die Jahre, die ihm noch beschieden wären, hier an diesem Orte zu verrichten, wo das Kostbarste so gut geschützt ist: hier, wo seine Burra lag – hier, in seinem Büro.

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