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Schutz vor Hackern : Cybersoldaten verzweifelt gesucht

Cyber Day bei der Bundeswehr: Die Armee wirbt um Computer-Spezialisten. Bild: dpa

Die Bundeswehr braucht 14.000 IT-Spezialisten, um Daten zu schützen oder Attacken aus dem Netz abzuwehren. Doch die Streitkräfte gelten als unattraktiver Arbeitgeber. Nicht erst, seitdem sie aktuell in Verruf geraten sind.

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          Florian Henke und Marko Becker wären die perfekten Kandidaten für die Bundeswehr. Die beiden Informatiker stehen kurz vor ihrem Abschluss an der Universität Göttingen, mit 25 und 28 Jahren sind sie gut ausgebildet und bald auf der Suche nach einer Stelle. Eine Behörde kommt für die beiden allerdings nicht in Frage, davon haben sie sich selbst überzeugt – am Stand der Bundeswehr auf der IT-Fachmesse Cebit in Hannover. „Das Gehalt ist einfach unterirdisch“, sagt Henke, und sein Studienkollege Becker schüttelt nur den Kopf, wenn er daran denkt, womit er gelockt werden soll.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Die Informatiker drängen auf einen Arbeitsmarkt, der nach IT-Fachkräften lechzt. Auch die Bundeswehr sucht händeringend nach Cybersoldaten, die sie im Kampf im Netz unterstützen. Allein in den ersten Monaten des Jahres habe es mehr als 284.000 Angriffe auf das Bundeswehrnetz gegeben. Zeit, etwas dagegen zu unternehmen.

          Doch im Vergleich zum marktüblichen Gehalt für Universitätsabsolventen in der IT zahlt die Bundeswehr schlecht. Deshalb verspricht sie eine Sicherheit namens Verbeamtung und eine langfristige Beschäftigung in einem Markt, der sich schnell verändert. Wer zur Bundeswehr kommt, wird nicht schnell wieder rausgeworfen, lautet die Botschaft. Nur klingt eine jahrelange Verpflichtung längst nicht für jeden potentiellen Rekruten attraktiv.

          Patriotische Ideale gibt's in der Szene selten

          Die Bundeswehr spielt deshalb die Patriotismus-Karte: Wer für sie arbeitet, hilft dem Land und trägt damit zu einer funktionierenden Gesellschaft bei. Doch selbst mit diesem Argument steht die Bundeswehr in Konkurrenz: Der Bundesnachrichtendienst und der Verfassungsschutz suchen ebenfalls Spione für den Staatsdienst, Hacker mit Hang zur Landesverteidigung. Die nicht so sehr aufs Geld schauen, sondern Teil eines großen Ganzen sein wollen. Was für manche verlockend klingt, schreckt andere ab. Marko Becker sagt: „Ich möchte nicht an einem Ort arbeiten, an dem man seine politische Meinung nicht äußern kann.“ Mit patriotischen Idealen können sich die beiden Informatiker nicht anfreunden, damit sind sie in der Hacker-Szene keine Ausnahme. Die Skepsis vor dem Staat ist dort ausgeprägter als anderswo. Wer versteht, was technisch alles möglich ist in der Überwachung, distanziert sich mitunter davon. Der aktuelle Verdacht des Rassismus und Rechtsextremismus gegen den Oberleutnant Franco A. schadet dem ohnehin schon ramponierten Ruf der Bundeswehr als Arbeitgeber noch zusätzlich.

          Hinzu kommen für die Studenten ganz praktische Gründe: Die Aufstiegschancen in einer Behörde seien begrenzt, befördert werde immer noch nach starren Altersregelungen, vermuten die Informatiker. Auch wenn die Truppe gerade versucht, das Bild der unflexiblen und langsamen Organisation zu verändern, steckt es noch in den Köpfen der jungen Talente.

          Die Digitalisierung verändert derzeit auch die Personalgewinnung rasant, wer nicht schnell reagiert, wird abgehängt. Natürlich kann sich die Bundeswehr nicht so schnell anpassen wie ein Start-up oder ein digitalisierter Konzern. Doch wenn es in der Bundeswehr Veränderungen gibt, dann sind die von langer Hand geplant: Der Verteidigungshaushalt beträgt in diesem Jahr rund 37 Milliarden Euro, fast ein Drittel davon gibt die Bundeswehr für Personal aus.

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