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Psychologie am Arbeitsplatz : Jung, selbstherrlich, gescheitert

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Selbstüberschätzung ist ein klassischer Fehler von Berufseinsteigern. Aber die unerfahrenen Anfänger machen noch andere Dinge falsch. Manche lassen Unsicherheit in Arroganz umschlagen, andere passen sich viel zu schnell an.

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          Am Tag des Diploms wird alles anders. „Wir erleben das bei unseren Praktikanten. Die Lernbereitschaft und auch die Formbereitschaft, also die Bereitschaft, sich von Eindrücken prägen zu lassen und sich selbst zu verbessern, lässt schlagartig nach, sobald sie ihre Urkunde in der Hand haben“, sagt Heiko Sill. Der Potsdamer Diplompsychologe wundert sich. „Der Stolz über den Abschluss sollte im Elternhaus bleiben, wird aber auf den Arbeitgeber übertragen.“ Zu viele Hochschulabsolventen hätten den Drang zu zeigen, „dass man wer ist“. Das Problem: Zwar hätten sie bewiesen, dass sie ein Problem theoretisch durchdrungen hätten, verwechselten das aber „mit einer Betriebsfertigkeitsreife“. Diese Haltung gehe quer durch die Branchen und werde durch die Kulturen an den Hochschulen befördert. Dort fehle kritisches Feedback: „Wir erleben, dass Minderleistung durchgewinkt wird, die wirkliche Frage, 'Wie kann ich mich verbessern?', tritt in den Hintergrund.“ Dabei sei es durchaus hilfreich, im Studium das eine oder andere „wiederholen zu dürfen und sich auf unterschiedliche Anstrengungsausmaße einzustellen“. Also nicht für eine lasche Leistung ein unverdient dickes Lob einzufahren, sondern realistische Maßstäbe für die abgelieferte Leistung zu haben. „Die Betriebe stellen dann fest: Wir müssen erst mal Arbeitskultur vermitteln.“

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Was der Arbeits- und Organisationspsychologe zudem kritisiert, ist die hohe Anpassungsbereitschaft vieler Berufseinsteiger. Erfüllt von dem Gedanken, „in der Praxis ist alles anders“, stellten sie ihr Wissen zurück und lernten am Modell, Motto: „Was der Gorilla oben auf dem Affenfelsen macht, das bringt einen hier hoch!“ Sie passten sich dem betrieblichen Standard schnell an, auch wenn es überholte, zu Unrecht eingeschliffene Praktiken seien. „Neues Wissen kommt nicht an, die Welten koppeln sich ab“, sagt Sill und bedauert, dass die Einsteiger „das methodische Rüstzeug unter-, ihre Performance aber überschätzen“.

          Zu schnell zu viel gewollt

          Davor war auch Kai Angerer nicht gefeit. „Ich wollte zu schnell zu viel und konnte zu wenig“, sagt er heute selbstkritisch über seinen schweren Berufsstart. Offen über seine Fehler reden, ja, aber bitte nicht unter seinem richtigen Namen, auch nicht nach sechs Jahren. „Ich möchte mir beruflich einfach nichts verbauen“, erklärt der 34 Jahre alte Diplomingenieur, der in der Automobilindustrie arbeitet. Ein Googleklick, und sein Name werde mit frühem Versagen assoziiert, darauf hat der Münchener, der im Ruhrgebiet ein kleines Team leitet, kein Interesse. Was hat er konkret falsch gemacht? „Zu wenig zugehört, zu wenig auf Zwischentöne gehört. Mit meinem Tempo habe ich die Kollegen wohl regelrecht überfahren“, meint der Bayer im Rückblick. Frisch an der renommierten Technischen Universität München examiniert, stand dem ehrgeizigen Diplomingenieur die Berufswelt offen. Sogleich konnte er unter drei Angeboten wählen. „Hätte ich mich weiter beworben, dann wären es noch mehr geworden“, sagt er selbstbewusst. Er entschied sich für das Lukrativste.

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