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Psychologie : Ein Lächeln gegen die Kälte

Den Urlaub konservieren, das wär´s Bild: Getty Images

Januar. Der Urlaub liegt hinter uns. Die Tage sind grau. Lust aufs Büro? Keine. Das ist ganz normal, sagen Psychologen. Und es gibt Rezepte, wie man aus dem Bett und durch die Eiszeit kommt.

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          Diese Nacht ist grauenkalt und schwer", singt die Popband Juli. Der Kollege empfiehlt, erst gar nicht in den Urlaub zu fahren, dann tue es hinterher nicht so weh. Diese Nacht, das war eine in den Winterferien. Und hinterher, das ist in der neuen Arbeitswoche.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Es ist Montag oder Donnerstag, der Wecker klingelt, gefühlt mitten in der Nacht. 6.30 Uhr, Bettdecke nach längerem Zögern zur Seite, Rollladen hoch. Nieselregen, es ist dunkel, 2 Grad Außentemperatur. Abends, wenn wir nach Hause kommen, das ist jetzt schon klar, wird es wieder dunkel sein. Lust aufs Büro? Null. Dabei müsste doch nach zwei Wochen Urlaub alles leichter von der Hand gehen, das neue Jahr neuen Schwung bringen, müsste man mit Freude und Elan an neue Aufgaben gehen. Müsste.

          "Weniger Energie", stellt der Hamburger Psychologe Eckehard Rechlin nüchtern fest. Der biologische Rhythmus sei nicht 365 Tage im Jahr gleich. Gerade der Januar mit seinen kurzen Tagen und dem wenigen Licht sei eben nicht der Monat, in dem man von Natur aus mit voller Kraft ins neue Jahr starten könne. Die hohe Belastung im Dezember, vor allem durch den zusätzlichen Weihnachtsstress, wirke herüber, die Regeneration gelinge bis Januar meist nicht. Na gut, dann müsste es ja spätestens ab Mai wie von selbst vorangehen und müssten sich gute Laune und Arbeitsfreude einstellen. Nein, sagt der Psychologe, wenn man im Alltag auf dieselben Nervensägen trifft, vermiest einem das die Lust an der Arbeit, egal, ob es Januar oder Mai ist.

          Wer früher aufsteht, hat mehr Zeit

          Jetzt wird es grundsätzlich, aber der Reihe nach. Für die dunklen Jahresanfangswochen hat der Psychologe ein paar Ratschläge parat. Meist haben sich die vielen guten Vorsätze ein paar Wochen nach Neujahr in Luft aufgelöst, konstatiert er und empfiehlt deshalb, zunächst eine schlechte Gewohnheit über Bord zu werfen und eine neue gute einzuführen. Morgens nicht mehr bis zur letzten Sekunde schlafen, zum Beispiel. Wer ein paar Minuten früher aufstehe, habe mehr Zeit, Energie freizusetzen. "Stellen Sie sich vor den Spiegel, und üben Sie zu lächeln", empfiehlt Rechlin. Das setze Glückshormone frei. Oder man solle im wörtlichen Sinne einen anderen Weg gehen. Nicht immer die gleiche Straße zur Arbeitsstelle zu nehmen bringe womöglich erfreuliche Abwechslung. Aber Achtung: Wer im alten Rhythmus Vertrautes hatte und damit Positives verband - einen freundlichen Bäcker etwa oder einen geliebten Radiosender mit fröhlichen Moderatoren und schöner Musik -, wäre dumm, gäbe er dies auf. So etwas gilt es unbedingt zu erhalten. Und so lautet die zentrale Frage über die äußerlich grauen Tage hinaus: Wo sind die Energieräuber?

          Aus der Opferhaltung in die Selbstverwaltung wechseln

          "Meist sind es nur ein oder zwei Dinge, aber die vernebeln einem den ganzen Tag", sagt der Psychologe. "Störquellen" nennt er das, die gelte es zu identifizieren. Aber eben auch Kraft- und Motivationsquellen. Und wenn man dann weiß, ob etwa eine seit Tagen aufgeschobene Arbeit oder ein unsympathischer Kollege die Störquelle ist, gilt es, diese aktiv zu beseitigen. "Sie müssen aus der Opferhaltung in die Selbstverwaltung wechseln", mahnt Rechlin. Dies gelte auch für die Freizeit, die einen Ausgleich zum beruflichen Stress schaffe. Nicht treiben lassen, sondern planen, fordert der Psychologe. Zum Beispiel den regelmäßigen Gang in ein Fitness-Center, gerne mit angeschlossenem Wellness-Bereich. Dies sei eine gute Möglichkeit, in konstruktiver Form zu entspannen und das Gehirn zu harmonisieren. Und allemal eine prima Alternative zum eher stumpfsinnigen Konsum des allabendlichen Fernsehprogramms.

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