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Psychologie am Arbeitsplatz : Jung, selbstherrlich, gescheitert

Unschön wird der Einstieg, wenn Unsicherheit mit Arroganz überspielt wird, Hauptsache, die anderen merken die Defizite nicht. Geschickt Verbesserungsvorschläge einzubringen, das aber will gelernt sein. Und das ist Neulingen nicht unbedingt gegeben. Ulla Dick, Wirtschaftspsychologin vom Berufsverband Deutscher Psychologen aus der Nähe von Hamburg, nennt das Beispiel einer tüchtigen jungen Ärztin, die nach zwei Monaten einem Oberarzt rückmeldete, dass die Abläufe auf seiner Station schlecht organisiert seien. Die „Das müssen wir anders machen“-Medizinerin weilte dort nur als Vertretung. „Man sollte erst mal zeigen, was man selbst draufhat, genau gucken, welchen Spielraum man zugeordnet bekommt“, rät Ulla Dick. „Fehlender Respekt vor dem, was andere geleistet haben, auch fehlende Demut sind häufig ein Problem von Berufsanfängern“, sagt die Karrierebuchautorin.

Diese Haltung ist auch Sören Drosten begegnet. Ein wachsendes Problem sieht der Kienbaum-Mitarbeiter in der Erbengeneration, die sich „nicht in den Semesterferien ans Fließband stellen musste und immer zu wenig gekämpft hat, um Ergebnisse zu erzielen“. Erfolg setze aber Analytik, Denkvermögen und Einsatz voraus, das sei vielen nicht bewusst, „die bringen zu wenig Substanz mit“, geht er mit den Wohlstandszöglingen ins Gericht.

Niederlagen gehören dazu

Ohnehin sei eine gewisse Übung im Umgang mit Rückschlägen „das Essentielle in diesen Tagen. Wenn es immer glattlaufen würde, geht man nicht an seine Grenzen. Sich weiterzuentwickeln, nicht die Brocken hinzuschmeißen, sondern versuchen, es besser zu machen, darauf kommt es an.“ Kurzum, Niederlagen als positives Element der Weiterentwicklung hinzunehmen. Können das die Absolventen? „Die Guten ja“, sagt der 42-Jährige.

Manche übertreiben es allerdings und lassen sich zu viel Arbeit aufbürden. Einen klassischen Anfängerfehler sieht zumindest Ulla Dick darin, sofort 150 Prozent geben zu wollen. Mancher Einsteiger wolle perfekt sein und überschätze seine Kräfte. Kein Auftrag ist zu eng terminiert, keine Konferenz zu spät am Abend. Den kann ich also grenzenlos belasten, denkt der Arbeitgeber. Und die Kollegen argwöhnen: Der will mich an die Wand spielen. „Zum Burnout ist es dann nicht mehr weit“, warnt Dick. Sie gibt aber zu, dass es eine Gratwanderung sein kann, „sich nicht alles aufzuhalsen und andererseits durch Aktivitäten, etwa einen Vortrag, auf sich aufmerksam zu machen“. Allen Anfängern rät sie, sich mit einem dicken Fell zu wappnen und damit umgehen zu lernen, „dass man was einstecken muss, aber auch, wenn man schlecht behandelt wird, denjenigen zu stellen. Zu schweigen zahlt sich nicht aus. Auch nicht in der Probezeit“, ermutigt sie.

Einen grundlegenden Fehler machen manche übrigens schon bei der Stellensuche, sagt Psychologe Sill. Sie erliegen dem Klang großer Namen und dem Irrglauben, wer bei einem Großkonzern einsteige, dessen Arbeitsplatz sei gesichert. Das Vorurteil halte sich hartnäckig. „Dass gerade die, die jung, kräftig und agil sind, laut Sozialplan als Erste gehen müssen, wird einfach nicht gesehen.“

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