https://www.faz.net/-gyl-a3vja

Report zu Krankheitstagen : Schlechte Chefs – hohe Fehlzeiten

  • Aktualisiert am

Krank und ab nach Hause: wie viele das jährlich betrifft, klärt der AOK-Fehlzeitenreport für die AOK-Versicherten. Bild: Picture-Alliance

In Unternehmen, in denen Mitarbeiter die Führungskräfte als ungerecht empfinden, melden sich die Beschäftigten im Schnitt auch häufiger krank, besagt eine neue Analyse der Krankenkasse AOK.

          1 Min.

          Die Qualität der Führung in Unternehmen und die Gesundheit der Mitarbeiter hängen zusammen. Laut dem diesjährigen AOK-Fehlzeitenreport sind diejenigen Beschäftigten je Jahr gut zwei Tage mehr krank, die sich am Arbeitsplatz von ihren Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die ihren Chefs schlechte Noten geben, kommen dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Report zufolge durchschnittlich auf 15 Krankheitstage im Jahr. Diejenigen, die ihre Vorgesetzten als gerecht wahrnehmen, fehlen im Durchschnitt 12,7 Tage.

          Von den Beschäftigten, die mit ihren Chefs unzufrieden sind, klagt rund jeder Fünfte über Lustlosigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen. Ein Viertel nennt körperliche Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen, ein Zehntel hat regelmäßig Kopfschmerzen. In der Gruppe derer, die mit ihren Führungskräften zufrieden sind, sind die gesundheitlichen Beschwerden insgesamt nur ein Viertel so hoch wie bei den unzufriedenen Kolleginnen und Kollegen.

          Für den AOK-Fehlzeitenreport wurden 2500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren zu ihrem Gerechtigkeitsempfinden am Arbeitsplatz und den Auswirkungen auf die Gesundheit befragt. Der Report stuft das Verhalten von Führungskräften als zentral für die Unternehmenskultur ein. Wenn sie das Gerechtigkeitsempfinden der Belegschaft verletzten, hat dies laut der Studie nicht nur Einfluss auf den Krankenstand im Betrieb, sondern auch auf die Bindung der Beschäftigten an ihr Unternehmen.

          Die Unternehmenskultur ist entscheidend

          „Neben der Bewertung einzelner Entscheidungen hat für Beschäftigte auch die gelebte Unternehmenskultur erheblichen Einfluss, was wiederum Folgewirkungen für die
          Arbeitgeberattraktivität und die Gesundheit hat“, sagte Bernhard Badura, Gesundheitswissenschaftler der Universität Bielefeld und Mitherausgeber der Studie. Ein erlebtes Wir-Gefühl steigere unter anderem die intrinsische Motivation,
          Herausforderungen und Krisen gemeinsam zu bewältigen.

          Doch ausgerechnet in Sachen „Wir-Gefühl“ und Unternehmenskultur haben viele Unternehmen anscheinend noch Nachholbedarf: Fast jedem zweiten Beschäftigten fehlt es derzeit an gerechten Konfliktlösungen. Wertschätzung
          im Job vermissen 40,8 Prozent. Und auch die Rückendeckung kommt zu kurz: Rund ein Drittel der Befragten bemängelt, dass das Unternehmen nicht hinter dem Personal stehe.

          Der AOK-Fehlzeitenreport 2020 wird vom Wissenschaftlichen Institut der AOK in Zusammenarbeit mit der Universität Bielefeld und der Beuth-Hochschule für Technik in Berlin herausgegeben.

          Weitere Themen

          Für immer Homeoffice?

          Hanks Welt : Für immer Homeoffice?

          Wir sind gerade dabei, uns dauerhaft in die Homeoffice-Welt zurückzuziehen. Das kommt Arbeitnehmern gelegen, wäre aber ein jämmerlicher Rückschritt.

          Topmeldungen

          Das Ministerium will per Verordnung Reisen beschränken können.

          Dauerhaft Sonderrechte : Mehr Macht für Spahns Ministerium?

          Das Bundesgesundheitsministerium will sich mehr Einfluss sichern, auch über Corona hinaus. In fast allen Parteien herrscht deswegen Skepsis, vielfach wird Spahn sogar offen kritisiert. Bayerns Ministerpräsident gibt ihm Rückendeckung.

          Impfen gegen Corona : „Das wird noch einige Jahre dauern, fürchte ich“

          Bis zu 1,4 Milliarden Impfdosen will Biontec bis Ende 2021 herstellen. Aber wie lange dauert es, bis die Menschheit geimpft ist? Aufsichtsratschef Helmut Jeggle spricht im Interview über den Corona-Impfstoff seiner Firma und den Hype, den dieser an der Börse ausgelöst hat.
          Der größte kollektive Wert, den Städte in Zukunft produzieren, sind Daten, sagt Francesca Bria. Sie sind Milliarden wert; wer sie besitzt, regiert.

          Francesca Bria im Interview : Holt euch eure Daten zurück!

          Francesca Bria gehört zu den wichtigsten Vordenkerinnen des Digitalzeitalters. Sie berät die Europäische Union und die Vereinten Nationen. Hier stellt sie ihren Plan für eine neue Stadt- und Gesellschaftspolitik vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.