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Personalvermittler : Die Headhunter jagen wieder

Headhunter werben jetzt auch an der S-Bahn Bild: Florian Manz / F.A.Z.

Früher riefen sie heimlich Manager an. Jetzt vermitteln sie auch Sekretärinnen: Headhunter sind wieder groß im Geschäft. Die Wirtschaftskrise, wegen der ihre Umsätze zeitweise um mehr als ein Drittel schrumpften, ist vorbei.

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          „Können Sie gerade frei sprechen?“ Deutschlands Headhunter telefonieren wieder mit wechselwilligen Managern. „Die Unternehmen suchen wieder ohne Ende Leute“, jubelt es unisono aus der Branche. Die Wirtschaftskrise, wegen der die Umsätze dieser Kopfgeldjäger der Wirtschaft zeitweise um mehr als ein Drittel schrumpften, ist vorbei.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Gesucht wird jetzt Personal für alle Ebenen. Da wäre die Teppichetage des „Persil“-Fabrikanten Henkel, der 2010 das beste Ergebnis der Firmengeschichte einfahren will. Vorstandschef Kasper Rorsted habe jüngst die Fähigkeiten der Führungskräfte seiner 50 000 Köpfe starken Truppe unter die Lupe nehmen lassen und sei mit den Ergebnissen des Management-Audits ganz und gar nicht zufrieden. Das behaupten die Personalvermittler hinter vorgehaltener Hand und raunen, Rorsted renne ihnen die Bude ein: „Der will Frischfleisch für die Internationalisierung.“

          Haben sie den Richtigen gefunden, kassieren Vermittler wie der Branchenführer Egon Zehnder ein Drittel der gesamten Bruttobezüge der neuen Kraft als Vermittlungshonorar - das heißt: ein Drittel der Summe aus Jahresgehalt, Dienstwagen und Altersvorsorge. So kommen schnell ein paar hunderttausend Euro zusammen. Für die Vermittlung von Roland Koch an den Baukonzern Bilfinger Berger dürfte an den Frankfurter Headhunter Heiner Thorborg noch mehr geflossen sein.

          Vermittlergiganten aus Übersee drängen auf den deutschen Markt

          Es geht auch billiger. Aus Übersee drängen Vermittlergiganten wie der börsennotierte Finanz-Spezialist Robert Half auf den deutschen Markt. Sie jagen den Platzhirschen wie Kienbaum die Umsätze ab und sind sich auch für die niederen Chargen nicht zu fein. „Mittlerweile rechnet es sich auch, Sekretärinnen zu vermitteln“, sagt Robert-Half-Manager Darren Payne. Sein Brot-und-Butter-Geschäft macht der Konzern durch Jobs mit Gehältern von 40.000 bis 90.000 Euro.

          Für solche Beträge würde Headhunter Dieter Rickert vermutlich nicht einmal aufstehen. Welten liegen zwischen dem Münchener Altmeister und Massen-Maklern wie Robert Half, die auf Plakaten um Köpfe werben und ihre Jobs in Online-Börsen feilbieten. Was die Vermittler eint, ist hingegen die Liebe zum Kostenkiller Internet. Während früher jeder Headhunter den richtigen Manager im „Hoppenstedt“-Band suchte, klicken sich die Vermittler heute durch die sozialen Netzwerke wie Xing, LinkedIn und notfalls auch Facebook.

          Branchenkenner Rainer Steppan, der jüngst mit „Headhunter“ ein Porträt der Branche vorgelegt hat, weiß aber, dass in Zeiten des neuen deutschen Wirtschaftswunders sogar das zuweilen nicht weiterhilft: „Ingenieure, die auch noch Vertriebsaufgaben übernehmen können - solche Perlen finden Sie momentan auch nach vier Monaten Suche nicht.“

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