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Rückschläge im Beruf : Erfolgreich gescheitert

  • -Aktualisiert am

Anne Koark teilt ihre Erfahrungen mit anderen. Bild: Andreas Müller / F.A.Z.

Misserfolg im Beruf braucht niemand - oder doch? Drei Menschen erzählen, wie sie nach harten Rückschlägen erfolgreicher wurden als zuvor. Aber gibt es dafür wirklich ein Patentrezept?

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          Ob selbst verschuldet oder Pech, ob Kündigung, Insolvenz oder ein geplatztes Projekt - im Berufsleben gehört es einfach zur Normalität, mit Niederlagen konfrontiert zu werden. Dennoch wird das Thema häufig tabuisiert. Zu groß ist die Angst, als Versager zu gelten. Was fehlt, ist der konstruktive Umgang mit dem Scheitern. Wie zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, wo Misserfolge pragmatisch und, um mit dem Verleger Malcolm S. Forbes zu sprechen, sportlich genommen werden: „Der Sieg schmeckt am süßesten, wenn du die Niederlage kennst.“

          Nicht die einzelne Niederlage entscheidet folglich über den beruflichen Erfolg, sondern der Umgang mit ihr. Das Schlüsselwort lautet Resilienz. Gemeint ist die psychische Widerstandsfähigkeit, die nötig ist, um Krisen effektiv zu meistern. Eine Fähigkeit, die erlernbar ist und zunehmend als Karrierefaktor gilt. Eine aktuelle Studie, durchgeführt von der Bertelsmann Stiftung und Mourlane Management Consultants, bestätigt: Resiliente Menschen sind optimistischer, disziplinierter und empathischer, sie steuern ihre Emotionen besser, glauben an ihre Fähigkeiten und setzen sich stets neue herausfordernde Ziele.

          Zunächst war es ein Scherbenhaufen

          „Bei uns“, sagt die Engländerin Anne Koark, „hat versagt, wer aus der Situation, in der er ist, nichts macht.“ Was das im Ernstfall bedeutet - die Fünfzigjährige, die seit 1985 in München lebt, hat es erfahren. Ihre „Situation“ dauerte von dem Moment an, als sie 2003 für ihr anfangs erfolgreiches Unternehmen Trust in Business Insolvenz anmeldete, zehn Jahre. Seit Anfang 2010 ist das Insolvenzverfahren abgeschlossen und Koark schuldenfrei; der letzte Eintrag in den Kreditauskunfteien verschwand in diesem Januar. Dass sie einmal eine solche Pleite erleben würde, war für sie damals unvorstellbar. Ebenso wenig hätte sie damit gerechnet, „mit meinem Scheitern erfolgreicher zu sein als mit meinen Erfolgen zuvor“. Denn zwischenzeitlich hat sich Koark, die sich in der Öffentlichkeit immer konfrontativ als „Pleitier“ vorgestellt hat, einen Namen als Buchautorin und Referentin zu den Themen Insolvenz, Wirtschaft und Ethik gemacht.

          Zunächst stand die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern, zwischenzeitlich sind es drei, jedoch vor einem Scherbenhaufen. Da die Firmeninsolvenz zum privaten Konkurs führte, waren alle Sicherheiten weg: Wohnung, private Altersvorsorge und einiges mehr. Ihr erster Gedanke war: „Werden wir unter der Brücke landen?“ Dazu kam das beschämende Gefühl, andere Menschen nicht bezahlen zu können: „Ich war wie gelähmt. Es ist schwierig zu akzeptieren, dass so etwas passieren kann, man Fehler gemacht hat, es sich aber nicht ändern lässt.“ Was bleibt, sei die Frage, wie es weitergeht. Ihre Antwort: Für die Fehler geradestehen und schnellstmöglich wieder arbeiten.

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