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Perspektiven aus fünf Branchen : So arbeiten wir im Jahr 2030

Bild: Privat / Bearbeitung F.A.Z.

Nimmt uns die Technik Aufgaben ab? Bleiben unsere Berufe, oder werden sie sich schon bald gänzlich wandeln? Wir haben Menschen aus fünf unterschiedlichen Branchen gefragt, wie sie sich ihre Arbeit im kommenden Jahrzehnt vorstellen.

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          „Wir werden kleiner an der Zahl der Mitglieder, ärmer an materiellen Ressourcen, aber nicht an Geist“, sagt Annegret Helmer, Pfarrerin in Aachen. Die Folge: „Wer dann dazugehört, der weiß vielleicht genauer warum und ermöglicht ein klares Profil und Erkennbarkeit. Das ist vergleichbar mit der Urkirche.“ Helmer formuliert den Krisen-Klassiker: „Das ist nicht nur Verlust, sondern auch Chance.“ Wie stellt sie sich ihren Berufsalltag in Zukunft vor? „Nicht viel anders als ich die letzten 30 Jahre auch gearbeitet habe: mit Liebe zu Menschen, mit guter Theologie, Selbstsorge und Organisationstalent, kirchliche Angebote über neue Formate zu entwickeln. Manches werden wir aufgeben müssen, was sich vielleicht überlebt hat.“ So entstehen neue Freiräume: „Ich muss noch nicht wissen, wo wir hinsteuern, wenn wir gemeinsam unterwegs und bereit zu permanentem Wandel sind“, sagt sie weiter.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus der 60 Jahre alten Mutter von zwei Söhnen spricht Lebens- und Auslandserfahrung. Mit ihrem Mann hat sie sich sechs Jahre in Bangkok eine Stelle geteilt, undenkbar ohne Improvisationstalent. Bevor sie nach Thailand zog, war die gebürtige Hildesheimerin 21 Jahre lang in Essen tätig. Seit drei Jahren arbeitet sie in der Evangelischen Christusgemeinde Alsdorf-Würselen-Hoengen-Broichweiden. „Menschen lassen sich mit überraschender und geduldiger Präsenz erreichen.“

          Preacher-Slams statt Kanzel

          Das sei längst die Herausforderung und werde künftig noch relevanter. Sie nennt Beispiele wie die im angelsächsischen Raum entstandenen Fresh-X-Projekte mit ihren Ladenkirchen, Andachten und offenen Türen oder neue Gemeindeformen wie das Raumschiff Ruhr in Essen. „Es wird zukünftig noch weniger um Betreuung als um Raum für Spiritualität und Begegnung gehen. Kirche ist das, was wir draus machen.“ Dazu gehörten Motorradgottesdienste ebenso wie Preacher-Slams, also Predigt-Wettbewerbe, die sich in Großstädten und auf Kirchentagen etabliert haben. „So entstehen innovative Verkündigungswege.“

          Noch bedeutsamer werde Musik, viele fänden über ihr Hobby Singen zur Kirche. Christliche Musicals und Kirchenmusik, gepaart mit Popkultur, erreichten Tausende, die mit klassischen konventionellen Angeboten wenig anfangen könnten. „So bleibt die Lust auf Begegnung.“ Ebenso mag die Helmer Bürgerkanzeln, wo Menschen, die etwas zu sagen haben, eingeladen sind, das Evangelium auszulegen, gleich ob Ärztin, Kabarettist, Krankenpfleger oder Bürgermeister.

          Erwartet „innovative Verkündigungswege“: Annegret Helmer, Pfarrerin in Aachen
          Erwartet „innovative Verkündigungswege“: Annegret Helmer, Pfarrerin in Aachen : Bild: Caren Braun

          „Da kann es berührend werden.“ Wie sieht sie das Internet? „Gut als Info- und Ideenbörse, als Riesenpinnwand, wo sich Kirche präsentieren kann, niederschwellige Andockfläche, als Showroom für das ganze Spektrum kirchlicher Identität, über Zoom-Konferenzen, Wohnzimmergottesdienste und Posaunenchöre im Videopuzzle wie jetzt in Corona-Zeiten. Das ist ein Riesenspielraum, kann aber analoge Formen der Gemeinschaft nicht ersetzen.“ Ein Zukunftswunsch: Ich wünschte, mein Tag hätte 36 Stunden!“

          URSULA KALS

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