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Schönfarbereien : „Er war stets bemüht“

Alles rosig, alles gut? Bild: Maren Esdar

Über alle Berufe und Branchen hinweg: Aus dem Hausmeister wird der Facility Manager, aus der Putzfrau die Raumpflegerin. Hauptsache, es klingt gut. Was steckt aber hinter der Schönfärberei?

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          Wenn es gilt, Negatives positiv darzustellen, rechtssicher zu schummeln oder zu vertuschen, dann werden sie aktiv und kreativ: die Experten des Euphemismus, auch als sprachliche Schönfärber oder wendige Wortverdreher bezeichnet. Das Phänomen ist nicht neu, sondern in Religion und Mythologie seit Jahrtausenden bekannt. Aber erst seit dem Siegeszug der Marktwirtschaft und aktuell durch übersteigerte politische Korrektheit ist es zu ungeahnter Blüte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gelangt. Die Beispiele entstammen dem Prachtdeutschen.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Heißt es in der Politik, der Bürger solle mehr Eigenverantwortung übernehmen, dann heißt das schlicht, er muss mehr zahlen. Die Beitragserhöhung wird als Beitragsanpassung verharmlost. Die Müllhalde heißt nun Entsorgungspark. Und die Krankenkasse stellt sich vital als Gesundheitskasse vor. Sozialverträgliches Frühableben heißt Sterben – und zwar, bevor man die Rentenkasse belastet.

          Auch die Militärsprache setzt auf geballte Verharmlosung. Militäreinsätze werden gerne als friedenserhaltende Maßnahmen bezeichnet. Wenn der Friedensprozess stockt, dann herrscht Krieg. Leider gibt es Kollateralschäden, als wäre der Tod von Menschen eine Begleiterscheinung. Aus Vertreibung wird eine Umsiedlung. Ethnische Säuberungen bedeuten nichts anderes als Massentötungen, bei denen höchstens das eigene Gewissen reingewaschen wird. Das alles ist suboptimal, also schlecht, und bedarf brutalstmöglicher Aufklärung, tut uns der Politikermund dynamisch kund. Nicht nur die Superlative werden in der Politik überstrapaziert.

          In der Wirtschaft gehört sprachliches Schönfärben dank Marketing und Werbung ganz traditionell zum Geschäft. Die Lebensmittelindustrie bringt Dynamik in diese Disziplin. Der zuckrige Fettkeks knuspert sich freundlich als Frühstückchen heran, der gesunde Fruchtsaft ist Zuckerwasser ohne nennenswerte Spuren Obst. Nur wer den Unterschied zwischen natürlichen und naturidentischen Aromastoffen kennt, weiß, dass Himbeergeschmack nichts mit dem Genuss einer echten Beere zu tun haben muss. Appetitlich klingt Analogkäse nicht gerade – ob das Wort auch im Digitalzeitalter noch gefragt ist? Aber künstlicher Käse klingt nun mal nach igitt. Die Formulierung Formfleisch sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn gemeint sind zusammengebügelte Fleischreste, wobei mit Geschmacksverstärkern nicht gegeizt wird.

          Locker mithalten kann die Immobilienbranche, verbales Aufhübschen ist eine Art Kernkompetenz gegenüber der Kundschaft: Der Grundriss ist originell, das Haus ausbaufähig, der Garten eingewachsen, das Viertel lebhaft. Übersetzt heißt das: Die Zimmer sind verschnitten, das Haus ist eine Ruine, der Garten verwildert, und draußen tosen Verkehr und Partyvolk. Ach ja, gegenüber ist ein Rückbau geplant, also Abriss. Der euphorisch besungene „Familientraum am Bach mit oberbayrischem Gutshofcharme“ entpuppte sich als versumpfte Bröckelscheune und frustrierte den französischen IT-Mitarbeiter bei seiner Besichtigung nahe München zutiefst.

          Tourismusbranche färbt gerne schön

          Oder soll man sagen, verstörten den zweisprachigen Mann, dessen Familie nach Bayern nachziehen sollte? Solche Anzeigentexte auf raffiniert bebilderten Portalen zu entschlüsseln, das überforderte seine ansonsten respektablen Deutschkenntnisse. „Sagt ihr Deutschen nicht, man wird für dumm verkauft?“ Immerhin hat sich der Mann seinen Humor bewahrt, denn als Ausländer mit derlei Euphemismus konfrontiert zu werden, das macht weiß Gott keinen Spaß. Sprachliche Verschleierung meets globalisierte Welt – was für eine Herausforderung. Come in, find out, mag man den Zugereisten zurufen.

          Gut mithalten kann hier die artverwandte Tourismusbranche, die unter anderem auch Behausungen an den Kunden bringen möchte. Blöd, wenn das neu eröffnete Hotel einfach noch nicht fertig gebaut ist. Doof, wenn der aufstrebende Ferienort über zahllose Baustellen verfügt, aber immerhin noch beliebt bei Stammgästen sei – denn die anderen kommen nicht mehr. Genaues Lesen hilft auch hier. Denn Meerseite heißt nicht Meerblick, und Meerblick heißt nicht Strandnähe. Direkt am Meer heißt nicht, dass man über Klippenspitzen auch ans Meer gelangt oder dass es Strand gibt. Und was selbstbewusst Idylle genannt wird, hat einfach keine Infrastruktur. Kein Weg. Nirgends.

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