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Sabbatjahre : Ausstieg auf Zeit

  • -Aktualisiert am

Ein Sabbatjahr wird selten am Strand verbummelt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Lange galten Sabbatjahre nur als Weg zur privaten Selbstverwirklichung. Jetzt wissen auch Arbeitgeber sie zu schätzen - als Fortbildung oder als Sparmaßnahme.

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          Vier Vorgesetzte hätten ihr Veto einlegen können gegen den Plan von André Mergenthaler, Trinkwasserfilter in Uganda zu installieren. „Ich habe mir eigentlich keine Hoffnungen gemacht, daß das klappt“, sagt der Daimler-Ingenieur.

          Zu verwegen schien ihm der Wunsch, ein ganzes Jahr lang seinen Arbeitsplatz zu verlassen, ohne zu kündigen. Es gab damals in dem Autokonzern noch keine Regelung für Sabbatjahre, auf die er sich hätte stützen können.

          Doch Mergenthaler stieß bei allen Beteiligten auf Wohlwollen. Was vor allem daran lag, daß er in dem Jahr seine beruflichen Fähigkeiten einsetzen wollte, um anderen Menschen zu helfen, anstatt einfach nur auf Weltreise zu gehen.

          André Mergenthaler

          Mehr als selbstlose Aufopferung

          Seit September 2006 arbeitet der 33-Jährige für die Missionsgesellschaft „Water Missions“ in dem ostafrikanischen Land, dessen Einwohner seit Jahrzehnten unter dem Bürgerkrieg im Norden leiden. Sauberes Trinkwasser gibt es an vielen Orten nicht. „Ich habe gesehen, wie Menschen aus schmutzigen Sümpfen trinken“, sagt Mergenthaler.

          Zusammen mit einem amerikanischen Ingenieur reist er von Ort zu Ort und installiert Geräte, die gesundheitsschädliche Keime aus dem Wasser filtern sollen.

          Trotz der Schwierigkeiten und Gefahren in Uganda kann man im Fall von André Mergenthaler nicht nur von selbstloser Aufopferung sprechen. Nach dem Studium und mehreren Jahren im Daimler-Stammwerk hatte er vor allem das Gefühl, dringend eine Abwechslung zu brauchen. „Ich wollte herausfinden, was mir neben einem geregelten Arbeitstag noch wichtig ist“, sagt er.

          „Es ist zu ruhig um das Thema Sabbatjahre“

          Im September wird er wieder nach Stuttgart zurückkehren und das Angebot seines Teamleiters annehmen, in gleicher Position weiter zu arbeiten. „Ich freue mich darauf, abends einfach mal wieder ins Kino gehen zu können“, sagt er. „Und auf eine warme Dusche.“
          Er würde es jedem empfehlen, sich für einige Monate auf ein solches Wagnis einzulassen.

          Doch die erste Hürde, nämlich den eigenen Arbeitgeber zu überzeugen, dürfte für viele schon unüberwindlich sein. Nach einer repräsentativen Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung aus dem Jahr 2001 bieten nur 2,6 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, ein Jahr lang auszusteigen.

          „Seitdem hat sich nicht viel geändert“, sagt WSI-Wissenschaftlerin Christina Klenner. „Es ist immer noch ruhig um dieses Thema.“ Was die Sozialwissenschaftlerin bedauerlich findet: „Es nutzt auch den Unternehmen, wenn ein Angestellter seinen Horizont erweitert und mit neuer Kraft zurückkehrt.“

          Abschied vom Jugendtraum

          Klenner spricht aus Erfahrung - sie hat selbst ein Sabbatjahr eingelegt. „Ich habe früh Kinder bekommen und fühlte mich ausgepowert“, sagt die 51-Jährige. „Deswegen hat mir diese Zeit gut getan.“ Ihr Aussetzen war lange im Voraus geplant: Fünf Jahre lang verzichtete Klenner auf 20 Prozent ihres Einkommens, um während des Sabbatjahres normal weiterbezahlt zu werden.

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