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Serie „Anders arbeiten“ : Das Büro wird grün

Goldfruchtpalme, Bogenhanf und Efeutute für gesunde Luft

Dagegen hilft das Grün. Mindestens eine Großpflanze je Mitarbeiter ist nötig. Es reduziert die Müdigkeit und den trockenen Hals um bis zu 30 Prozent, verringert – über die erhöhe Luftfeuchtigkeit – den Husten um 37 Prozent und Hautprobleme um 23 Prozent.

Schon vor 25 Jahren baute der Inder Kamal Meattle ein Bürohaus in Neu-Delhi, in dem er mit drei einfachen Pflanzen die Luft reinigte, damit die Mitarbeiter endlich durchatmen konnten. Damals trieb ihn ein handfester Anlass um: Er selbst hatte eine Allergie gegen die giftige Luft in Neu-Delhi entwickelt und bereits mehr als zwei Drittel seines Lungenvolumens eingebüßt. Die Prognosen waren schlecht. Er müsse den Moloch verlassen. Doch Meattle blieb. Zusammen mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), dem Energie-Institut Teri und Forschungsergebnissen der Nasa entdeckte er, dass drei gewöhnliche Zimmerpflanzen ausreichend Frischluft in Innenräumen erzeugen können, um den Menschen bei Gesundheit zu halten: die Goldfruchtpalme, der Bogenhanf und die Efeutute. Drei schulterhohe Goldfruchtpalmen brauche jeweils ein Mensch, um sich den nötigen Sauerstoff zu verschaffen. Der nachtaktive Bogenhanf erledigt die gleiche Arbeit während der Dunkelheit. Und die Efeutute filtert Chemikalien aus der Luft.

Aber das ist längst nicht alles. Im „Journal of Experimental Psychology“ wurden vor einiger Zeit die Ergebnisse dreier sehr aufwendiger Feldversuche des Forscherteams Marlon Nieuwenhuis, Craig Knight, Tom Postmes und Alexander Haslam publiziert, die sich den Vorzügen grüner Büros im direkten Vergleich mit nichtbegrünten Räumen widmeten. Sie förderten nicht nur zutage, dass Pflanzen den Blutdruck senken und die Seele beflügeln, sondern dass sie die Produktivität der Mitarbeiter auch längerfristig signifikant um bis zu 15 Prozent steigern. Die Konzentration ist höher, was von den Mitarbeitern direkt auf die verbesserte Luftqualität zurückgeführt wird.

Wertschätzung für die Mitarbeiter

Inzwischen lassen sich die Raumbegrüner einiges einfallen, um Vielfalt in die modernen Gebäude zu bringen. Winfried Winkelmann vom Unternehmen Verbeek hat zum Beispiel vier seltene, sechs Meter hohe Tempelbäume aufgetrieben, um sie im Jahrhunderthaus der IG Metall in Bochum als Solitäre zu plazieren. In ganz Europa hat er gesucht, um die Prachtexemplare zu finden. Mitunter reist er aber auch noch weiter und fahndet in subtropischen Ursprungsländern nach geeigneter Vegetation – meist zu Beginn von Großprojekten, damit sich die Pflanzenexoten hier im Gewächshaus erst einmal akklimatisieren können.

Grüne Büros haben am Ende vor allem etwas mit der Wertschätzung der Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter zu tun. Wie viel ist ihnen ein gutes Raumklima im Wortsinne und im übertragenen Sinne wert? In Zeiten knapper werdender Arbeitskräfte müssen sich die Unternehmen immer mehr einfallen lassen. Das gilt im Übrigen auch für die öffentliche Hand, auch wenn die Behörden dies vielerorts noch nicht begriffen haben. In trostlos graue Büros oder gar Amtsstuben verlieren sich die begehrten Fachkräfte erst gar nicht.

Kluge Arbeitgeber haben die Verführungskraft des Grünen jenseits der muffigen Bürogummibäume längst erkannt. Amazon-Gründer Jeff Bezos auf jeden Fall. Er setzt augenscheinlich alles daran, dass sich die Menschen in der neuen grünen Arbeitswelt noch wohler fühlen als zu Hause. Wer lieber im botanischen Büro unter Glas sitzt als in einer dunklen Souterrainwohnung im kalten Seattle, der arbeitet auf Dauer wahrscheinlich auch mehr. Zum Wohle der Firma. Da rechnet sich das ganze Grün auch für das Unternehmen.

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